22.02.2006
Appenweier eröffnet ein Ökokonto
Erste Maßnahmen bereits verbucht / Klemens Sauer äußerte Bedenken und stieß auf Unverständnis
 

Wie ein Ökokonto funktioniert, erklärte Wolfgang Röske am Montag dem Appenweierer Gemeinderat. Dieser beschloss dann auch gleich, die ersten Buchungen vorzunehmen.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier.
»Für das Ökokonto haben wir bereits Mittel in den Haushalt eingestellt«, sagte Bürgermeister Hansjürgen Stein in der Gemeinderatssitzung. Wie so ein Ökokonto funktioniert, erklärte den Räten Diplom-Biologe Wolfgang Röske (Institut für Ökosystemforschung). Dessen Hintergrund ist das Ausgleichsflächenkonzept, das besagt, dass für Eingriffe in die Natur und Landschaft der Verursacher Ausgleichsmaßnahmen durchführen muss. Ein Ökokonto sei für Stein dafür »eine sinnvolle Einrichtung«.

Wie bei einem richtigen Konto kann man Einzahlungen in Form von Maßnahmen tätigen, die in ein Punktesystem umgerechnet werden, ebenso erfolgen Abbuchungen. »Allerdings kommt nicht jeder Tümpel als Guthaben in Frage«, so Röske, der die Kriterien für anrechenbare Flächen vorlegte: fachliche Eignung (Abstimmung mit dem Naturschutzbeauftragten des Landratsamtes), reale Maßnahme (keine Pflichtaufgaben), verhältnismäßige Kosten und langfristige Sicherstellung (25 Jahre).

Als Beispiele führte Röske den Wannenbach in Appenweier an, der auf dem Ökokonto einen Mehrwert von 14000 Euro bringe, sowie den Holchenbach in Urloffen (Mehrwert von 913 500 Punkten) – eine Maßnahme der Gewässerdirektion Offenburg, die der Gemeinde die Punkte überlässt. Als Beispiel eines Ausgleichsdefizits rechnete er den Eingriff Wörth III mit einer Abbuchung von 41 600 Punkten für 650 Quadratmeter, höchste Wertstufe, vor.

Je nach Biotoptyp werden auf Basis der naturschutzfachlichen Bedeutung die Punkte vergeben – von 1 – vier Punkte für Straßen und Bauwerke (Bedeutung: »sehr gering«), bis zu 33 – 64 Punkte für einen Bachabschnitt (Bedeutung: »sehr hoch«). Die Bewertung erschien auf den ersten Blick aber nicht einfach nachvollziehbar, was auch die Nachfragen aus den Reihen der Räte zeigte. Aus der Diskussion war unter anderem auf eine Frage von Karl Sauer (SPD) auch zu entnehmen, dass die Punkte grundsätzlich bundesweit an Kommunen wie Unternehmen oder Private zu verkaufen seien. »Das wird noch nicht praktiziert, ist aber langfristig so angedacht«, so Röske, den Wert für die Punkte lege der Gemeinderat fest. Für Stein schien ein bundesweiter Punkte-Handel jedoch nicht zweckmäßig.

Befürchtungen geäußert
Skepsis äußerte Klemens Sauer (CDU), der zum einen befürchtete, dass landwirtschaftliche Fläche verloren gehe, zum anderen, dass man mit dem neuen Punktesystem schlechter aussteige, als mit den bisherigen Ausgleichsflächen; obwohl auch er den Vorteil erkannte, dass bis auf drei Jahre zurück getätigte Maßnahmen eingebucht werden können. Klemens Sauer befürchtete auch eine Verschlechterung des Bereiches Holchenbach durch das Wachstum von Schilf. Ein Bedenken, das Röske mit dem Verweis auf einen Pflegeplan zu zerstreuen versuchte. Und Edmund Kranz (FWV) meinte: »Das Gebiet kann sich nur nach vorne entwickeln.«

Kopfschüttelnd meinte schließlich Stein, dass er es nicht verstehe, dass gerade Klemens Sauer sich kritisch äußere. Der Landwirt habe sich bisher immer für ein Ökokonto ausgesprochen. Dem schloss sich Ludwig Kornmeier (Grüne) an. Und auch Siegfried Spengler (CDU) sagte: »Ich verstehe die Diskussion nicht, fünf Jahre reden wir davon, nun sind wir endlich so weit.«

Klemens Sauer hatte unter anderem auch moniert, dass man nicht über die Einführung des Kontos abstimme. Für den kopfschüttelnden Stein »nicht nachvollziehbar«, da man bereits Haushaltsmittel eingeplant habe, er kam der »Formalie« aber nach und kommentierte das Ergebnis: »Erstaunlicherweise sind alle dafür. Das freut mich.« Einstimmig einigte man sich schließlich auch auf das von Röske bereits angewandte Bewertungsverfahren und die ersten Einbuchungen. Mit dem Verfahren sei man, so Stein, auf der sicheren Seite, es werde von LfU (Landesanstalt für Umwelt), Landratsamt und Ministerium favorisiert. Verwaltet werde das Ökokonto vom Landratsamt (um Mehrfachbuchungen auszuschließen) und der Gemeinde, die aber Expertenhilfe beanspruchen müsse.


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