07.01.2005
»Heute steht das Fest im Vordergrund«
Förster Huber über die Urloffener Holzversteigerung
 
Von: Kerstin Handsteiner
Sie hat eine lange Tradition«, sagt Förster Hubert Huber über die Brennholzversteigerung im Urloffener Gemeindewald. Wer noch nie dabei war, hat am morgigen Samstag, 8. Januar, Gelegenheit, das urige Spektakel mitzuerleben. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr bei der Pflanzschule in der Abteilung 12. Im Interview erzählt Förster Huber, wie die Versteigerung einst entstand, wie sie sich im Lauf der Zeit verändert hat und was sie zu einem außergewöhnlichen Fest macht.
Ω Seit wann gibt es in Urloffen Brennholzversteigerungen?
Hubert Huber: Die Versteigerungen haben in Appenweier und Urloffen eine lange Tradition. Sie stammen noch aus der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, mit Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs. Jene in Appenweier ist allerdings 1998 ausgelaufen.
Ω Warum?
Huber: Der Bedarf fehlte. Außerdem war die Versteigerung in Appenweier nicht – wie in Urloffen – mit einem Fest verbunden.
Ω Aber die Urloffener steigern und feiern weiterhin gerne?
Huber: Ja, obwohl sich die Versteigerung mittlerweile auch verändert hat. Früher hat man dort versteigert, wo das Holz gesessen ist. Heute wird es an einen zentralen Ort gebracht.
Ω Wie läuft so eine Versteigerung ab?
Huber: Auktionator ist Ortsvorsteher Spengler, ausgerüstet mit einem Hammer. Er gibt die Formalien bekannt, ich informiere über die Bezahlung. Früher wurde in Ein-Mark-Schritten gesteigert, heute in Ein-Euro-Schritten, per Handzeichen oder ein Interessent nennt gleich einen Betrag.
Ω Woher kommen die Interessenten – nur aus Urloffen oder auch von weiter her?
Huber: Hauptsächlich aus Urloffen, aber auch aus Appenweier und den Orten des vorderen Renchtals.
Ω Sind es vor allem »Stammgäste« oder entdecken Sie auch immer wieder neue Gesichter?
Huber: Die meisten sind Stammgäste, da weiß man schon in etwa, was sie brauchen. Ab und zu kommen aber auch zwei, drei neue Kunden hinzu.
Ω Holzversteigerung in Urloffen, das bedeutet vordergründig Musik, Bewirtung und Geselligkeit. Ist durch die Versteigerung für den Forstbetrieb auch etwas zu verdienen?
Huber: Heute nicht mehr. Vor zehn, fünfzehn Jahren haben wir 400 bis 500 Ster Brennholz versteigert, heute sind es um die 50 Ster. Der Bedarf an Brennholz ist nicht mehr so groß. Und viele, die noch welches brauchen, nehmen sich einen Schlagraum oder kaufen Industriebrennholz. Früher waren noch Einnahmen zu erzielen, heute steht das Fest im Vordergrund. Und wir müssen froh sein, wenn wir nicht allzu viel drauflegen. Die Brennholzversteigerung ist eigentlich ein Defizitgeschäft.
Ω Warum hält man dennoch daran fest?
Huber: Sie hat eine lange Tradition. Früher haben viele Leute selbst Holz gemacht und anschließend Waldspeck gegessen, heute kennt das selbst in Appenweier kaum noch jemand. Vor allem für Kinder ist das Fest immer etwas Einmaliges. Aber auch für Erwachsene ist es schön. Nahe der Pflanzschule, wo es stattfindet, gibt es genügend Parkmöglichkeiten, die letzten 500 Meter kann man einen Spaziergang machen. Zum Teil ist die Versteigerung auch Vereinsförderung. Die Gemeinde unterstützt damit den Urloffener Musikverein, der das Fest ausrichtet.
Ω Was kommt am morgigen Samstag alles unter den Hammer?
Huber: 60 Ster Brennholz – davon je ein Drittel Eiche, Esche und Buche.
Ω Und mit welchem Erlös rechnen Sie?
Huber: Im Durchschnitt mit einem Euro mehr als der Anschlag. Es gibt aber immer mal zwei, drei Bieter, die drei bis vier Euro über den Anschlag hochsteigern. Insgesamt sind unsere Preise nach der Euro-Umstellung gleich geblieben.
Ω Das heißt?
Huber: Ein Ster Esche liegt bei 35 Euro, schönes Eichen- und Buchenholz bei 38 bis 40 Euro.


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