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Von: Fritz Bierer
Auch im zweiten Anlauf – 2001 kandidierte er im Wahlkreis Offenburg
für die Grünen – hat es der Appenweierer Gemeinderat und das
Kreistagsmitglied Ludwig Kornmeier nicht geschafft, in den
baden-württembergischen Landtag einzuziehen. Zwar steigerte
Kornmeier das Ergebnis der Grünen im Wahlkreis Kehl um satte 5,5
Prozent auf 11,5 Prozentpunkte. Es fehlten ihm aber rund 2,5 Prozent
für ein mögliches Mandat. Enttäuscht war er vor allem über jene 3000
Appenweierer, die nicht zur Wahl gegangen sind.
Sind Sie arg enttäuscht, dass der Einzug ins Landesparlament
verpasst wurde?
Ludwig Kornmeier: Ja schon. Ich bin vor allem von Urloffen
enttäuscht, denn ich hatte in der Gesamtgemeinde Appenweier mit
wesentlich mehr Stimmen gerechnet. Gefreut habe ich mich über das
Ergebnis in Zusenhofen und Nußbach – das Renchtal überhaupt. Da habe
ich eigentlich recht gut abgeschnitten. In Kehl selbst hätte ich
etwas mehr erwartet. Wie schon gesagt: Meine Enttäuschung ist daheim
zu finden, zwar nicht bei jenen Leuten, die zur Wahlurne gegangen
sind, sondern bei denen, die nicht gewählt haben. Das waren über
3000 und das, obwohl man einen eigenen Kandidaten im Dorf hat. Das
hat mich echt angefressen.
Aber im Wahllokal Rathaus Appenweier wurden für Sie mehr
Stimmen gezählt als für den amtierenden Staatsminister Willi
Stächele.
Kornmeier: Das stimmt, aber das ist mein Heimatbezirk direkt in
Appenweier. In den anderen Stimmbezirken sind jedoch zu wenig
Appenweierer wählen gegangen.
Wie viele Stimmen haben Ihnen für ein Mandat gefehlt?
Kornmeier: Der Viertbeste Grüne hatte 8600 Stimmen. Diese Kandidaten
an der Spitze sind weit mehr davongezogen als ich ursprünglich
erwartet hatte. Ich dachte, dass mir 7500 Stimmen reichen könnten,
die Realität sieht anders aus: Ich hätte rund 8500 Stimmen benötigt,
um an den vierten Platz und somit das Mandat heranzukommen. Es ist
ein ungerechtes Wahlverfahren in Baden-Württemberg, weil wir so
unterschiedlich große Wahlkreise haben. Der Wahlkreis Kehl hat 102
000 Wähler. Im Wahlkreis Tutlingen haben die Grünen nur 9,4 Prozent
der Stimmen erreicht, jedoch 7500 Stimmen, weil im Wahlkreis 133 000
Wahlberechtigte leben. Wenn es nach Prozenten gewertet würde, dann
wäre es gerechter. Dann wäre auch Landrat Klaus Brodbeck in den
Landtag eingezogen. Denn er hatte nach Prozenten mehr Stimmen
gesammelt als jener Kandidat von Villingen. Allerdings hat jener
Kreis 122 000 Wahlberechtigte und somit der dortige FDP-Kandidat
absolut mehr Stimmen als Klaus Brodbeck. In Prozenten dagegen lag
der Villingener einen Punkt hinter unserem Landrat.
Sie haben das Ergebnis der Grünen im Wahlkreis Kehl im
Vergleich zu 2001 jedoch deutlich gesteigert.
Kornmeier: Es war abzusehen, dass wir Grüne auf zehn Prozent kommen
würden. Ich persönlich habe mir aber rund 14 Prozent im Wahlkreis
Kehl ausgerechnet, da bin ich ganz ehrlich.
Und worauf begründeten Sie ihren Optimismus?
Kornmeier: Auf die letzte Kreistagswahl und weil mich die Menschen
im vorderen Renchtal gut kennen und auch bei den Gemeinderatswahlen
hatte ich sehr gut abgeschnitten. Ansonsten ist das Ergebnis der
Grünen als gut zu bewerten.
Mit Blick auf das vorläufige Endergebnis der Wahlen in
Baden-Württemberg: Würden Sie dem Grünen-Landesvorstand raten,
sofern das Angebot tatsächlich kommen sollte, in eine Koalition mit
der CDU zu gehen?
Kornmeier: Ich wäre dafür. Denn der Staatshaushalt ist total
angespannt, in der Bildungspolitik muss was getan werden ebenso in
der Gen-Technik sowie dem Atomausstieg. Da wollen wir unbedingt
Einfluss nehmen auf die CDU. Es sind zwar ganz wichtige Themen, aber
ich bin doch etwas skeptisch, ob sich die Christdemokraten überhaupt
darauf einlassen. Ich meine, wir Grünen haben so gute Ideen und
könnten durchaus zusammen mit der CDU arbeiten. Ich selbst hatte mir
vorgestellt mit den CDU-Leuten gut zu harmonieren, weil ich dies in
der Gemeinde und im Kreis auch gut kann. Leider hat es kein Grüner
aus dem ländlichen Raum geschafft ins Parlament einzuziehen, sondern
nur Kandidaten aus Studentenstädten.
Apropos CDU: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum
Staatsminister Willi Stächele ?
Kornmeier: Ich habe eigentlich gar keines. Mit allen anderen
Kandidaten habe ich gesprochen, zu Jürgen Hengherr und Klaus
Brodbeck besteht ein gutes Verhältnis. Zu Willi Stächele habe ich
überhaupt keinen Bezug.
Gab’s schon Reaktionen vom Parteivorstand der Grünen auf ihr
doch gutes Ergebnis im Wahlreis 52?
Kornmeier: Nein. Aber im Vergleich zu den Metropolen im Ländle ist
mein Ergebnis nur mittelmäßig. Wie schon gesagt. 1000 Stimmen mehr
in Appenweier hätten mir ein Gesamtergebnis von 14 Prozent gebracht
und das wäre für den ländlichen Raum beachtlich. Und prozentual
hätte ich den vierten Platz erreichen können. Das wäre für mich
schon eine Genugtuung gewesen. Der Appenweierer Rückenwind hat mir
gefehlt. Und da komme ich nur ganz schwer darüber hinweg. Es haben
mich heute schon einige Menschen, nicht nur Grüne, angerufen und
beglückwünscht. Ihre Freude, die sie zum Ausdruck gebracht haben,
kann ich jedoch nicht mit ihnen teilen.
In fünf Jahren sind wieder Landtagswahlen. Gibt es einen
dritten Anlauf von Ludwig Kornmeier?
Kornmeier: Ich hoffe jedenfalls, und die FDP will sich auch dafür
stark machen, dass das Wahlgesetz in Baden-Württemberg so geändert
wird, dass prozentual die vier Besten ein Mandat erhalten. Momentan
haben jene Kandidaten, die in den Metropolen kandidieren, absoluten
Vorrang. Geht es nach Prozenten, dann hätte ich durchaus eine Chance
und ich würde es mir bestimmt auch überlegen, nochmals zu
kandidieren.
Allerdings: Die Belastung, der Stress waren in den vergangenen
Wochen auch sehr groß. Ich habe sehr schlecht geschlafen. |