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Etwa 70 Bürger waren am Montagabend in der Appenweierer Gemeinderatssitzung.
Grund: Der Entwurf der »Verkehrskonzeption 2020« stand auf der Tagesordnung.
Diesen nahmen die Gemeinderäte auch zustimmend zur Kenntnis.
Von: Kerstin Handsteiner
Appenweier. Auf derart großes Interesse stoßen
Gemeinderatssitzungen – wie jene am Montagabend – selten: Etwa 70 Bürger
hatten sich im Appenweierer Rathaus eingefunden; wenn auch nicht alle bis
zum Schluss ausharrten. Das Gros war wegen Tagesordnungspunkt 1, der
»Verkehrskonzeption 2020« (Beschlussfassung über den Entwurf), gekommen.
Favorisierte Variante
Hermann Müller (Planungsbüro Zink) stellte – wie schon in der
Bürgerversammlung am 19. Juli in der Schwarzwaldhalle – die
»Verkehrskonzeption 2020« mit sämtlichen (zum Teil nicht finanzierbaren)
Lösungsansätzen vor. Die von der Verwaltung – gegenüber der Verlängerung der
nördlichen Bahnhofstraße – favorisierte und letztlich vom Gemeinderat auch
einstimmig beschlossene Variante führt im Süden von der Sander Straße über
die Ludwig-Winter-Straße und einem Teil der Güterstraße (vor der bebauten
Ortslage) mittels Brücke über die Bahntrasse und schließlich wieder auf die
B 3 (außerhalb der bebauten Ortslage).
Dass ein Verkehrskonzept für Appenweier nicht einfach auf
die Beine zu stellen ist, zeigten Müllers Ausführungen. Zum einen liegt
Appenweier an der Autobahn, im Kreuzungspunkt zweier Bundesstraßen sowie
mehrerer Bahnlinien (Rheintal, Renchtal, Straßburg). Und wo, wann und wie
die TGV-Trasse kommt, steht nach wie vor in den Sternen. Zum anderen seien
großräumige Umfahrungen schlicht unfinanzierbar.
Vom Verkehr geplagt
Appenweierer wie Urloffener sind verkehrsgeplagt. Alleine durch die
Ortenauer Straße rauschen im Schnitt täglich 16 000 Fahrzeuge. Verständlich
sind die Ängste und Emotionen der Bürger, die vor ihrer Haustür nicht noch
mehr Lärm ertragen wollen. Mit Initiativen und Vereinigungen, die auch in
der Sitzung vertreten waren, wollen sie sich wehren.
Bürgermeister Hansjürgen Stein versuchte zu beruhigen und
erläuterte, was eine Konzeption für ihn bedeute: »Sie ist keine automatische
Planung, sondern nur deren Vorbereitung. Für konkrete Maßnahmen sind immer
Einzelentscheidungen im Gemeinderat notwendig.«
Die Konzeption soll lediglich eine »Richtlinie« für die
Verwaltung sein, um zukunftsweisend agieren zu können. Als Beispiel nannte
Stein das Vorkaufsrecht bei Grundstücken. Er sprach auch von »langfristiger
Konzeption« und dass bis 2020 nicht alles gebaut werde. »Eine immense
Finanzierungssumme ist notwendig, so dass wir realistischerweise von einer
Konzeption 2030 oder gar 2040 sprechen.« Hanspeter Wiedemer ließ wenig
später sogar 2050 anklingen und Klemens Sauer etwas von 100 Jahren.
Obwohl Stein mehrmals betonte, dass mit der Konzeption
keine Details beschlossen werden (Schützenhilfe bekam er von Siegfried
Spengler und Klaus Sauer), brachten einige Gemeinderäte diese doch in die
Diskussion ein. Ludwig Kornmeier sprach unter anderem von Erwerb und
Anbindung des Fallert-Geländes an die Bahnhofstraße und einem Verzicht des
Kreisels in der Sander Straße. Auch Petra Salenbacher und Klemens Sauer
waren gegen den Kreisverkehr. Letzterer wollte dazu sogar einen Antrag
stellen. Ein Ansinnen, das er nach einer Ansage Steins allerdings wieder
verwarf. Er begnügte sich mit einer Notiz im Protokoll. Stein verwies, dass
durch den Beschluss des Gemeinderats die Realisierung besagten Kreisels
genauso möglich wie unmöglich sei.
Nach einer Anfrage Wiedemers an Planer Müller stand auch
bereits die erste Zahl für die Brücke in Höhe einiger Millionen Euro im
Raum. Kämmerer Helmut Martin äußerte daraufhin allerdings die »herzliche
Bitte«, den Betrag wieder zu vergessen und – bevor man mit Zahlen arbeite –
eine überschlägige Kalkulation abzuwarten.
Nachdem sechs weitere Tagesordnungspunkte abgehakt waren
(siehe dazu Berichte an anderer Stelle), war die Verkehrskonzeption auch
Thema in der Bürgerfragestunde. Während Jürgen Kornmeier etwa fragte, warum
über Sauers Antrag nicht abgestimmt worden sei und warum die Gemeinderäte
nur vier Tage Zeit hätten, sich auf die Sitzung vorzubereiten (laut Stein
»Spitzfindigkeiten«, für die er weder Lust, noch Zeit habe), versuchte es
Bernd Mack auf die elegantere Tour.
Kontakte nutzen
Da in der Sitzung viel von »Zukunftsmusik« gesprochen worden war,
verwies Mack auf den Koalitionsvertrag und dass der Bund trotz massiver
Sparmaßnahmen weiterhin in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur investieren
wolle. Er appellierte, da es sich bei dem Brückenbau um eine
Entlastungsmaßnahme für die Bundesstraße 3 handle, an Stein, dieser möge
doch seine guten Kontakte nach Berlin nutzen und erneut Fördertöpfe
anzapfen, was ihm bisher sehr gut gelungen sei. »Ich nehme dies als Anregung
mit«, so Stein, der allerdings keine allzu großen Hoffnung wecken wollte:
»Ich kann nur das versprechen, das ich auch einhalten kann.« |