In diesem Winter geht’s Knall auf Fall. Kaum
ist »Stille Nacht« verklungen, kann an
Silvester die Stimme schon wieder für ein
kräftiges »Hoorig isch die Katz« geölt
werden. Aschermittwoch fällt auf den 9.
Februar, den Fasnachtern bleibt nicht viel
Zeit für die kurze Kampagne 2005.
Von: Fritz
Bierer
Appenweier. Mit einem Auge den
Weihnachtsbaum, mit dem anderen das Notebook
auf dem Wohnzimmertisch im Visier. »In der
linken Hand hatte ich heute Vormittag das
Geschenk meines Sohnes (ein Rad-Tourenführer
durch Deutschland), mit der anderen tastete
ich schnell einen närrischen Gedankenblitz
ins Laptop, denn Material für fasentliche
Auftritte kann man nie genug haben«. Karl
Hansert, Chef der Appenweierer Narrenzunft,
war in den vergangenen Tagen mehrmals
zwischen »Oh du Fröhliche« und »Narri Narro«
hin- und hergerissen. Die Appenweierer
Narren haben in diesem Jahr besonders früh
die Köpfe zusammengesteckt, um Material und
Themen zu sammeln für den Brauchtumsabend in
der Schwarzwaldhalle, »Abbewihr im
Narrenspiegel« (29. Januar), und für den
Umzug. Kein Wunder, denn die närrischen Tage
sind 2005 besonders früh und die Kampagne
nur kurz.
Aktiver Nachwuchs
»Eine Reise um die Welt« lautet das Motto
sowohl für den Brauchtumsabend in der
Schwarzwaldhalle als auch eine Woche später,
für den örtlichen Umzug am Fasentsonntag (6.
Februar). Und Karl Hansert liegt’s am
Herzen, dass noch mehr Narrennachwuchs bei
diesen beiden Highlights rekrutiert wird.
Deshalb hatte er Ende November Elternbeiräte
und Lehrkräfte der Schulen im Zunfthaus
versammelt und mit ihnen das Motto
ausgelotet. Mit Erfolg, so glaubt Hansert,
denn es sei ein dankbares Thema – »es werden
schon Tänze und Auftritte einstudiert«.
Doch bevor in der Schwarzwaldhalle am 29.
Januar ein närrisches Feuerwerk abgebrannt
wird, sind 16 Aktive der Zunft drei Tage in
der Bundeshauptstadt Berlin vertreten. »Wir
haben in der Landesvertretung von
Baden-Württemberg im Rahmen eines Besuchs
des Ortenauer Narrenbundes (ONB) mit den
Sandwängsten und dem traditionellen
Rheinländer mehrere Auftritte. Das wird
sicher ein stressiges, aber auch sehr
interessantes Programm«, freut sich Karl
Hansert, der gleichzeitig auch erster
Vizepräsident des ONB ist.
Altweiberfasent
Die NZA hat ohnehin nicht nur närrische
Auftritte in Appenweier geplant, auch bei
befreundeten Fasentzünften in Mietersheim,
Kuppenheim oder bei den Narros in Oberkirch
ist man präsent, bevor’s dann in der
Schwarzwaldhalle »dagege geht«. Närrische
Hits in Appenweier sind auch die
traditionelle Altweiberfasent am 1. Februar
(mit Programm in der Schwarzwaldhalle sowie
Athletenhalle, in einem großen Zelt und an
den Buden und Ständen entlang der Straße)
und der Rathaussturm in den frühen
Morgenstunden des Schmutzigen Donnerstags
(3. Februar).
Narren wollen Revanche
Und da ist man in Appenweier natürlich
besonders gespannt, ob die Narren sich bei
Bürgermeister Hansjürgen Stein für die
diesjährige »Schlappe« revanchieren können.
Denn bekanntlich ließ der Schultes in der
Nacht zum »Schmutzigen« den bereits
gezierten Narrenbaum, der traditionell vor
dem Rathaus platziert wird, um danach das
Gemeindeoberhaupt zu entmachten,
verschwinden. »Da hat der Stein ganz
ordentlich gepunktet«, muss Karl Hansert
gestehen. Der Narren-Boss spricht aber auch
von viel Glück des Bürgermeisters. »Denn in
dem Hof, in dem der Baum geziert gelagert
wurde, wachte früher immer ein Schäferhund,
aber den gibt es nicht mehr.« Und Hansert
ist auch sicher, dass es einen Deal zwischen
Hansjürgen Stein und der Geschäftsfrau
gegeben hat.
Doch die Revanche soll’s am kommenden
»Schmutzigen« geben, so jedenfalls hofft der
NZA-Boss. »Denn Spaß muss sein.« Und der ist
2005 nur kurz, denn am 9. Februar
(Aschermittwoch) werden Sandwangst und Alde
wieder in die Narrenkiste verstaut. |