28.03.2006
Ludwig Kornmeier ist sehr enttäuscht:
Kandidat der Grünen erreicht zwar ein zweistelliges Ergebnis, doch 14 Prozent waren sein Ziel
 

Von: Fritz Bierer
Auch im zweiten Anlauf – 2001 kandidierte er im Wahlkreis Offenburg für die Grünen – hat es der Appenweierer Gemeinderat und das Kreistagsmitglied Ludwig Kornmeier nicht geschafft, in den baden-württembergischen Landtag einzuziehen. Zwar steigerte Kornmeier das Ergebnis der Grünen im Wahlkreis Kehl um satte 5,5 Prozent auf 11,5 Prozentpunkte. Es fehlten ihm aber rund 2,5 Prozent für ein mögliches Mandat. Enttäuscht war er vor allem über jene 3000 Appenweierer, die nicht zur Wahl gegangen sind.

Sind Sie arg enttäuscht, dass der Einzug ins Landesparlament verpasst wurde?
Ludwig Kornmeier: Ja schon. Ich bin vor allem von Urloffen enttäuscht, denn ich hatte in der Gesamtgemeinde Appenweier mit wesentlich mehr Stimmen gerechnet. Gefreut habe ich mich über das Ergebnis in Zusenhofen und Nußbach – das Renchtal überhaupt. Da habe ich eigentlich recht gut abgeschnitten. In Kehl selbst hätte ich etwas mehr erwartet. Wie schon gesagt: Meine Enttäuschung ist daheim zu finden, zwar nicht bei jenen Leuten, die zur Wahlurne gegangen sind, sondern bei denen, die nicht gewählt haben. Das waren über 3000 und das, obwohl man einen eigenen Kandidaten im Dorf hat. Das hat mich echt angefressen.

Aber im Wahllokal Rathaus Appenweier wurden für Sie mehr Stimmen gezählt als für den amtierenden Staatsminister Willi Stächele.
Kornmeier: Das stimmt, aber das ist mein Heimatbezirk direkt in Appenweier. In den anderen Stimmbezirken sind jedoch zu wenig Appenweierer wählen gegangen.

Wie viele Stimmen haben Ihnen für ein Mandat gefehlt?
Kornmeier: Der Viertbeste Grüne hatte 8600 Stimmen. Diese Kandidaten an der Spitze sind weit mehr davongezogen als ich ursprünglich erwartet hatte. Ich dachte, dass mir 7500 Stimmen reichen könnten, die Realität sieht anders aus: Ich hätte rund 8500 Stimmen benötigt, um an den vierten Platz und somit das Mandat heranzukommen. Es ist ein ungerechtes Wahlverfahren in Baden-Württemberg, weil wir so unterschiedlich große Wahlkreise haben. Der Wahlkreis Kehl hat 102 000 Wähler. Im Wahlkreis Tutlingen haben die Grünen nur 9,4 Prozent der Stimmen erreicht, jedoch 7500 Stimmen, weil im Wahlkreis 133 000 Wahlberechtigte leben. Wenn es nach Prozenten gewertet würde, dann wäre es gerechter. Dann wäre auch Landrat Klaus Brodbeck in den Landtag eingezogen. Denn er hatte nach Prozenten mehr Stimmen gesammelt als jener Kandidat von Villingen. Allerdings hat jener Kreis 122 000 Wahlberechtigte und somit der dortige FDP-Kandidat absolut mehr Stimmen als Klaus Brodbeck. In Prozenten dagegen lag der Villingener einen Punkt hinter unserem Landrat.

Sie haben das Ergebnis der Grünen im Wahlkreis Kehl im Vergleich zu 2001 jedoch deutlich gesteigert.
Kornmeier: Es war abzusehen, dass wir Grüne auf zehn Prozent kommen würden. Ich persönlich habe mir aber rund 14 Prozent im Wahlkreis Kehl ausgerechnet, da bin ich ganz ehrlich.

Und worauf begründeten Sie ihren Optimismus?
Kornmeier: Auf die letzte Kreistagswahl und weil mich die Menschen im vorderen Renchtal gut kennen und auch bei den Gemeinderatswahlen hatte ich sehr gut abgeschnitten. Ansonsten ist das Ergebnis der Grünen als gut zu bewerten.

Mit Blick auf das vorläufige Endergebnis der Wahlen in Baden-Württemberg: Würden Sie dem Grünen-Landesvorstand raten, sofern das Angebot tatsächlich kommen sollte, in eine Koalition mit der CDU zu gehen?
Kornmeier: Ich wäre dafür. Denn der Staatshaushalt ist total angespannt, in der Bildungspolitik muss was getan werden ebenso in der Gen-Technik sowie dem Atomausstieg. Da wollen wir unbedingt Einfluss nehmen auf die CDU. Es sind zwar ganz wichtige Themen, aber ich bin doch etwas skeptisch, ob sich die Christdemokraten überhaupt darauf einlassen. Ich meine, wir Grünen haben so gute Ideen und könnten durchaus zusammen mit der CDU arbeiten. Ich selbst hatte mir vorgestellt mit den CDU-Leuten gut zu harmonieren, weil ich dies in der Gemeinde und im Kreis auch gut kann. Leider hat es kein Grüner aus dem ländlichen Raum geschafft ins Parlament einzuziehen, sondern nur Kandidaten aus Studentenstädten.

Apropos CDU: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Staatsminister Willi Stächele ?
Kornmeier: Ich habe eigentlich gar keines. Mit allen anderen Kandidaten habe ich gesprochen, zu Jürgen Hengherr und Klaus Brodbeck besteht ein gutes Verhältnis. Zu Willi Stächele habe ich überhaupt keinen Bezug.

Gab’s schon Reaktionen vom Parteivorstand der Grünen auf ihr doch gutes Ergebnis im Wahlreis 52?
Kornmeier: Nein. Aber im Vergleich zu den Metropolen im Ländle ist mein Ergebnis nur mittelmäßig. Wie schon gesagt. 1000 Stimmen mehr in Appenweier hätten mir ein Gesamtergebnis von 14 Prozent gebracht und das wäre für den ländlichen Raum beachtlich. Und prozentual hätte ich den vierten Platz erreichen können. Das wäre für mich schon eine Genugtuung gewesen. Der Appenweierer Rückenwind hat mir gefehlt. Und da komme ich nur ganz schwer darüber hinweg. Es haben mich heute schon einige Menschen, nicht nur Grüne, angerufen und beglückwünscht. Ihre Freude, die sie zum Ausdruck gebracht haben, kann ich jedoch nicht mit ihnen teilen.

In fünf Jahren sind wieder Landtagswahlen. Gibt es einen dritten Anlauf von Ludwig Kornmeier?
Kornmeier: Ich hoffe jedenfalls, und die FDP will sich auch dafür stark machen, dass das Wahlgesetz in Baden-Württemberg so geändert wird, dass prozentual die vier Besten ein Mandat erhalten. Momentan haben jene Kandidaten, die in den Metropolen kandidieren, absoluten Vorrang. Geht es nach Prozenten, dann hätte ich durchaus eine Chance und ich würde es mir bestimmt auch überlegen, nochmals zu kandidieren.
Allerdings: Die Belastung, der Stress waren in den vergangenen Wochen auch sehr groß. Ich habe sehr schlecht geschlafen.


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