08.05.2006
Tödlicher Bazillus aus der Luft
Amt für Waldwirtschaft und Forstdirektion Freiburg bekämpften per Hubschrauber die Raupenplage

 

Das Bazillus Thuringiensis kam gestern aus der Luft – versprüht von einem Hubschrauber. Es soll den Raupen des Eichenprozessionsspinners den Garaus machen.

Von: Klaus Krüger

Ortenau. Die Raupen sind höchstens fünf Zentimeter groß und ihre Spiegelhaare nur 0,1 bis 0,25 Millimeter lang – aber doch haben es die Eichenprozessionsspinner im Jahr 2005 geschafft, an vielen Sportplätzen und Badeseen den Betrieb komplett lahm zu legen. Denn ihre Haare sind gefährlich, können schwere allergische Reaktionen auslösen. Gestern gab es einen Hubschraubereinsatz gegen die Raupen. Besprüht wurden 45 Orte in elf Gemeinden im ganzen Ortenaukreis – mit dem Bazillus Thuringiensis.

Der angemietete Hubschrauber flog vormittags vom Altenheimer Sportplatz aus die Einsatzstellen in der südlichen Ortenau ab (mit den Gemeinden Friesenheim, Kappel-Grafenhausen, Lahr, Meißenheim, Neuried und Schwanau) und nachmittags von Achern aus nach Achern, Appenweier, Kehl und Renchen.

Ausgetüftelt und koordiniert haben die Aktion das Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises und die Forstdirektion Freiburg – in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg. Die elf Gemeinden lassen sich die Aktion eine hübsche Stange Geld kosten. »Wir rechnen punktgenau aus, was jede Gemeinde zu zahlen hat«, sagte der Einsatzleiter, Oberforstrat Armin Jacob vom Regierungspräsidium Freiburg. Der Hektar kostet 140 Euro, insgesamt sind es 140 Hektar.

Und doch lohnt es sich für die Auftraggeber, wie das Beispiel des Angelvereins Lahr zeigt, der in letzter Minute noch mitmachte: Letztes Jahr musste der ASV für drei große Eichenbäume je 600 Euro hinblättern, bis sie frei von den Raupen waren. Die Hubschrauberaktion wird den Verein nur 100 bis 150 Euro je Baum kosten, rechnete Forstbezirksleiter Joachim Hass vom Landratsamt Offenburg vor.

Den Wirkstoff Bazillus Thuringiensis versprühte der Hubschrauber punktgenau auf die 2005 stark befallenen und heuer wieder verdächtigen Stellen. Der Sprühnebel regnet in zehn bis 15 Metern über den einzelstehenden Eichen herab, der Rotor des Hubschraubers drückt den Nebel in die Krone, berichtet Jacob. Er muss dann in den Kronen trocknen. Die Raupen fressen die Blätter und den Belag, das Bakterium gelangt in ihren Darm und zerfrisst die Darmwand – das Tier vertrocknet. »Das Mittel ist unschädlich für Gewässer, alle anderen Tiere und den Menschen. Sogar für andere Insekten«, versicherte Jacob. Hass ergänzte: Nur für Schmetterlingsraupen sei es tödlich – dann aber für alle. »Das ist ein gewünschter Nebeneffekt«, versicherte er. Denn es gehe so auch dem Frostspanner an den Kragen.

Trotzdem sprühte der Helikopter nur außerhalb der Siedlungen. Nach ein paar Tagen wird nachgeschaut. Ist alles gut getroffen, soll Bazillus Thuringiensis gleich ein paar Jahre lang wirken.


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