02.06.2007
TGV muss sein Tempo drosseln
Serie zum Hochgeschwindigkeitszug (4): Für Aufrüstung der Trasse ab Kehl braucht man noch Jahre


02.06.2007 - Ortenau. Der TGV-Est wird zwar, wenn er ab dem 10. Juni von Paris via Straßburg in Richtung Stuttgart braust, nicht in der Ortenau halten. Gleichwohl sind auf dem rund 14 Kilometer langen Abschnitt zwischen Kehl und Appenweier viele Aufrüstungsmaßnahmen notwendig, damit der Hochgeschwindigkeitszug ein Tempo zwischen 160 und 200 km/h erreichen kann. Bis es soweit ist, wird es aber noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Auch gilt es, Boden und Gleise, falls nötig, zu stabilisieren.

Nach jahrelangen Diskussionen wird man aller Voraussicht nach im kommenden Jahr mit dem Bau der zweigleisigen Bahnbrücke über den Rhein beim Kehler Bahnhof beginnen. Die Überführung, die rund 23 Millionen Euro kosten wird, soll bis 2010 fertig werden und die jetzige eingleisige Brücke ersetzen.

Beginn in Neumühl
Begonnen hat man schon mit der Schließung der insgesamt zehn »höhengleichen« beschrankten Bahnübergänge auf der Trasse zwischen Kehl und Appenweier. So wurde bereits in Neumühl eine Schranke geschlossen und stattdessen eine Überführung errichtet. Nach Angaben der Stadt Kehl ist geplant, bei einem zweiten Bahnübergang in Neumühl ähnlich zu verfahren. Wie ein Bahn-Sprecher der Mittelbadischen Presse erläuterte, sollen die Übergänge bis »Ende 2010/Anfang 2011« gesperrt und teilweise durch Brücken und Unterführungen ersetzt werden. Dabei haben aber auch die betroffenen Kommunen oder andere Instanzen ein Wort mitzureden, weil sich diese Instanzen finanziell beteiligen.

Umstritten ist die Planung in Kehl Kork, wo zwei Bahnübergänge – am Bahnhof und an der katholischen Kirche – zu beseitigen sind. Nach den Vorstellungen der Bahn sollte als Ersatz eine Umgehungsstraße mit neuer Brücke über die Bahnlinie errichtet werden. Beim Korker Bahnhof würde man eine Unterführung für Radfahrer und Fußgänger bauen.

Gegen diese Planung wenden sich aber der Korker Ortschaftsrat und andere Kräfte. Diese plädieren für eine Unterführung am Bahnhof, der auch einspurig von Autos genutzt werden kann. Manche machen sich sogar für einen zweispurigen Tunnel stark, wobei diese Varianten für die Stadt natürlich sehr viel teurer kämen. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Die Planungen für den Ersatz der derzeit sechs Schrankenübergänge im Raum Legelshurst/Sand sind nach Angaben des Legelshurster Ortsvorstehers Reinhard Jockers schon abgeschlossen. Drei Übergänge auf landwirtschaftlich genutzten Wegen sollen ersatzlos gestrichen werden. Auf der Strecke zwischen Odelshofen und Willstädt soll die Schranke durch eine Brücke ersetzt werden. Statt des beschrankten Übergangs zwischen Legelshurst und Sand am Legelshurster Bahnhof wird es neben einer Überführung einen Tunnel für Radler und Fußgänger geben. Der Bau einer Brücke ist bei dem Übergang auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Sand und Urloffen wegen eines dort befindlichen Schutzgebietes für Brachvögel nach Angaben von Jockers jedoch nicht möglich. Man muss deswegen eine Unterführung bauen. Die neuen Kreuzungen werden durch Verkehrswege angebunden. Nach Auskunft der Bahn wird man auch noch über Schallschutzmaßnahmen zu entscheiden haben.

Kritik aus Appenweier
Am meisten Zeit wird man für den Ausbau der »Appenweirer Kurve« brauchen – jene Trasse, auf der der TGV auf die Rheintalstrecke in Richtung Karlsruhe brausen soll. Wie ein Vertreter der Bahn betonte, sei aber bei dem bisherigen Sachstand davon auszugehen, dass dieser Streckenabschnitt vor dem Jahr 2015 fertig sein kann. Noch keine Auskunft konnte der DB-Sprecher über die konkrete Planung geben. So sei nicht klar, welchen Radius die Kurve haben wird. Davon hängt ab, mit welchem Tempo der Hochgeschwindigkeitszug an Appenweier vorfährt.

In Appenweier stößt das Vorgehen der Bahn auf Kritik. Seit Jahren würden in der Gemeinde Flächen für die Bahntrasse freigehalten, ohne dass sich die DB festgelegt habe, kritisiert Bürgermeister Hansjürgen Stein. Die Raumordnungsplanung sei auch schon lange abgelaufen. Stein kritisiert, dass die Trasse das geplante Industriegebiet »Langmatt« und das Gewerbegebiet »Ettenbach« sowie andere Bereiche beeinträchtigen würde. Weil die Bahn ihre Planung noch nicht bekannt gegeben hat, hänge man völlig in der Luft.

Der Bürgermeister scheut jetzt vor einem Konflikt nicht mehr zurück. Jetzt werde man beim Industriegebiet »Langmatt« den fraglichen Bereich einfach überplanen. Stein: »Dann ist Schluss mit lustig.«

In der nächsten Folge der Serie am kommenden Mittwoch: Werden die Ortenauer den TGV nutzen? Eine Umfrage im Kehler Zentrum.


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