Einen stillen Protest gegen die Schließung
ihrer Postfiliale übten am Mittwochabend
etwa 100 Appenweierer bei einem
Schweigemarsch durch die Ortenauer Straße.
Von Kerstin Handsteiner
Von:
Kerstin Handsteiner
Appenweier. »Weil wir mündige Bürger sind,
die ihre Interessen und Wünsche ausdrücken
wollen, sind wir heute hier«, sagte Evelin
Wollny-Ullrich Mittwochabend vor dem
Appenweierer Rathaus. Dort hatten sich um
die 100 Leute versammelt, um gegen die
Schließung ihrer Postfiliale zu
demonstrieren. Wollny-Ullrich sprach von
»falscher Entscheidung« und »Unterstützung
des Postbediensteten«, von »Zeichen setzen
wollen«, »Betroffenheit, Verärgerung und
Ohnmacht«.
Zuvor hatte Martin Borho die Demonstranten
begrüßt und Brigitte Mans über eine
Postkartenaktion informiert, mit der man bei
der Vertriebsdirektion in Stuttgart nochmals
auf sich aufmerksam machen möchte.
»Bisher haben wir geschrieben, gesprochen,
verhandelt – heute schweigen wir«, sagte
Wollny-Ullrich und mahnte, sich an die
Weisungen der Polizei zu halten: »Unser
Protest ist heute kein schreiender,
randalierender, sondern ein schweigender«,
sagte sie: »Wir tragen Kerzen als Zeichen
der Hoffnung, dass die heutige
Postschließung nicht endgültig sein möge!«
Dann, kurz nach 18 Uhr, setzte sich der
Tross in Bewegung – voran Jonathan Ritzel
mit seiner Trommel und Brigitte Mans.
Hinterher kamen Kinder mit Plakaten, auf
denen »Unsere Post ist nicht mehr da« und
»Wir trauern um den Verlust unserer Post«
stand, Erwachsene trugen Grab- und
Teelichter in ihren Händen. Von den
Trommelschlägen begleitet ging es so vom
Rathaus durch die Ortenauer Straße zum
Postgebäude.
Vor der ehemaligen Post griff dann
Bürgermeister Hansjürgen Stein zum Mikrofon,
hieß die Demonstranten »herzlich willkommen«
und bedauerte: »Die Deutsche Post AG teilte
mir im Juli per Fax in einem sechszeiligen
Schreiben mit, dass ab heute unsere
Postfiliale in eine Partner-Filiale
‘umgewandelt’ wird. Dürre Worte, die eine
lange, schöne Tradition zerschlagen.«
Stein ging auf die Geschichte der Post in
Appenweier ein und auf den Kampf um den
Erhalt der Filiale. »Ich habe die Post
gebeten, die Zahlen, die beweisen sollen,
dass die Filiale Appenweier unwirtschaftlich
ist, offen zu legen«, sagte der
Bürgermeister, der darauf keine Antwort
bekommen habe. »Ist Appenweier mit einem
Einzugsgebiet von weit über 10 000 Menschen
vielleicht doch rentabel und nur aus
Gleichmacher-Grundsätzen ausradiert
worden?«, fragte der Bürgermeister und
unterstellte, die Post AG wolle lediglich
ihre Gewinne maximieren.
»Ich möchte es deutlich sagen, wir
protestieren heute nicht gegen die neue
Postagentur, sondern für die Belassung des
alten Zustands«, so Stein, der die
Initiative der Appenweierer, die unter
anderem 3320 Unterschriften gesammelt und
diese an Bundestagsabgeordnete
weitergeleitet hatte, lobte: »Der Bürgersinn
lebt. Wir haben eine lebendige Gemeinde.« |