18.04.2006
Ortschaftsrat befürchtet Mülltourismus
Urloffener lehnen Antrag der Firma OCO H. Weber auf Lagerung und Behandlung »A IV-Altholz« ab
 

In der Sitzung des Urloffener Ortschaftsrates wurde ein Antrag der Firma OCO H.Weber & Co. KG (Urloffen) auf Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Änderungsgenehmigung einer Anlage zur Lagerung und Behandlung von Altholz auf dem ehemaligen Geba-Gelände in Zimmern abgelehnt.

Appenweier-Urloffen. Planer Ottmar Brudy präsentierte am Mittwochabend das Gesamtkonzept. Nachdem das ehemalige Geba-Gelände fast geräumt ist, will die Firma Zollikofer auf dem Grundstück eine erweiterte Altholzaufbereitung mit Lagerung vornehmen.

Bisher seien bei den Althölzern der Kategorie A I bis A III 5000 Tonnen Lagerkapazität und ein Durchsatz von 23 700 Tonnen genehmigt. Die Mengen dieser Holzart sollen verdoppelt werden.

Bei dem problematischeren, weil belastetem A IV-Holz hingegen soll die bisherige genehmigte Lagerkapazität von 50 Tonnen und einem jährlichen Durchsatz von bisher 1300 Tonnen auf 4000 Tonnen Lagerkapazität und 15 000 Tonnen Jahresdurchsatz erhöht werden. Dies entspricht, so rechnete Ratsdame Anita Herrmann vor, einer achtzigfachen Lagermenge und einem zwölffachen Jahresdurchsatz.

Die auf dem Betriebsgelände geschredderten Hölzer sollen nach Auskunft des Unternehmens dann mit Lastwagen wieder abtransportiert werden und zwar zur Verbrennung in einem Heizkraftwert in Kehl.

Eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung einer solchen Anlage fordere von den Betreibern außergewöhnlich strenge Auflagen, wie Brandschutz, Staubschutzgutachten und eine Berieselung des Holzes während dem Schreddervorgang, wurde mitgeteilt. Das Verkehrsaufkommen, so Planer Ottmar Brudy, werde im Vergleich zur bisherigen Nutzung durch die Firma Geba keine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung von Zimmern darstellen. Bei der Diskussion im Ratsgremium wurden die Information zerpflückt. Schon die Aussage über die künftige Verkehrsbelastung konnten die Ratsmitglieder nicht nachvollziehen. Ein Mitglied des Gremiums zählte erst vor wenigen Tagen in nur einer Stunde 16 Fahrzeuge, die den Betrieb ansteuerten.

Staubbelastung
»Auch wenn mit einer Betriebsansiedlung neue Arbeitsplätze geschaffen werden, sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass sich das Verkehrsaufkommen zusätzlich erhöhen wird und eine enorme Staubbelastung zu erwarten ist«, so Karl-Heinz Moll. »Und dies können wir der Bevölkerung nicht zumuten«.

Das Problem der ganzen Diskussion, so Ortsvorsteher Siegfried Spengler, sei das belastete »A IV-Holz« und hier gelte es, den Ort zu schützen. Auch für Anita Herrmann war die Verarbeitung der »A IV-Hölzer« Dreh- und Angelpunkt bei der Entscheidung pro oder dagegen. Sie sehe nicht ein, so die Ratsdame, dass belastete »A IV-Hölzer«, wie hochgiftige Eisenbahnschwellen aus dem ganzen Land in Zimmern verarbeitet werden sollen.

Nach der Herkunft dieser Hölzer gefragt, teilten die Beitreiber mit, dass diese aus dem gesamten Gebiet von Karlsruhe bis Lörrach kämen. Und genau diese Aussage war dann auch schließlich ausschlaggebend für die Entscheidung des Gremiums, weil ein Müll-Tourismus nach Urloffen von den Bürgervertretern nicht gewollt ist.

Die beantragten baulichen Veränderungen sollen durchgeführt und die Schredderhalle an ihrer vierten Seite geschlossen werden, votierte das Gremium. Der Verdoppelung der Lagerkapazität der »A I bis A III-Hölzer« von 5000 Tonnen auf 10 000 Tonnen und einem jährlichen Durchsatz von künftig 50.000 Tonnen wurde bei einer Enthaltung zugestimmt.

Schutz für Bevölkerung
Dagegen lehnte der Ortschaftsrat sowohl die beantragte Lagerkapazität von 4000 Tonnen der belasteten »A IV-Hölzer« sowie den jährlichen Durchsatz von 15 000 Tonnen ab. Die Anpassung dieser Hölzer dürfe nur entsprechend der erhöhten Fehlwurfmenge aus der Altholzkategorie A I bis A III erfolgen.

Mit diesem einstimmigen Beschluss hat das Ratsgremium insbesondere die Bevölkerung des Ortes geschützt, gleichzeitig aber auch der Betreiberfirma noch genügend Freiraum zur Planung gegeben.


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