26.11.2004
Stiller Protest und Fünkchen Hoffnung
Bürgerinitiative »Nein zur Schließung der Postfiliale Appenweier« organisierte einen Schweigemarsch

Einen stillen Protest gegen die Schließung ihrer Postfiliale übten am Mittwochabend etwa 100 Appenweierer bei einem Schweigemarsch durch die Ortenauer Straße.
Von Kerstin Handsteiner

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Weil wir mündige Bürger sind, die ihre Interessen und Wünsche ausdrücken wollen, sind wir heute hier«, sagte Evelin Wollny-Ullrich Mittwochabend vor dem Appenweierer Rathaus. Dort hatten sich um die 100 Leute versammelt, um gegen die Schließung ihrer Postfiliale zu demonstrieren. Wollny-Ullrich sprach von »falscher Entscheidung« und »Unterstützung des Postbediensteten«, von »Zeichen setzen wollen«, »Betroffenheit, Verärgerung und Ohnmacht«.
Zuvor hatte Martin Borho die Demonstranten begrüßt und Brigitte Mans über eine Postkartenaktion informiert, mit der man bei der Vertriebsdirektion in Stuttgart nochmals auf sich aufmerksam machen möchte.
»Bisher haben wir geschrieben, gesprochen, verhandelt – heute schweigen wir«, sagte Wollny-Ullrich und mahnte, sich an die Weisungen der Polizei zu halten: »Unser Protest ist heute kein schreiender, randalierender, sondern ein schweigender«, sagte sie: »Wir tragen Kerzen als Zeichen der Hoffnung, dass die heutige Postschließung nicht endgültig sein möge!« Dann, kurz nach 18 Uhr, setzte sich der Tross in Bewegung – voran Jonathan Ritzel mit seiner Trommel und Brigitte Mans. Hinterher kamen Kinder mit Plakaten, auf denen »Unsere Post ist nicht mehr da« und »Wir trauern um den Verlust unserer Post« stand, Erwachsene trugen Grab- und Teelichter in ihren Händen. Von den Trommelschlägen begleitet ging es so vom Rathaus durch die Ortenauer Straße zum Postgebäude.
Vor der ehemaligen Post griff dann Bürgermeister Hansjürgen Stein zum Mikrofon, hieß die Demonstranten »herzlich willkommen« und bedauerte: »Die Deutsche Post AG teilte mir im Juli per Fax in einem sechszeiligen Schreiben mit, dass ab heute unsere Postfiliale in eine Partner-Filiale ‘umgewandelt’ wird. Dürre Worte, die eine lange, schöne Tradition zerschlagen.«
Stein ging auf die Geschichte der Post in Appenweier ein und auf den Kampf um den Erhalt der Filiale. »Ich habe die Post gebeten, die Zahlen, die beweisen sollen, dass die Filiale Appenweier unwirtschaftlich ist, offen zu legen«, sagte der Bürgermeister, der darauf keine Antwort bekommen habe. »Ist Appenweier mit einem Einzugsgebiet von weit über 10 000 Menschen vielleicht doch rentabel und nur aus Gleichmacher-Grundsätzen ausradiert worden?«, fragte der Bürgermeister und unterstellte, die Post AG wolle lediglich ihre Gewinne maximieren.
»Ich möchte es deutlich sagen, wir protestieren heute nicht gegen die neue Postagentur, sondern für die Belassung des alten Zustands«, so Stein, der die Initiative der Appenweierer, die unter anderem 3320 Unterschriften gesammelt und diese an Bundestagsabgeordnete weitergeleitet hatte, lobte: »Der Bürgersinn lebt. Wir haben eine lebendige Gemeinde.«

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