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Die 15. Kabarett-Nacht in Appenweier und zehn Jahre »Faberhaft
Guth« – das klang äußerst vielversprechend. Zu recht: Die beiden
strapazierten die Lachmuskeln des Publikums.
Von: Manuela Bijanfar
Appenweier. Eine Klasse-Vorstellung gaben die beiden
Kabarettisten Andreas Faber und Martin Guth bei der 15. Appenweierer
Kabarett-Nacht. Kaum auf der Bühne, packten sie auch schon ihre
Laptops aus, um ihr Archiv nach Höhepunkten von zehn Jahren
Kabarett-Tätigkeit zu durchforsten. Doch kaum im Netz, stürzte der
Computer ab. Was Faber dazu bewegte, eine Hotline zu kontaktieren.
Und wie fast jeder andere Hobby-Surfer versteht auch er alles
falsch: Statt »Runterladen« geht er runter in Laden, rückt seine
Dame statt seine Taste auf F4, und kann nur mit Passwort überhaupt
erst den Laden betreten.
Dann verteilt Faber Plastikblumen im Publikum, die es seinem
Kumpel zuwerfen soll, denn er hebt zu singen an – zwar eher schlecht
als recht, aber immerhin mit schmachtender Stimme und großem Erfolg,
denn auf Handzeichen Fabers beginnen die Zuschauer immer wieder zu
jubeln, wenn er etwa von »Deinen maultaschenbraunen Augen« singt.
In einer Stillgruppe verarbeiten beide ihren Frust. Denn Guths
Freundin ist schwanger, erfreulicherweise sogar höchstwahrscheinlich
von ihm. Da sie aber die Schwangerschaft viel besser fühlen kann als
er, muss er in der Therapie zunächst einmal einen Eisprung
simulieren und gilt danach als geheilt.
Gleich darauf äußert sich Faber als Professor über Sinn und
Unsinn der Sommerferien, in denen plötzlich die Männer als Erzieher
auftreten und Haushalt und Kinder gehörig aufmischen. Das Ende von
Lied: Die komplette Familie liegt mit Darmgrippe im Bett, weil ihr
das Essen des Hausherrn nicht bekommen ist.
»Pummeliger Normalo«
Als Guth in einer Provinzzeitung als »pummeliger Normalo« betitelt
wird, frustriert ihn das so sehr, dass er sofort mit einer Null-Diät
startet und sich seine Hoden piercen lässt. So gestärkt versucht er
sich als Seminarleiter, der den Zuschauern und besonders Herrn
Isenmann aus Biberach die Manager-Tätigkeit per Integral-Rechnung
nahebringen will. Da aber seine Gedankengänge nur schwer
nachzuvollziehen sind, will er es zu einem späteren Zeitpunkt erneut
probieren, dieses mal unter dem Titel: »Scheitern als Chance – vom
Tellerwäscher zum Bürgermeister und wieder zurück.«
Nach einer kurzen Pause starteten die beiden zum zweiten Teil –
dieses Mal mit der Daily-Soap »TV Wuppner«, die das Leben einer
Metzgerfamilie schonungslos offen legt. Auch vor
Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen schrecken Faber und Guth nicht
zurück, und parallel zur Rechtschreib-Reform haben sie eine
Recht-Sprech-Reform eingeführt, in der es nicht mehr heißt: »Mein
Urinstinkt« sondern: »Mein Urin stinkt.«
Seminarleiter Guth hat sich dann eine neue Zielgruppe ausgesucht:
Die Kindergärten, denen er »Educating-Consulting« nahe bringen will:
Die Mädchen fertigen bereits Näharbeiten für H&M, die Jungs
Schreinerarbeiten für Ikea, um dann im zarten Alter von acht Jahren
bereits das erste Manager-Seminar besuchen zu können …
Ob als Gesangslehrer, als Alleinunterhalter oder als Transvestit
Dildo Anders – Fabers Verwandlungsfähigkeit war ebenso imposant wie
Guths Sprechgeschwindigkeit. In Appenweier war man nach tosendem
Beifall versucht zu sagen: »Faberhaft am Besten!« |