|
Den »Stein des Weisen« fand der Appenweierer Bezirksbeirat nicht,
als er in seiner Sitzung am Montag einen Standort für das Mahnmal für
deportierte Juden suchte. Bei jedem Platz, der ins Gespräch gebracht wurde,
gab es einen Haken, so dass man den Beschluss schließlich zurückstellte.
Von: Heinz Hättig
Appenweier. Der Bezirksbeirat macht es sich bei der Standortsuche für das
Mahnmal für die deportierten Juden Badens nicht leicht. Es soll ein Platz
sein, der aus Sicherheitsgründen einigermaßen belebt ist, aber auch zum
Verweilen und zur Besinnung einlädt. Gegen den ersten Vorschlag der
Gemeinde, die öffentliche Grünfläche an der Ecke B3/Bachstraße zu wählen,
sprachen sich die Soldatenkameradschaft, der VdK und der Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge aus.
Wenig Gegenliebe
Sie fürchten, dass das dortige Denkmal für den unbekannten Soldaten mit dem
Mahnmal für die Juden »konkurrieren« müsse, doch auch der zweite Vorschlag,
die Pflanzfläche an der Abzweig B3/Im See zu nehmen, stieß bei der Sitzung
des Bezirksbeirates auf wenig Gegenliebe. Bürgermeister Hansjürgen Stein
hatte den Platz ins Gespräch gebracht, weil er im Blickpunkt der
Öffentlichkeit liegt und deshalb gegen Schmierereien einigermaßen sicher
ist.
Das Mahnmal soll an die 5400 Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die am
22. Oktober 1940 aus 137 badischen Gemeinden, darunter auch Appenweier, ins
Lager Gurs deportiert wurden. Es war eine Einbahnstraße in den Tod. In
Appenweier erinnert man sich insbesondere an den jüdischen Arzt Dr. Leo
Wolf, einen Mann mit großen Heilfähigkeiten und Wohltäter der Gemeinde.
Alt-Gemeinderat Josef Grumer, der als Zuhörer anwesend war, fügte noch Namen
weiterer Bürger hinzu, die im Dritten Reich »umgebracht wurden«. »Das ist
ein sensibles Thema, wir sollten uns Zeit nehmen«, sagte Hanspeter Mayer.
Man brauche einen würdigen Ort. Dabei wurden Flächen im Bereich von Rathaus
1 und 2 genannt. »Ich hätte lieber einen neutralen Standort«, meinte
Bürgermeister Hansjürgen Stein, der die Gemeinde mit den damaligen
Geschehnissen nicht allzu sehr verquickt wissen wollte. Schließlich wurde
der Beschluss vertagt.
Zwei identische Steine
Das Mahnmal für die deportierten Juden entstammt einem überregionalen
Jugendprojekt, das unter der Schirmherrschaft von Kultusministerin Annette
Schavan steht. Jugendliche aus den 137 Gemeinden gestalteten dabei jeweils
zwei identische Gedenksteine, von denen einer in Neckarzimmern und der
»Zwilling« in der betroffenen Gemeinde aufgestellt wird. Das Appenweierer
Steinpaar ist 1,35 Meter hoch und aus rotem Sandstein. In der Draufsicht
zeigt es den Davidstern. Die Steine wurden unter Mithilfe der Oberkircher
Firma Jogerst von den Konfirmanden hergestellt, wobei die Gemeinde die
Materialkosten übernahm. Das große Mahnmal in Neckarzimmern wird am 23.
Oktober 2005 zum 65. Jahrestag der Juden-Deportation der Öffentlichkeit
übergeben. »Bis dahin sollte das Appenweierer Mahnmal auch stehen«, so
Bürgermeister Stein.
|