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Mit einem Festakt wurde gestern Vormittag das neue
»Vereinshus« in Nesselried eingeweiht. Quer durch die Bank lobten die Redner
das ehrenamtliche Engagement der Nesselrieder. Ohne sie wäre der Umbau
finanziell nicht möglich gewesen.
Von: Kerstin Handsteiner
Appenweier-Nesselried. »Dies ist Ausdruck des
Seelenlebens der Gemeinde«, lobte gestern Staatsminister Willi Stächele bei
der Einweihung des neuen »Vereinshus« den Einsatz der Nesselrieder. Deren
bürgerschaftliches Engagement sah er »als Ursprung und Garant für den
Erfolg« des Projektes an. »Wenn wir das Niveau in unserer Gesellschaft
halten wollen, wird ehrenamtliches Handeln immer wichtiger«, verwies er auf
die Ebbe in den öffentlichen Kassen. Dennoch: Für den Umbau des ehemaligen
Farrenstalls in ein Vereinsheim gab es auch Zuschüsse, die seinerzeit
Stächele in seiner Funktion als Agrarminister gewährt hatte.
Geschichte des Hauses
»Der Zuschuss von 104 600 Euro aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum
ermöglichte erst den weiteren Fortgang des Projektes«, dankte Bürgermeister
Hansjürgen Stein, der kurz die Geschichte des Hauses Revue passieren ließ:
1996 wurde erstmals von der Nutzung des Farrenstalls für Vereinszwecke
gesprochen, im Frühjahr 2002 der Zuschuss gewährt, im Herbst 2002 der
Bauantrag genehmigt. Stein wie auch Ortsvorsteher Klaus Sauer stellten klar
fest: »Ohne Eigenleistung der Vereine wäre ein Umbau nicht möglich gewesen.«
Zu den 380 000 Euro auf den Rechnungen ausgewiesenen Kosten, hätten die
Bürger 5000 Stunden freiwillig am »Vereinshus« mitgearbeitet, die Stein mit
einer Wertschöpfung von 75 000 Euro bezifferte. »Das bedeutet, eine Person
hätte 209 Tag 24 Stunden nonstop gearbeitet«, rechnete der Bürgermeister
weiter vor und hob das zukunftsgerichtete Nutzungskonzept hervor: »Das
‘Vereinshus’ in Nesselried ist mustergültig für Baden-Württemberg.« Es sei
eine Freude zu sehen, wie hier Brauchtum gepflegt, Jugendarbeit unterstützt
und die kulturelle Infrastruktur verbessert werde. »Das halbe Dorf unter
einem Dach«, rekapitulierte Stein.
»Alle elf Vereine können das Haus nutzen«, stellte ebenfalls deren Sprecher
und Architekt Ottmar Brudy klar hervor. Auch er lobte, dankte, verwies aber
zudem, dass nicht alles ganz so reibungslos abgelaufen sei: »Die Musiker
würden sagen, es gab auch Dissonanzen und schiefe Töne.« Am Ende sei man
aber stolz auf das Geschaffene.
Stolz präsentierte sich auch der Ortsvorsteher: »Ich bin hundertprozentig
überzeugt, das Geld im Nesselrieder ‘Vereinshus’ ist gut investiert«, sagte
Klaus Sauer und würdigte die Arbeit der Vereine in seinem Ort: »Wir
erreichen fast alle Kinder und Jugendliche, über 90 Prozent sind in Vereinen
aktiv.« Das seien Tausende von Stunden, die kostenlos für die Jugendarbeit
erbracht werden.
Um Gottes Segen bat schließlich Gemeindereferent Raimund Stockinger. Er
weihte das Gebäude, bevor dieses besichtigt werden konnte und das
eigentliche Fest begann.
Schweigeminute
Trotz der Freude und heiteren Stimmung an dem Tag wurde eines auch nicht
vergessen: der tragische Unfall, bei dem Ernst Benz, bei den Umbauarbeiten
ums Leben gekommen war. »Er hat sich durch seine hilfsbereite Art und sein
ehrenamtliches Engagement für die Vereine, insbesondere in Nesselried, große
Verdienste erworben. Im Herzen ist er heute unter uns«, sagte Bürgermeister
Stein. Und mit einer Schweigeminute wurde Ernst Benz gedacht.
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