21.03.2006
Streifzug durch Eroberungsgefilde
Frauenflüsterer Martin Herrmann gab Appenweierer Publikum Patentrezepte gegen Einsamkeit
 

»Mit allen Wassern gewaschen« präsentierte Martin Herrmann sein neues Programm in Appenweier. Vom Schonwaschgang bis zum Schleuderprogramm setzte der Frauenflüsterer dabei sein kabarettistisches Können ein – nur mit einer Gitarre und seinem losen Mundwerk bewaffnet.

Von: Manuela Bijanfar

Appenweier. Die Frau fürs Leben hat Martin Herrmann alias »der Frauenflüsterer« noch immer nicht gefunden, dafür aber die richtige Lebensphilosophie: »Ich darf singen, ihr hört zu: Das liegt nur am IQ«, stimmte er die Appenweierer am Samstagabend auf seinen kabarettistischen und musikalischen Streifzug durch die Eroberungsgefilde männlicher und weiblicher Konquistadoren ein.

»Der einzig richtige Partner für alle Single-Frauen bin natürlich ich, aber ich kann sie ja nicht alle heiraten«, meinte er selbstbewusst. Allerdings weigert er sich ohnehin standhaft, vor den Traualtar zu treten, da sowieso 50 Prozent aller Ehen wieder geschieden werden.

Als Patentrezept gegen Einsamkeitsgefühle empfiehlt der Frauenflüsterer so genannte »Partnerschafts-CDs«, auf denen Partnergeräusche simuliert werden, etwa das Geräusch eines Staubsaugers oder das Einräumen des Geschirrspülers auf den männlich dominierten Tonträgern. Diejenigen für die weibliche Hörerschaft simulieren etwa Schnarchgeräusche, Hämmern sowie wahlweise das Pinkeln im Sitzen oder im Stehen. Wem das noch nicht genügt, den führen die Duftmarken herumliegender Socken direkt zum Herzen des Angebeteten. Seit der Erfindung von Viagra müssen sich auch Männer vor Unterführungen in Acht nehmen, denn: »Komm, das tut doch nicht weh: Runter mit der Pille, Schwänzchen in die Höh!« Die Schuldgefühle, die in einer Beziehung entstehen können, handelte der Frauenflüsterer in drei Strophen und mit herzerweichender Stimme ab.

Nach einer kurzen Verschnaufpause für Publikum und Kabarettist wartete Herrmann mit tiefsinnigen Haikus (japanische Gedichtform, Anm. d. Red.) auf, etwa dem »Schamhaar im Meerschaum’« und bewies damit, dass Haikus das »Brecheisen des Poeten« sind. In Zeiten, da auch Frauen den Militärdienst ableisten, kann man weibliche Panzerfahrer nur noch daran erkennen, dass sie zwar links blinken, aber rechts abbiegen – oder umgekehrt. Das Lied vom Idealpartner, der sich zum Pinkeln hinsetzt, seine Socken selbst wäscht und Geld hat wie Heu wurde vom Publikum mit spontanem Applaus aufgenommen, besonders die Pointe: »Jetzt frage ich Sie: Wozu braucht so ein Mann denn überhaupt noch eine Frau?« Und jungen Damen, die zu viel Bauch zeigen, empfiehlt Herrmann: »Mädchen, pass auf deine Nieren auf, es könnten morgen meine sein.« Und auch Piercings hätten durchaus ihre Vorteile: Mit einem speziellen Haken können so widerspenstige Schüler dennoch zur Mitarbeit gezwungen werden. Überglücklich, dass ihn eine junge Dame bei der Hand nimmt und mit ihm den Zebrastreifen überquert, erfolgt auf der anderen Straßenseite die Ernüchterung: »Ich helfe gerne älteren Leuten über die Straße.« Bei so vielen wertvollen Tipps zur Partnerwahl kam Herrmann natürlich nicht um eine Zugabe herum. Mit dem »Tollwutsong« und den Tagebuchaufzeichnungen eines Sahara-Touristen verabschiedete er sich von seinen Fans in Appenweier.


zurück