Eines kann der Jäger und
stellvertretende Ortsvorsteher
Edmund Kranz absolut nicht
ausstehen: Menschen, die meinen,
kein Wild verzehren zu können,
»weil es trocken ist«. In einem
Kochkurs wollte er mit dieser
vorgefassten Meinung aufräumen.
Von:
Wolfgang Löhnig
Appenweier. Auf dem Herd
brutzeln Knochen vom Wildhasen,
ein Fond soll gezogen werden.
»Nicht umrühren«, warnt Edmund
Kranz einen voreiligen Mitkoch.
Die Knochen müssen erst dunkel
sein, ehe die zweite Seite
angebraten wird. Nur so kann man
gute Ergebnisse erwarten.
Während die Rückenfilets des
Hasen noch ruhen, schmurgelt der
Hasenpfeffer bereits, er
verträgt eine längere Bratzeit.
Derweil hat Edmund Kranz,
gelernter Koch und Metzger, Zeit
und Muße, sich den Fasanen zu
widmen. Die Brüste werden
ausgebeint. Die Flügel dürfen
hängen bleiben. Getrennt
behandelt werden müssen hingegen
die Schlegel. »Sie benötigen
eine etwas längere Schmorzeit«,
sagt der Chef, und werden
deshalb abgetrennt. Während er
den Fasan zerlegt, sucht er nach
Schrotkugeln. Er wird auch
fündig und entfernt sie Stück um
Stück. Niemand soll beim
Verspeisen der rosé gebratenen
Brust auf ein Schrotkorn stoßen.
Die Zähne danken es. Eine
Fasanenbrust zu lange im Ofen zu
belassen ist für Edmund Kranz
ein Sakrileg, da muss schon ein
Gang mehr zugelegt werden, um
alles rechtzeitig und abgestimmt
auf den Tisch zu bringen.
Feine Butternudeln werden
gereicht. Und die Gäste können
schlemmen, sind begeistert. Nach
typisch Urloffener Art hat Kranz
die Sauce des Hasenpfeffer mit
frischem Meerrettich verfeinert.
Kranz als Fan französischer
Tropfen hat selbstverständlich
die passenden Weine ausgesucht.
Dass es bei den umfassenden
Vorbereitungen, der anhaltenden
Diskussion über die Gerichte im
Nachhinein, und den
erforderlichen Putzarbeiten
leicht nach Mitternacht werden
kann, versteht sich eigentlich
von selbst |