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Im Kehler Umland gibt’s wenig Kriminalität. »Häusliche
Gewalt« ist jedoch offenbar immer noch ein Tabu-Thema. Dies lässt
die Kriminalitätsstatistik vermuten.
Von: Michael Mülller
Rheinau/Appenweier. Die Bürger in Appenweier und Rheinau können
sich nach wie vor relativ sicher fühlen. Dies zeigt die
Kriminalstatistik 2005, die gestern in Kehl der Presse vorgestellt
wurden.
Erfreulich die insgesamt recht hohe Aufklärungsquote. Auffällig
hoch mit über 72 Prozent ist sie in Appenweier. Dies liegt jedoch an
einem ganz spezifischen Grund, erläuterte stellvertretender
Revierleiter, Markus Braun: Ein Großteil der in Appenweier
registrierten Straftaten sind Verstöße gegen Vorschriften des
Ausländerrechts – etwa dass Menschen ohne gültigen Pass aufgegriffen
werden oder keine gültige Aufenthaltserlaubnis besitzen. Viele
dieser Menschen werden im Zug von Kehl nach Appenweier aufgegriffen
– und als Tatort wird dann der nächste Bahnhof definiert. Und das
ist nun mal Appenweier. Auch am Autobahn-Rasthof Renchtal wird in
dieser Hinsicht viel kontrolliert. Für das subjektive
Sicherheitsempfinden der Bürger seien diese Fälle jedoch ohne
Belang.
Dieses Spezifikum erklärt auch einen anderen Aspekt der
Appenweierer Statistik: den hohen Anteil von Ausländern an den
registrierten Straftätern. Schaut man aber mal genauer hin, bleibt
von dem gern kolportierten Vorurteil, Ausländer seien krimineller
als Deutsche, nicht viel übrig: Fast drei Viertel aller
ausländischen Straftäter werden in Zusammenhang mit Verstößen gegen
das Ausländerrecht registriert.
Auffälligste Veränderung in Rheinau ist der Anstieg der Fälle von
schwerem Diebstahl – von 90 im Jahr 2004 auf 106 im Vorjahr.
Hauptverantwortlich hierfür ist die steigende Zahl von
Pkw-Aufbrüchen am Pendler-Parkplatz am Grenzübergang. Ein Anstieg
der Zahl der Wohnungseinbrüche sei nicht zu verzeichnen.
»Hol-Kriminalität«
Verstöße gegen das Ausländerrecht sind ein klassischer Fall von
»Hol-Kriminalität«: Hat man das Delikt, hat man oft auch den
Delinquenten dazu – und wenn verstärkt kontrolliert wird, steigt
auch die Zahl der registrierten Straftaten. Gleiches gilt für die
Rauschgift-Kriminalität: Hier ist die Zahl der registrierten Fälle
im Vergleich zu 2004 durch die Bank gestiegen – in Appenweier von 63
auf 102, in Rheinau von 12 auf 43. »Wir hellen das Dunkelfeld immer
mehr auf«, glaubt Braun. Im Übrigen handele es sich in den meisten
Fällen um das »Kiffen« von Cannabis – eine »offene Drogenszene« gebe
es selbst in Kehl nicht, so Revierleiter Jürgen Neff.
Gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist die Gewaltbereitschaft von
Kindern und Jugendlichen. Einen Trend will Braun daraus jedoch noch
nicht ablesen: »Ein Jugendlicher, der einem anderen einmal eine
runterhaut, ist noch nicht kriminell.« Im Übrigen, betont Neff, tut
die Polizei auch im Umland viel in Sachen Vorbeugung, etwa in Form
des Projekts »Strafrecht an Schulen«, das sich vor allem an noch
nicht strafmündige Kinder wendet.
Ein besonderer Fall ist der Bereich »Häusliche Gewalt«. In Kehl
ist die Zahl der registrierten Fälle gestiegen, in Appenweier und
Rheinau dagegen gleich geblieben. Hier vermutet die Polizei eine
hohe Dunkelziffer: Frauen schämen sich, zur Polizei zu gehen, und
die Nachbarn hören’s zwar, wenn sich ein Paar streitet, aber sie
melden es oft nicht. Fazit, so Neff: Je ländlicher eine Gemeinde
strukturiert ist, desto mehr wird der Ball in diesem Bereich »flach
gehalten«. |