Die »Ära Grumer« ging zu Ende

 
28.07.2004
Der Appenweierer Gemeinderat konnte durch gute Kontakte viel für seinen Heimatort erreichen
 
45 Jahre war Josef Grumer Gemeinderat in Appenweier. Montagabend hielt der leidenschaftliche Kommunalpolitiker seine Abschiedsrede.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier (keh). »Nun denn, ich hab’ auch noch etwas zu sagen«, befand Josef Grumer, nachdem ihm Bürgermeister Hansjürgen Stein in Würdigung seiner Verdienste Präsente von Gemeinde und Gemeindetag überreicht hatte. Grumer zog das Jackett aus, krempelte die Ärmel hoch und holte zu einer flammenden Rede aus.
»Damals stand allerhand im Raum, als ich 1959 in den Gemeinerat kam«, verwies Grumer auf »gewaltige Korrekturen« des Bundesbaugesetzes. Er griff einige wesentliche Projekte heraus, die in seiner Amtszeit vorangebracht worden sind – wie etwa die Kläranlage, die Autobahnraststätte und -ausfahrt, die beinahe »Offenburg-Nord« geheißen hätte, oder die Kommunalreform. »Ich hatte ganz gute Kontakte, durch die ich viel für Appenweier bewegen konnte«, verwies der 78-Jährige auf Freund- und Bekanntschaften zu Abgeordneten, Regierungspräsidenten, Landräten und Bürgermeister.
»Ich habe darum gekämpft, dass Appenweier selbstständig und Mittelpunktgemeinde bleibt«, freute sich Grumer trotz eines Wermutstropfens: »Es tut immer noch weh, dass Zusenhofen, Nußbach und Windschläg nicht zu Appenweier gehören.«
Grumer, der über viele Jahre auch Bürgermeisterstellvertreter war, ist bekannt, dass er manchmal zu unorthodoxen Mitteln gegriffen hat, wollte er etwas voranbringen. Er selbst muss schmunzeln, wenn man ihn danach fragt, was es mit der Kirchenbeleuchtung auf sich hat. »Damals musste der Bürgermeister nach seinem dreiwöchigen Urlaub nur noch den Schalter anmachen«, erinnert sich Grumer und sagt: »Es ist immer etwas gelaufen, wenn ich den Bürgermeister vertreten habe.«
Gelaufen ist bei Grumer auch immer etwas in den vielen Vereinen, in denen er Mitglied war und ist. Für sein vielfältiges Engagement bekam er deshalb mit 50 Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen.
In Urloffen daheim
Eines bedauert er allerdings, wenn von Gegensätzen zwischen den Ortsteilen die Rede ist: »Ich war immer auch in Urloffen im Rathaus daheim, wie kein Ortsvorsteher oder Bürgermeister – und ebenso in Nesselried, auch wenn man dort Besprechungen nicht im Rathaus, sondern im ‘Engel’ abgehalten hat.«
Es gebe viele Dinge anzusprechen, meinte Grumer, der für ausführliche Reden bekannt ist, schließlich resümierte er dennoch: »Es war schön, man kam viel mit den Leuten zusammen.« Und er vergaß nicht, jenen zu danken, die ihn immer wieder in sein Amt gewählt haben: »Für mich war stets der Auftrag maßgebend. Durch das Vertrauen meiner Wähler hab’ ich immer wieder Bestätigung bekommen.«
Von seiner ersten Wahl 1959 an kam Grumer stets mit Direktmandat in den Gemeinderat. Und wer weiß, vielleicht hätte der 78-Jährige noch einmal den Sprung geschafft, hätte er sich im vergangenen Juni erneut der Wahl gestellt...

 

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