30.11.2005
Kassieren statt Kissen
Von verkehrsberuhigenden Hindernissen hielten die Räte nicht allzu viel


Die Klagen von Anwohnern der Zimmerer Straße über zu schnell fahrende Autofahrer werden ernst genommen. So ist eine Entscheidung des Bezirksbeirates zu verstehen, der zuerst das gemeindeeigene Geschwindigkeits-Messgerät aufstellen lassen möchte und anschließend durch die Polizei blitzen lassen will.

Von: Wolfgang Löhnig

Appenweier. In der Bezirksbeiratssitzung am Montag wurde über einen Antrag von Anwohnern, die im Hochhaus wohnen und sich über zu schnelle Fahrzeuge mokieren, beraten. Das Ansinnen wurde Bürgermeister Hansjürgen Stein vorgetragen, wie aus der Beratungsunterlage hervorgeht. Im Rahmen von Verhandlungen über den Kauf von Fläche zur Verlängerung des Radwegs entlang der Ortenauer Straße (B 3) wurden von Anwohnern heftige Klagen darüber geführt, dass die Autos mit stark überhöhter Geschwindigkeit fahren.

Die Schnittstelle von erlaubten 50 km/h auf 30 km/h wird von den Fahrzeugführern offensichtlich nicht akzeptiert, mit hoher Geschwindigkeit wird weitergefahren.

Die Ausgestaltung der Straße mit »Berliner Kissen« (eine 6,5 Zentimeter starke Erhöhung in der Straße) würde die Autofahrer zu geringerer Geschwindigkeit veranlassen, war die Meinung des Bürgermeisters und der im Zuhörerraum anwesenden Anwohner des Hochhauses. Busse und Lastkraftwagen könnten ohne Behinderung das Kissen passieren. Ihre breitere Bauweise verhindert ein Überfahren der Hindernisse und damit ein Durchrütteln der Fahrgäste oder der Ladung. Skater- und Radfahrer könnten dem Hindernis ausweichen, so dass am Ende lediglich die Pkw-Fahrer abbremsen müssten.

Über Lärm beschwert
Für Ludwig Kornmeier ist diese Art der Verhinderung zu schnellen Fahrens nicht akzeptabel. Das »Blob-blob« der Fahrzeuge würde nach seiner Meinung die Nachbarn stören, bei mehreren Kissen gäbe es sogar ein »Blob-blob-blob-blob« und eine noch größere Störung. Auch Fritz Sälinger sprach sich gegen eine derartige Geschwindigkeitsbegrenzung aus: »In Willstätt wurde das erst abgebaut, da sich die Bewohner über den Lärm beschwerten.«

Siegfried Stettenbenz erinnerte daran, dass in der Römerstraße nach heißen Diskussionen Hindernisse abgelehnt wurden. Petra Salenbacher kam als erste Bezirksbeirätin mit dem Vorschlag, die Geschwindigkeit zu messen, für Hans-Peter Wiedemer gab es nur eine Lösung: »Blitzen und kassieren.« Er bat Stein, das Oberkircher Blitzgerät anzufordern. Stefan Bügler erinnerte an die Haftung, wenn ein »Tiefflieger« die Stelle passiert und an seinem Fahrzeug ein Schaden auftritt.

Am Ende stand fest, dass »Berliner Kissen« als erste Lösung ausscheiden, andere Möglichkeiten werden gesucht, unter anderem auch eine Verengung der Einfahrt von der B 3 zur Zimmerer Straße. Die Bauarbeiten könnten im Zusammenhang mit dem neuen Radweg, der demnächst kommen soll, erledigt werden.

Während der Fragestunde äußerte sich eine Zuhörerin. Beim Hochhaus gebe es einfach zu wenig Parkplätze. Deshalb parkten viele Bewohner auf der öffentlichen Straße. Das führe zu Problemen bei der Ausfahrt aus dem Grundstück, die ohnedies nahe zu einer Kurve liege. Und nicht die kleinen Fahrzeuge störten, sondern die großen Familienkutschen. Zur Unübersichtlichkeit trägt auch noch bei, dass Lkw, die das Autohaus Geiger bedienen, in der Kurve abladen. Aber woanders könnten die Fahrzeuge entladen werden.

Eine Verengung der Einfahrt zur Zimmerer Straße setzt eine Verkehrsschau voraus, und die will die Gemeinde beantragen.


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