|
Bei der vierten und letzten Veranstaltung im Rahmen des Kulturherbstes der
evangelischen Kirchengemeinde trat das »Flötentrio Offenburg« auf – ein
Ensemble mit drei ehemaligen und derzeitigen Musiklehrern von Offenburger
Gymnasien.
Von: Sarah Schiffling
Appenweier. Kammermusik vom Feinsten lockte
Musikbegeisterte aller Altersgruppen am Sonntagabend in die evangelische
Kirche. Hatte doch Pfarrer Martin Schmitthenner im Rahmen des Kulturherbstes
noch einmal zu einer hervorragenden musikalischen Darbietung mit dem
Offenburger Flötentrio eingeladen. Violaspielerin Bärbel Anstett freute
sich, dass im Publikum auch drei ihrer ehemaligen Schülerinnen aus dem
Mädchengymnasium »Unserer Lieben Frau« anwesend waren. Auf der Bühne
unterstützen sie ihre Kollegen, Ernst Arend Bökenkamp und Herbert Söllner
mit Querflöte und Violine.
Der Abend begann mit der »Trisonate a-moll« von Georg Philipp Telemann,
gegen den einst von einem Zeitgenossen selbst Johann Sebastian Bach nur als
mittelmäßiger Musiker bezeichnet wurde, so Bökenkamp in einer einführenden
Anekdote. Auf Bach bezog sich auch der nächste Programmpunkt: die »10
Variationen und Fughetta über Themen von J.S. Bach« von Jan Koetsier, die
zwar im 20. Jahrhundert geschrieben wurden und teilweise auch trotz der
traditionellen Form recht überraschende Töne anschlagen, jedoch Ausschnitte
der bekannten Matthäuspassion zitieren.
Musik im Kleinen
Ebenfalls aus der Moderne stammte das Violinen-Solo, »4 Rational Melodies«
vom Amerikaner Tom Johnson, der sich, wie Solist Herbert Söllner erklärte,
»mit Musik im Kleinen beschäftigt«. Die Sensation der Stücke besteht laut
Söllner darin, dass man erkennt, »nach welchem System sie gemacht sind« –
nämlich mit reichlich Wiederholungen, aber gleichzeitig auch Variationen in
Dynamik. Im letzten Stück des ersten Teiles trat das Trio wieder gemeinsam
auf und präsentierte gekonnt das »Divertimento Nr. 3 C-Dur« von Wolfgang
Amadeus Mozart.
In der Pause stärkten sich Musiker und Publikum mit kulinarischen
Leckerbissen, die im Gemeindezentrum angeboten wurden, ehe es mit einem
Bach-Stück im Original weiterging. Jedoch handelte es sich beim Komponisten
um Wilhelm Friedrich Ernst Bach, einen Enkel Johann Sebastians und einer von
etwa 70 Berufsmusikern der Familie. Obwohl schon in der Frühromantik
entstanden, war sein »Trio G-Dur« musikalisch eher rückgewandt. Das
»schmerzensreiche Adagio« und das »lustige Allegro« von Gordon Jacob wurden
ihren Namen voll gerecht und hätten kontrastreicher kaum sein können, wobei
die Instrumentalisten insbesondere bei Letzterem ihre hervorragende
Fingerfertigkeit unter Beweis stellten. Den Schluss bildete das »Londoner
Trio Nr. 1 C-Dur« von Joseph Haydn. Bökenkamp wartete wieder mit einer
Anekdote auf: Der berühmte Musiker, der oft und lange in England weilte,
soll einmal von seinem Zeitgenossen Mozart gefragt worden sein, wie er trotz
mangelnder Englischkenntnisse auf der britischen Insel so erfolgreich sein
könnte, woraufhin er antwortete, dass seine Sprache überall auf der Welt
verstanden werde.
So war es auch in Appenweier, wo die Zuhörer das Trio nicht ohne Zugabe
entließen. Da von den ganz großen Klassikern eigentlich nur noch einer an
diesem Abend fehlte, war das endgültig letzte Stück von Ludwig van
Beethoven. Mit den Variationen über »Reich mir deine Hand, mein Leben«
verarbeitete er Material aus »Don Giovanni«, einer Oper seines Lehrers
Mozart. |