07.12.2004
Kammermusik vom Feinsten
Offenburger Flötentrio war beim Appenweierer Kulturherbst zu Gast


Bei der vierten und letzten Veranstaltung im Rahmen des Kulturherbstes der evangelischen Kirchengemeinde trat das »Flötentrio Offenburg« auf – ein Ensemble mit drei ehemaligen und derzeitigen Musiklehrern von Offenburger Gymnasien.

Von: Sarah Schiffling

Appenweier. Kammermusik vom Feinsten lockte Musikbegeisterte aller Altersgruppen am Sonntagabend in die evangelische Kirche. Hatte doch Pfarrer Martin Schmitthenner im Rahmen des Kulturherbstes noch einmal zu einer hervorragenden musikalischen Darbietung mit dem Offenburger Flötentrio eingeladen. Violaspielerin Bärbel Anstett freute sich, dass im Publikum auch drei ihrer ehemaligen Schülerinnen aus dem Mädchengymnasium »Unserer Lieben Frau« anwesend waren. Auf der Bühne unterstützen sie ihre Kollegen, Ernst Arend Bökenkamp und Herbert Söllner mit Querflöte und Violine.
Der Abend begann mit der »Trisonate a-moll« von Georg Philipp Telemann, gegen den einst von einem Zeitgenossen selbst Johann Sebastian Bach nur als mittelmäßiger Musiker bezeichnet wurde, so Bökenkamp in einer einführenden Anekdote. Auf Bach bezog sich auch der nächste Programmpunkt: die »10 Variationen und Fughetta über Themen von J.S. Bach« von Jan Koetsier, die zwar im 20. Jahrhundert geschrieben wurden und teilweise auch trotz der traditionellen Form recht überraschende Töne anschlagen, jedoch Ausschnitte der bekannten Matthäuspassion zitieren.
Musik im Kleinen
Ebenfalls aus der Moderne stammte das Violinen-Solo, »4 Rational Melodies« vom Amerikaner Tom Johnson, der sich, wie Solist Herbert Söllner erklärte, »mit Musik im Kleinen beschäftigt«. Die Sensation der Stücke besteht laut Söllner darin, dass man erkennt, »nach welchem System sie gemacht sind« – nämlich mit reichlich Wiederholungen, aber gleichzeitig auch Variationen in Dynamik. Im letzten Stück des ersten Teiles trat das Trio wieder gemeinsam auf und präsentierte gekonnt das »Divertimento Nr. 3 C-Dur« von Wolfgang Amadeus Mozart.
In der Pause stärkten sich Musiker und Publikum mit kulinarischen Leckerbissen, die im Gemeindezentrum angeboten wurden, ehe es mit einem Bach-Stück im Original weiterging. Jedoch handelte es sich beim Komponisten um Wilhelm Friedrich Ernst Bach, einen Enkel Johann Sebastians und einer von etwa 70 Berufsmusikern der Familie. Obwohl schon in der Frühromantik entstanden, war sein »Trio G-Dur« musikalisch eher rückgewandt. Das »schmerzensreiche Adagio« und das »lustige Allegro« von Gordon Jacob wurden ihren Namen voll gerecht und hätten kontrastreicher kaum sein können, wobei die Instrumentalisten insbesondere bei Letzterem ihre hervorragende Fingerfertigkeit unter Beweis stellten. Den Schluss bildete das »Londoner Trio Nr. 1 C-Dur« von Joseph Haydn. Bökenkamp wartete wieder mit einer Anekdote auf: Der berühmte Musiker, der oft und lange in England weilte, soll einmal von seinem Zeitgenossen Mozart gefragt worden sein, wie er trotz mangelnder Englischkenntnisse auf der britischen Insel so erfolgreich sein könnte, woraufhin er antwortete, dass seine Sprache überall auf der Welt verstanden werde.
So war es auch in Appenweier, wo die Zuhörer das Trio nicht ohne Zugabe entließen. Da von den ganz großen Klassikern eigentlich nur noch einer an diesem Abend fehlte, war das endgültig letzte Stück von Ludwig van Beethoven. Mit den Variationen über »Reich mir deine Hand, mein Leben« verarbeitete er Material aus »Don Giovanni«, einer Oper seines Lehrers Mozart.


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