14.02.2005
»Respekt vor Vaters schöner Maid«
Marshall & Alexander am 27. Februar in Appenweier / Benefizkonzert für krebskranke Kinder

 
Marc Marshall, Jahrgang 1968, mit bürgerlichem Namen Marc Hilger, stand schon mit sieben Jahren mit Vater Tony Marshall in den USA auf der Bühne. Nach Jazz- und Klassikstudium erschien 1998 das erste von bisher vier Alben mit Kollege Jay Alexander. Gemeinsam stehen Marshall & Alexander auch am Sonntag, 27. Februar, beim Benefizkonzert für krebskranke Kinder auf der Bühne, bei dem die beiden Künstler auf ihre Gage verzichten. Vorab spricht Marc Marshall im Interview über seine Karriere, Vater Tony sowie E- und U-Musik.
Ω Auf den Plakaten zu Ihrer Tour sieht man Sie ausgiebig lachen. Ihren Vater kennt man auch nur bestens gelaunt. Sind die Marshalls fröhliche Menschen?
Marshall: Ja, aber das hat gar nichts damit zu tun, dass mein Vater der Fröhlichmacher der Nation ist, sondern das ist einfach eine Charaktereigenschaft von uns. Wir lachen gerne, mein Vater ebenso wie wir als Marshall & Alexander mit unserem Team.
Ω Sie bezeichnen Ihre Musik als »Emotional Pop«. Warum?
Marshall: Nicht wir haben sie so bezeichnet, sondern sie wurde irgendwann so genannt. Da haben wir gedacht, das ist eigentlich keine schlechte Bezeichnung. Weil Musik generell emotionalisierend ist. Wir haben da sicherlich nichts neu erfunden. Aber die Einzigartigkeit der beiden Stimmen von Marshall & Alexander bedarf dann wieder einer neuen Schublade, wobei wir das gar nicht so mögen.
Ω Ihre Musik ist eine Art Mischung aus Pop und Klassik. Was unterscheidet Marshall & Alexander denn jetzt genau von anderen Künstlern, wie den Jungen Tenören, The Ten Tenors oder aber Helmut Lotti?
Marshall: Erstmals haben wir grundsätzlich einen ganz anderen Sound und viel mehr eigenes Repertoire. Außerdem verbinden wir in unseren Programmen auch wirklich alle Musikstile, nicht nur, damit sie irgendwie stattfinden, sondern weil wir auch den Ehrgeiz haben, die verschiedenen Richtungen stilistisch entsprechend auch zu präsentieren. Wir nutzen unser Talent, das wir zum Glück auch haben.
Ω Sie verdanken Ihre Zusammenarbeit Thomas Stein, einst BMG-Geschäftsführer.
Marshall: Ja, er hat uns erfunden. Wir kannten uns aber schon vorher. Ich habe Jay (Alexander) in meinen Soloprorammen des Öfteren integriert. Irgendwann kam dann sein Wunsch, selbst eine Platte aufzunehmen, die ich dann für BMG produziert habe. Dabei kam es dann zu einem nicht geplanten Duett. Das hat Thomas Stein gehört und entschieden: »Jungs, ich geb’ euch ein paar Wochen Bedenkzeit, aber eigentlich will ich nicht mehr den Jay Alexander solistisch und auch nicht den Marc Marshall, sondern dieses Duo. Überlegt’s euch.«
Ω Derselbe Thomas Stein hat in der Jury von »Deutschland sucht den Superstar« gesessen. Was halten Sie von Casting Shows?
Marshall: Grauenhaft. Moderner Menschenhandel und Ohnmachtbekenntnis der Industrie. Das hat mit Künstlerentwicklung und -förderung überhaupt nichts zu tun.
Ω Sie haben in den 80er-Jahren in den USA mit Erfolgsproduzent Jack White zusammengearbeitet.
Marshall: Er war der Produzent meines Vaters. Ich habe ihm auch sehr viel zu verdanken.
Ω Sind also ein bekannter Vater und ein erfolgreicher Musikproduzent für den eigenen Erfolg von Vorteil?
Marshall: Man muss ja seinen Weg alleine gehen, da nützt alles nichts. Viele Menschen denken, »der kennt den und den, und außerdem hat er ja sowieso das Geld des Vaters im Rücken« – das ist alles Unsinn. Das haben viele Prominentenkinder in Deutschland probiert und sind kläglich gescheitert. Ich habe mich da durchsetzen können, habe alles selbst entschieden. Wenn ein Bäckersohn die Bäckerei seines Vaters übernimmt, dann freut sich das ganze Dorf, doch bei Prominenten ist das offensichtlich ein Problem.
Ω Sie haben dennoch den Künstlernamen Ihres Vaters übernommen. Wäre da ein anderer Name nicht einfacher gewesen?
Marshall: Wenn mein Vater ein mittelmäßiger Sänger mit einer kleinen Karriere gewesen wäre, dann ja. Aber wenn Sie der Sohn von Tony Marshall sind, dann können Sie sich nicht verstecken. Und ich stehe auch dazu.
Ω Ihr Vater hat wie Sie klassische Musik studiert, seinen Erfolg aber mit Schlager- und Volksmusik. Wie stehen Sie zu seiner Musik?
Marshall: Mein Vater ist ein absoluter Könner. Wir sollten in Deutschland irgendwann aufhören, immer diese Niveau- und Qualitätsfrage zu stellen. Ich respektiere ihn, und ich respektiere seine Musik. Leider muss man sagen, dass 90 Prozent der Kollegen nie wirklich ihr Handwerk gelernt haben. Die können es dann einfach nicht und werden promotet und gesponsert, so lange sie Geld bringen.

Veranstaltungs-Tipp

Mit gut arrangierter Popmusik kommt das Duo Marshall & Alexander am 27. Februar nach Appenweier in die Schwarzwaldhalle. Dort geben sie um 20 Uhr ein Benefizkonzert für den Förderverein krebskranker Kinder, Freiburg. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Mittelbadischen Presse.


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