27.06.2005
»Das halbe Dorf unter einem Dach«
Im ehemaligen Farrenstall finden nun Nesselrieds Vereine ein neues Heim / Einweihungsfeier
 

Mit einem Festakt wurde gestern Vormittag das neue »Vereinshus« in Nesselried eingeweiht. Quer durch die Bank lobten die Redner das ehrenamtliche Engagement der Nesselrieder. Ohne sie wäre der Umbau finanziell nicht möglich gewesen.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier-Nesselried. »Dies ist Ausdruck des Seelenlebens der Gemeinde«, lobte gestern Staatsminister Willi Stächele bei der Einweihung des neuen »Vereinshus« den Einsatz der Nesselrieder. Deren bürgerschaftliches Engagement sah er »als Ursprung und Garant für den Erfolg« des Projektes an. »Wenn wir das Niveau in unserer Gesellschaft halten wollen, wird ehrenamtliches Handeln immer wichtiger«, verwies er auf die Ebbe in den öffentlichen Kassen. Dennoch: Für den Umbau des ehemaligen Farrenstalls in ein Vereinsheim gab es auch Zuschüsse, die seinerzeit Stächele in seiner Funktion als Agrarminister gewährt hatte.
Geschichte des Hauses
»Der Zuschuss von 104 600 Euro aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum ermöglichte erst den weiteren Fortgang des Projektes«, dankte Bürgermeister Hansjürgen Stein, der kurz die Geschichte des Hauses Revue passieren ließ: 1996 wurde erstmals von der Nutzung des Farrenstalls für Vereinszwecke gesprochen, im Frühjahr 2002 der Zuschuss gewährt, im Herbst 2002 der Bauantrag genehmigt. Stein wie auch Ortsvorsteher Klaus Sauer stellten klar fest: »Ohne Eigenleistung der Vereine wäre ein Umbau nicht möglich gewesen.« Zu den 380 000 Euro auf den Rechnungen ausgewiesenen Kosten, hätten die Bürger 5000 Stunden freiwillig am »Vereinshus« mitgearbeitet, die Stein mit einer Wertschöpfung von 75 000 Euro bezifferte. »Das bedeutet, eine Person hätte 209 Tag 24 Stunden nonstop gearbeitet«, rechnete der Bürgermeister weiter vor und hob das zukunftsgerichtete Nutzungskonzept hervor: »Das ‘Vereinshus’ in Nesselried ist mustergültig für Baden-Württemberg.« Es sei eine Freude zu sehen, wie hier Brauchtum gepflegt, Jugendarbeit unterstützt und die kulturelle Infrastruktur verbessert werde. »Das halbe Dorf unter einem Dach«, rekapitulierte Stein.
»Alle elf Vereine können das Haus nutzen«, stellte ebenfalls deren Sprecher und Architekt Ottmar Brudy klar hervor. Auch er lobte, dankte, verwies aber zudem, dass nicht alles ganz so reibungslos abgelaufen sei: »Die Musiker würden sagen, es gab auch Dissonanzen und schiefe Töne.« Am Ende sei man aber stolz auf das Geschaffene.
Stolz präsentierte sich auch der Ortsvorsteher: »Ich bin hundertprozentig überzeugt, das Geld im Nesselrieder ‘Vereinshus’ ist gut investiert«, sagte Klaus Sauer und würdigte die Arbeit der Vereine in seinem Ort: »Wir erreichen fast alle Kinder und Jugendliche, über 90 Prozent sind in Vereinen aktiv.« Das seien Tausende von Stunden, die kostenlos für die Jugendarbeit erbracht werden.
Um Gottes Segen bat schließlich Gemeindereferent Raimund Stockinger. Er weihte das Gebäude, bevor dieses besichtigt werden konnte und das eigentliche Fest begann.
Schweigeminute
Trotz der Freude und heiteren Stimmung an dem Tag wurde eines auch nicht vergessen: der tragische Unfall, bei dem Ernst Benz, bei den Umbauarbeiten ums Leben gekommen war. »Er hat sich durch seine hilfsbereite Art und sein ehrenamtliches Engagement für die Vereine, insbesondere in Nesselried, große Verdienste erworben. Im Herzen ist er heute unter uns«, sagte Bürgermeister Stein. Und mit einer Schweigeminute wurde Ernst Benz gedacht.


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