13.04.2005
Denkmal-Standort noch nicht gefunden
Bezirksbeirat diskutierte Mahnmal für deportierte Juden / Beschluss wurde vorerst zurückgestellt
 

Den »Stein des Weisen« fand der Appenweierer Bezirksbeirat nicht, als er in seiner Sitzung am Montag einen Standort für das Mahnmal für deportierte Juden suchte. Bei jedem Platz, der ins Gespräch gebracht wurde, gab es einen Haken, so dass man den Beschluss schließlich zurückstellte.

Von: Heinz Hättig

Appenweier. Der Bezirksbeirat macht es sich bei der Standortsuche für das Mahnmal für die deportierten Juden Badens nicht leicht. Es soll ein Platz sein, der aus Sicherheitsgründen einigermaßen belebt ist, aber auch zum Verweilen und zur Besinnung einlädt. Gegen den ersten Vorschlag der Gemeinde, die öffentliche Grünfläche an der Ecke B3/Bachstraße zu wählen, sprachen sich die Soldatenkameradschaft, der VdK und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus.
Wenig Gegenliebe
Sie fürchten, dass das dortige Denkmal für den unbekannten Soldaten mit dem Mahnmal für die Juden »konkurrieren« müsse, doch auch der zweite Vorschlag, die Pflanzfläche an der Abzweig B3/Im See zu nehmen, stieß bei der Sitzung des Bezirksbeirates auf wenig Gegenliebe. Bürgermeister Hansjürgen Stein hatte den Platz ins Gespräch gebracht, weil er im Blickpunkt der Öffentlichkeit liegt und deshalb gegen Schmierereien einigermaßen sicher ist.
Das Mahnmal soll an die 5400 Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die am 22. Oktober 1940 aus 137 badischen Gemeinden, darunter auch Appenweier, ins Lager Gurs deportiert wurden. Es war eine Einbahnstraße in den Tod. In Appenweier erinnert man sich insbesondere an den jüdischen Arzt Dr. Leo Wolf, einen Mann mit großen Heilfähigkeiten und Wohltäter der Gemeinde. Alt-Gemeinderat Josef Grumer, der als Zuhörer anwesend war, fügte noch Namen weiterer Bürger hinzu, die im Dritten Reich »umgebracht wurden«. »Das ist ein sensibles Thema, wir sollten uns Zeit nehmen«, sagte Hanspeter Mayer. Man brauche einen würdigen Ort. Dabei wurden Flächen im Bereich von Rathaus 1 und 2 genannt. »Ich hätte lieber einen neutralen Standort«, meinte Bürgermeister Hansjürgen Stein, der die Gemeinde mit den damaligen Geschehnissen nicht allzu sehr verquickt wissen wollte. Schließlich wurde der Beschluss vertagt.
Zwei identische Steine
Das Mahnmal für die deportierten Juden entstammt einem überregionalen Jugendprojekt, das unter der Schirmherrschaft von Kultusministerin Annette Schavan steht. Jugendliche aus den 137 Gemeinden gestalteten dabei jeweils zwei identische Gedenksteine, von denen einer in Neckarzimmern und der »Zwilling« in der betroffenen Gemeinde aufgestellt wird. Das Appenweierer Steinpaar ist 1,35 Meter hoch und aus rotem Sandstein. In der Draufsicht zeigt es den Davidstern. Die Steine wurden unter Mithilfe der Oberkircher Firma Jogerst von den Konfirmanden hergestellt, wobei die Gemeinde die Materialkosten übernahm. Das große Mahnmal in Neckarzimmern wird am 23. Oktober 2005 zum 65. Jahrestag der Juden-Deportation der Öffentlichkeit übergeben. »Bis dahin sollte das Appenweierer Mahnmal auch stehen«, so Bürgermeister Stein.


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