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Es standen zwar nur zwei Tagesordnungspunkte bei
der Gemeinderatssitzung am Montag zur Debatte, doch Diskussionsstoff gab es
genug. Der »Römerhof« war zwar offiziell von der Tagesordnung abgesetzt
worden, diskutiert wurde trotzdem. Dafür sorgten einige Zuhörer.
Von: Siegfried Ruzicka
Appenweier. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend
ging es erneut um den Festplatz vor dem Rathaus II, genauer um einen
möglichen Brunnen. Bürgermeister Hansjürgen Stein erteilte zunächst dem
Planer und Ingnieur Ralf Siggelkow (Offenburg) das Wort. Er sollte über das
Machbare referieren. Für ihn sei es technisch ohne großen Kostenaufwand
nicht machbar, den Brunnen mit den Regenrinnen zu verbinden, denn der
Abfluss des Oberflächenwassers müsse gewährleistet sein. So riet er vom
Dorfbrunnen ab.
Klares Ergebnis
Auch die Ratsmitglieder waren dieser Meinung. Die 27 000 Euro Kosten könnten
für wichtigere Dinge genutzt werden, war aus den Reihen der Räte zu hören.
Zumal der Brunnen von der Ortenauer Straße (B 3) her nicht sichtbar sei. Er
käme nur bei Festen zum Tragen. Schließlich blies der Bürgermeister ins
gleiche Horn und drückte aus, dass es unerheblich sei, ob etwas Wasser
sprudele oder nicht. Bei der Abstimmung unter den Räten gab es ein klares
Ergebnis. 13 Stimmen waren gegen den Brunnen bei drei Enthaltungen.
Der dritte Bauabschnitt am »Römerhof« (Integration von Kinderbetreuung) war
zunächst von der Tagesordnung abgesetzt worden. Weil aber einige Bürger,
Befürworter und Gegner, erschienen waren, ließ Bürgermeister Stein eine
Diskussion zu. Zur Vorgeschichte: »Am Römerhof« sind bereits zwölf
Zwei-Zimmer-Wohnungen für altenbetreutes Wohnen entstanden. 15 weitere
dieser Einheiten sollen hinzukommen. Und der eigentliche Zankapfel ist ein
geplanter Kinderhort für 40 bis 45 Kleinkinder zwischen fünf Monaten und
drei Jahren. Gegen den Kinderhort liefen massive Einsprüche von Anwohnern,
weil diese, so der Bürgermeister, eine Beeinträchtigung des Wohnqualität
befürchten würden.
Dann meldete sich der Investor, der Schweizer Diplomingenieur Julian
Schleutermann, mit Niederlassungen in Zürich und Appenweier, zu Wort. Er
hielt nicht mit seiner Meinung zurück: »Der deutsche Staat hat kein
Geld.Wenn ein Bauherr dann rund zwei Millionen Euro investierten will, wird
er blockiert.« Und er fuhr ganz energisch fort: »Es könnte sein, dass ich
mal sage, ihr könnt mich mal, dann drehe ich den Geldhahn zu.« Niemand
widersprach ihm, weder die Räte noch der Bürgermeister.
Auf der einen Seite braucht die Gemeinde den Investor, und auf der anderen
Seite will die Kommune die Anlieger nicht vergraulen, die Lärmbelästigung
befürchten. Auf Nachfrage verstand Schleutermann die Welt nicht mehr: Die
Kinder seien das wichtigste Kapital. Im Alter von fünf Monaten bis drei
Jahren gebe es kaum Lärmbelästigung. »Dann muss eben der deutsche Staat
seine Finanzen in Ordnung bringen, dann kann er alles selbst finanzieren«,
so Schleutermann. Es entstand der Eindruck, dass die Gemeinde den Investor
eher brauche, als umgekehrt. Und ein Zuhörer drohte gar, mit seinem
Einspruch bis zum Bundesgerichtshof zu gehen. Die Fronten sind erhärtet.
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