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Marc Marshall, Jahrgang 1968, mit bürgerlichem Namen Marc Hilger, stand
schon mit sieben Jahren mit Vater Tony Marshall in den USA auf der Bühne.
Nach Jazz- und Klassikstudium erschien 1998 das erste von bisher vier Alben
mit Kollege Jay Alexander. Gemeinsam stehen Marshall & Alexander auch am
Sonntag, 27. Februar, beim Benefizkonzert für krebskranke Kinder auf der
Bühne, bei dem die beiden Künstler auf ihre Gage verzichten. Vorab spricht
Marc Marshall im Interview über seine Karriere, Vater Tony sowie E- und
U-Musik.
Ω Auf den Plakaten zu Ihrer Tour sieht man Sie ausgiebig lachen. Ihren Vater
kennt man auch nur bestens gelaunt. Sind die Marshalls fröhliche Menschen?
Marshall: Ja, aber das hat gar nichts damit zu tun, dass mein Vater der
Fröhlichmacher der Nation ist, sondern das ist einfach eine
Charaktereigenschaft von uns. Wir lachen gerne, mein Vater ebenso wie wir
als Marshall & Alexander mit unserem Team.
Ω Sie bezeichnen Ihre Musik als »Emotional Pop«. Warum?
Marshall: Nicht wir haben sie so bezeichnet, sondern sie wurde irgendwann so
genannt. Da haben wir gedacht, das ist eigentlich keine schlechte
Bezeichnung. Weil Musik generell emotionalisierend ist. Wir haben da
sicherlich nichts neu erfunden. Aber die Einzigartigkeit der beiden Stimmen
von Marshall & Alexander bedarf dann wieder einer neuen Schublade, wobei wir
das gar nicht so mögen.
Ω Ihre Musik ist eine Art Mischung aus Pop und Klassik. Was unterscheidet
Marshall & Alexander denn jetzt genau von anderen Künstlern, wie den Jungen
Tenören, The Ten Tenors oder aber Helmut Lotti?
Marshall: Erstmals haben wir grundsätzlich einen ganz anderen Sound und viel
mehr eigenes Repertoire. Außerdem verbinden wir in unseren Programmen auch
wirklich alle Musikstile, nicht nur, damit sie irgendwie stattfinden,
sondern weil wir auch den Ehrgeiz haben, die verschiedenen Richtungen
stilistisch entsprechend auch zu präsentieren. Wir nutzen unser Talent, das
wir zum Glück auch haben.
Ω Sie verdanken Ihre Zusammenarbeit Thomas Stein, einst BMG-Geschäftsführer.
Marshall: Ja, er hat uns erfunden. Wir kannten uns aber schon vorher. Ich
habe Jay (Alexander) in meinen Soloprorammen des Öfteren integriert.
Irgendwann kam dann sein Wunsch, selbst eine Platte aufzunehmen, die ich
dann für BMG produziert habe. Dabei kam es dann zu einem nicht geplanten
Duett. Das hat Thomas Stein gehört und entschieden: »Jungs, ich geb’ euch
ein paar Wochen Bedenkzeit, aber eigentlich will ich nicht mehr den Jay
Alexander solistisch und auch nicht den Marc Marshall, sondern dieses Duo.
Überlegt’s euch.«
Ω Derselbe Thomas Stein hat in der Jury von »Deutschland sucht den
Superstar« gesessen. Was halten Sie von Casting Shows?
Marshall: Grauenhaft. Moderner Menschenhandel und Ohnmachtbekenntnis der
Industrie. Das hat mit Künstlerentwicklung und -förderung überhaupt nichts
zu tun.
Ω Sie haben in den 80er-Jahren in den USA mit Erfolgsproduzent Jack White
zusammengearbeitet.
Marshall: Er war der Produzent meines Vaters. Ich habe ihm auch sehr viel zu
verdanken.
Ω Sind also ein bekannter Vater und ein erfolgreicher Musikproduzent für den
eigenen Erfolg von Vorteil?
Marshall: Man muss ja seinen Weg alleine gehen, da nützt alles nichts. Viele
Menschen denken, »der kennt den und den, und außerdem hat er ja sowieso das
Geld des Vaters im Rücken« – das ist alles Unsinn. Das haben viele
Prominentenkinder in Deutschland probiert und sind kläglich gescheitert. Ich
habe mich da durchsetzen können, habe alles selbst entschieden. Wenn ein
Bäckersohn die Bäckerei seines Vaters übernimmt, dann freut sich das ganze
Dorf, doch bei Prominenten ist das offensichtlich ein Problem.
Ω Sie haben dennoch den Künstlernamen Ihres Vaters übernommen. Wäre da ein
anderer Name nicht einfacher gewesen?
Marshall: Wenn mein Vater ein mittelmäßiger Sänger mit einer kleinen
Karriere gewesen wäre, dann ja. Aber wenn Sie der Sohn von Tony Marshall
sind, dann können Sie sich nicht verstecken. Und ich stehe auch dazu.
Ω Ihr Vater hat wie Sie klassische Musik studiert, seinen Erfolg aber mit
Schlager- und Volksmusik. Wie stehen Sie zu seiner Musik?
Marshall: Mein Vater ist ein absoluter Könner. Wir sollten in Deutschland
irgendwann aufhören, immer diese Niveau- und Qualitätsfrage zu stellen. Ich
respektiere ihn, und ich respektiere seine Musik. Leider muss man sagen,
dass 90 Prozent der Kollegen nie wirklich ihr Handwerk gelernt haben. Die
können es dann einfach nicht und werden promotet und gesponsert, so lange
sie Geld bringen.
Veranstaltungs-Tipp
Mit gut arrangierter Popmusik kommt das Duo Marshall & Alexander am 27.
Februar nach Appenweier in die Schwarzwaldhalle. Dort geben sie um 20 Uhr
ein Benefizkonzert für den Förderverein krebskranker Kinder, Freiburg.
Karten gibt es im Vorverkauf bei der Mittelbadischen Presse. |