11.03.2005
»Wir brauchen uns nicht verstecken«
Gemeinderat sprach sich einstimmig für einen Beitritt zum Ortenauer Bündnis für Familien aus
 

Den Beitritt zum Ortenauer Bündnis für Familien hat der Gemeinderat Appenweier in seiner Sitzung am Montagabend beschlossen. Rat und Bürgermeister wollen die Familien politisch stärken.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Wir brauchen uns in Appenweier wirklich nicht verstecken«, sagte Bürgermeister Hansjürgen Stein am Montagabend in der Gemeinderatssitzung in Hinblick auf die Familienfreundlichkeit der drei Ortsteile und gab einen Überblick darüber, was in den letzten vier Jahren gelaufen sei: Sechs Spielplätze wurden in Appenweier, Urloffen und Nesselried saniert bzw. neu angelegt, zwei Kindergärten (St. Elisabeth in Appenweier, St. Martin in Urloffen) »aufwändig saniert«. Er erinnerte an das neue Kindergartengesetz und die Kommunalisierung der Kindergärten zum 1. Januar 2004 und meinte stolz: »Unsere Mitarbeiter bringen eine gute Leistung im Kindergarten mit einem eigenen hohen Anspruch.«
Qualitätsoffensive
Gegen Stimmen, die immer wieder laut würden und meinten, es gäbe nur einen wirklich guten Kindergarten, verwahrte sich der Bürgermeister. »Jetzt geht es weiter, wir haben die Qualitätsoffensive eingeläutet«, so Hansjürgen Stein. Alle Kindergärten hätten schriftlich pädagogische Richtlinien erarbeitet. Positiv hob er das »Vogelnest« hervor (»Dadurch hat sich die Trägervielfalt in Appenweier erhöht.«) und ging auf Leistungen in der Kinderbetreuung vor Ort ein. Diese decke von der Regelgruppe über verlängerte Öffnungszeiten bis zur verlässlichen Grundschule, Hausaufgaben- und Ferienbetreuung so ziemlich alles ab. Als »Krönung« sah Stein die jüngst beschlossene Ganztagsbetreuung im Kindergarten (wir berichteten mehrfach) an.
Aber nicht nur durch Angebote für Kinder würden die Familien unterstützt, auch durch die wohnortnahe Betreuung der älteren Bürger – wie im Betreuten Wohnen oder in den Pflegeheimen. »Es ist ein wichtiges Ziel, die Familien politisch zu stärken«, plädierte Bürgermeister Stein für einen Beitritt zum Ortenauer Bündnis für Familien. »Wir können uns dort einbringen und Informationen erhalten«, verspricht sich Stein.
In der Diskussion wurde quer durch die Bank rasch klar, dass die Gemeinderäte einem Beitritt positiv gegenüberstehen, auch wenn anfangs eine eventuelle finanzielle Belastung befürchtet wurde. Der Bürgermeister versicherte allerdings: »Falls es Geld kostet, kommt das Thema wieder in den Gemeinderat.« Und Karl Sauer (SPD) meinte: »Wenn es etwas kostet, wird es die Gemeinde nicht gleich ins Schlingern bringen.«
Standort-Vorteil
»Keine großen Kosten, dafür eine gute Informationsquelle« erhoffte sich auch Petra Salenbacher (CDU) von dem Bündnis. Als »Ideenbörse, in der man Anregungen erhält, was man tun kann, um auch als wirtschaftlicher Standort familienfreundlich zu sein«, charakterisierte Ludwig Kornmeier (Grüne) den kreisweiten Zusammenschluss. Am Ende votierten die Räte einstimmig für einen Beitritt.

Hintergrund

Bereits im November 2004 wurde das Ortenauer Bündnis für Familien gegründet. Die Mitglieder, darunter Kommunen, Kirchen, Wirtschaft, verpflichten sich, in den kommenden Jahren gemeinsam familienfreundliche Angebote und Strukturen im Kreis auszubauen und aufeinander abzustimmen – Beispiel Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Als einer der Partner bringt der Kreis 70 000 Euro für die Koordinierung. Projekte und Öffentlichkeitsarbeit auf.
Mit Stand Februar 2004 waren 24 Gemeinden dem Bündnis beigetreten, nun folgt auch Appenweier nach dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss. keh


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