19.05.2006
Abenteuerliches Alphabet
Literacy soll den Schauenburg-Kindern einen Entwicklungsvorteil bringen / Ganzheitlicher Ansatz
 

Vor der Einschulung werden die künftigen Schulanfänger im Schauenburg-Kindergarten durch Literacy vorbereitet. Die Kinder erweitern ihren Wortschatz durch ein Spiel. Das Buchstabenland ermöglicht einen altersgerechten Zugang zur Schriftsprache.

Von: Michael Ackermann

Appenweier-Urloffen. Im Buchstabenland sind die 26 Buchstaben des Alphabets als Puppen personifiziert: Die Buchstaben erleben in den Vorlesegeschichten und Liedern allerhand Spannendes und Abenteuerliches.

Die Idee des Buchstabenlandes entstammt von den Buchautoren Gerhard Friedrich sowie Viola de Galgôczy. Friedrich hat am Mittwoch in der Schwarzwaldhalle vor ca. 370 Erzieherinnen und Erziehern sowie 180 Lehrerinnen und Lehrern in einer Informationsveranstaltung zum Thema »Bildung von Anfang an – Früh fit« referiert.

Weiterer Lebensweg
Allem Lernen in der Schule liegt eine Schriftkultur, das heißt Einsicht in das alphabetische Prinzip der Schriftsprache, zugrunde: Die Schrift muss für den weiteren Lebensweg Inhalte und Bedeutung vermitteln können.

Mit Literacy soll ein Entwicklungsvorteil von Sprach- und Schriftkompetenz und damit auch ein guter Ausgangspunkt für den Schulerfolg sowie die Bildungslaufbahn geschaffen werden. In allem liegt das Erkennen von Sinn bildenden Zusammenhängen (zum Beispiel: Buchstabe, Wort, Satz, Geschichte, Buch). Es geht auch um die aktive Bedeutung von Sprache und der passiven von Schrift.

Bedeutung erkennen
Wie kann das gehen? Der Kindergarten greift zunächst das alterstypische Interesse der Kinder auf und zieht die Buchstaben, Reime, Geschichten und Bücher in den Tagesablauf im Kindergarten mit ein. Zunächst muss das Kind lernen, die Buchstaben herauszuhören, um die Bedeutung zu erkennen und die Unterschiede bezeichnen zu können – wie zum Beispiel zwischen »Sonne« und »Tonne«. Jedes Kind kann auch Bücher selbstständig nach seinem Interesse auswählen und ausleihen. Diese werden von den Eltern dann zu Hause vorgelesen oder erklärt. Eine praktische Anwendung üben die Erzieherinnen mit den Kindern auch im Schreiben von Einkaufslisten. Die Erzieherinnen lesen Geschichten vor, im Rollenspiel stellen Kinder diese nach.

Die Geschichte von »Ronja Räubertochter« wird im Juni in Oberkirch aufgeführt, die zukünftigen Erstklässler werden das Theaterspiel besuchen und werden vorher gut auf die Geschichte und Handlung vorbereitet sein.

»Besonders wichtig ist es, dass die Erwachsenen, ob Eltern oder Erzieher, den Kindern Märchen, Geschichten mit Spannung vorlesen. So finden die Kinder selbst einen begeisterten Bezug zum Buch. Durch die Geschichten und Bücher sind die Kinder dann sensibilisiert für Schriftsprache«, so Kindergartenleiterin Elisabeth Schneider.

Hintergrund
Unter Literacy versteht man den Sammelbegriff für alle Erfahrungen, die ein Kind um die Buch-, Schrift-, Erzähl- und Reimkultur machen kann. So macht das Kind schon im Vorschulalter Erfahrungen mit dem Objekt Buch an sich – zum Beispiel Lesen, Vorlesen, Kaufen, Verschenken – und dem Sinn der Geschichte an sich – zum Beispiel: Erfinden, Erzählen, Hören, Aufschreiben.

Als ganzheitlicher Ansatz wird die Hinführung zur Schriftsprache in allen ihren Erscheinungsformen verstanden. Die 26 Buchstaben aus der Sprache heraushören bedarf der hohen Sensibilisierung der Kinder und ist Grundlage für das spätere Erlernen von Lesen und Schreiben in der Schule. Weitergehend und praktisch orientiert erlernt das Kind aber auch die meist persönlichen, emotionalen Bezüge zum Brief als Verbindung zweier Personen durch die Schrift sowie den rein nützlichen Bezug zu einem Notizzettel als Gedankenstütze für einen selbst.


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