10.04.2006
Ovationen für »maultaschenbraune Augen«
Kabarett-Duo Andreas Faber und Manfred Guth begeisterten bei der 15. Appenweierer Kabarettnacht das Publikum
 

Die 15. Kabarett-Nacht in Appenweier und zehn Jahre »Faberhaft Guth« – das klang äußerst vielversprechend. Zu recht: Die beiden strapazierten die Lachmuskeln des Publikums.

Von: Manuela Bijanfar

Appenweier. Eine Klasse-Vorstellung gaben die beiden Kabarettisten Andreas Faber und Martin Guth bei der 15. Appenweierer Kabarett-Nacht. Kaum auf der Bühne, packten sie auch schon ihre Laptops aus, um ihr Archiv nach Höhepunkten von zehn Jahren Kabarett-Tätigkeit zu durchforsten. Doch kaum im Netz, stürzte der Computer ab. Was Faber dazu bewegte, eine Hotline zu kontaktieren. Und wie fast jeder andere Hobby-Surfer versteht auch er alles falsch: Statt »Runterladen« geht er runter in Laden, rückt seine Dame statt seine Taste auf F4, und kann nur mit Passwort überhaupt erst den Laden betreten.

Dann verteilt Faber Plastikblumen im Publikum, die es seinem Kumpel zuwerfen soll, denn er hebt zu singen an – zwar eher schlecht als recht, aber immerhin mit schmachtender Stimme und großem Erfolg, denn auf Handzeichen Fabers beginnen die Zuschauer immer wieder zu jubeln, wenn er etwa von »Deinen maultaschenbraunen Augen« singt.

In einer Stillgruppe verarbeiten beide ihren Frust. Denn Guths Freundin ist schwanger, erfreulicherweise sogar höchstwahrscheinlich von ihm. Da sie aber die Schwangerschaft viel besser fühlen kann als er, muss er in der Therapie zunächst einmal einen Eisprung simulieren und gilt danach als geheilt.

Gleich darauf äußert sich Faber als Professor über Sinn und Unsinn der Sommerferien, in denen plötzlich die Männer als Erzieher auftreten und Haushalt und Kinder gehörig aufmischen. Das Ende von Lied: Die komplette Familie liegt mit Darmgrippe im Bett, weil ihr das Essen des Hausherrn nicht bekommen ist.

»Pummeliger Normalo«
Als Guth in einer Provinzzeitung als »pummeliger Normalo« betitelt wird, frustriert ihn das so sehr, dass er sofort mit einer Null-Diät startet und sich seine Hoden piercen lässt. So gestärkt versucht er sich als Seminarleiter, der den Zuschauern und besonders Herrn Isenmann aus Biberach die Manager-Tätigkeit per Integral-Rechnung nahebringen will. Da aber seine Gedankengänge nur schwer nachzuvollziehen sind, will er es zu einem späteren Zeitpunkt erneut probieren, dieses mal unter dem Titel: »Scheitern als Chance – vom Tellerwäscher zum Bürgermeister und wieder zurück.«

Nach einer kurzen Pause starteten die beiden zum zweiten Teil – dieses Mal mit der Daily-Soap »TV Wuppner«, die das Leben einer Metzgerfamilie schonungslos offen legt. Auch vor Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen schrecken Faber und Guth nicht zurück, und parallel zur Rechtschreib-Reform haben sie eine Recht-Sprech-Reform eingeführt, in der es nicht mehr heißt: »Mein Urinstinkt« sondern: »Mein Urin stinkt.«

Seminarleiter Guth hat sich dann eine neue Zielgruppe ausgesucht: Die Kindergärten, denen er »Educating-Consulting« nahe bringen will: Die Mädchen fertigen bereits Näharbeiten für H&M, die Jungs Schreinerarbeiten für Ikea, um dann im zarten Alter von acht Jahren bereits das erste Manager-Seminar besuchen zu können …

Ob als Gesangslehrer, als Alleinunterhalter oder als Transvestit Dildo Anders – Fabers Verwandlungsfähigkeit war ebenso imposant wie Guths Sprechgeschwindigkeit. In Appenweier war man nach tosendem Beifall versucht zu sagen: »Faberhaft am Besten!«


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