09.01.2006
»Appenweier hat sich enorm belebt«
Bürgermeister Stein bilanzierte beim Neujahrsempfang das kommunalpolitische Geschehen in 2005
 

Bürgermeister Hansjürgen Stein muss ein Fußball-Fan sein. Wie sonst hätte er beim Neujahrsempfang der Gemeinde am Sonntag im Bürgersaal des Rathauses seinen Rückblick unter das Zeichen des Fußballs gestellt.

Von: Fritz Bierer

Appenweier. »2006 – alles fiebert auf die Fußball-Weltmeisterschaft hin. Ich auch«, bekannte Bürgermeister Hansjürgen Stein, der 2005 »Halbzeit hatte« (Amtszeit als Schultes). »Die erste Häfte ist sehr gut gelaufen«, bestätigte er. Seine Mannschaft und er seien gestürmt und hätten so manchen Volltreffer erzielt. »Das Publikum (Bürger und Gemeinderat) hat uns voll unterstützt, es gab nur sehr wenige Pfiffe«, bilanzierte er. »Jetzt blicken wir auf die zweite Halbzeit und hoffen auf Verlängerung (Wiederwahl).«
»Anpfiff« hatte die Gemeinde bei einer der größten Hochbaumaßnahmen der letzten Jahre – der Schwarzwaldhalle. Die Generalsanierung startete mit einer Steilvorlage: die größte Pelltsheizung Baden-Württembergs habe ihren Betrieb aufgenommen. »Heizung, Lüftung, Elektrik, der Boden, die wände und die Decken – alles wird neu. Das Foyer wird umgekrempelt, eine Generalsanierung mit einem Rückbau auf den Rohbauzustand«, informiert der Schultes die rund 120 geladenen Gäste.
Einen Schlusspfiff, der es in sich hatte, sozusagen ein »Schluss mit Pfiff«, erlebten die Appenweierer beim Umbau der Bundesstraße 3 (Ortsdurchfahrt).
Und Stein war voll des Lobes: »Neben dem höheren Schutz für Radfahrer, Fußgänger, ältere Bürger und Rollstuhlfahrer hat sich das Ortsbild mit Tischen und Stühlen vor den Wirtschaften gefüllt. Appenweier hat sich enorm belebt.« Neun Monate Bauzeit, dann war die rund 900 Meter lange Strecke fertig. Und Stein dankte dem Land für den Zuschuss – es sei die letzte Ortsdurchfahrt gewesen, die in dieser Art gebaut werden konnte, erklärt der Schultes. 1,35 Millionen Euro kostete das Projekt – 830 000 Euro Zuschüsse wurden überwiesen.
Und weil der gesamte Tross der Tour de France durch Urloffen und Appenweier rollte kamen über 20 000 Zuschauer zur Einweihung und feierten. »Es war eine grandiose Stimmung, die mit Händen greifbar und vor weitem spürbar war«, blickte Stein voller Stolz zurück.
Und überhaupt war für den Schultes in 2005 das Fahrrad ein bestimmendes Thema, nicht nur wegen der Tour, auch nicht wegen der Etappe eines hochrangigen Nachwuchsrennens, die durch Appenweier führten – sondern wegen dem Radweg nach Nesselried. »Nach 15 Jahren war es endlich so weit, Baubeginn des Rad- und Gehweges nach Nesselried. Groß war die Freude bei den vielen Besuchern und groß ist sie bei denen, die jetzt täglich diesen Weg benutzen«, so Hansjürgen Stein.
Vereinshus beispielhaft
Der Bürgermeister übte aber auch Kritik – an der Bewertungskommission des Kreiswettbewerbs »Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft«. Stein ist sicher: »Für uns hat Nesselried den ersten Preis gewonnen«. Und nannte einen guten Grund, den die Jury offfensichtlich total ignorierte: »Das Vereinshus alleine wäre schon den ersten Preis wert.« Rund 5000 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden investiert. »Eine in der Ortenau beispielgebende und einmalige Einrichtung ist entstanden«. Diese Maßnahme brauchte nach Steins Rechnung neun Jahre von der Idee bis zur Durchführung. »Aber jetzt ist das halbe Dorf unter einem Dach«. 33 Prozent oder 105 000 Euro betrug der Zuschuss durch das Land Baden-Württemberg.
Eines der schönsten Häuser in Appenweier sei nach seiner Sanierung das Rathaus II, ist Hansjürgen Stein überzeugt. Momentan werde der Platz gestaltet und wenn die Maßnahme abgeschlossen ist, »dann haben wir ein gelungenes Ensemble geschaffen«.
»Scharfer Kerl«
Dann verfiel Stein wieder in die Fußballersprache, als er erkannte, dass es in fast jedem Fußball-Team einen so genannten »scharfen Kerl« gibt. »Der scharfe Kerl«, so der Titel einer Sendung im Südwestfernsehen über den Meerrettich, habe der Gemeinde bundesweite Beachtung eingebracht und sei ein Elfmeter für Urloffens Ortsvorsteher Siegfried Spengler gewesen. Fußballfan Stein jubilierte: »Den hat er hervorragend und formvollendet verwandelt.«
Als Fest, das alle Vereine von Urloffen und Nesselried grandios meisterten, sah der Bürgermeister die 30-Jahr-Feier der Partnerschaft mit Montlouis. »Die Spielorte waren in den beiden Ortsteilen.«
Einen »Neuanpfiff« gab’s im Kindergarten »St. Martin« in Urloffen. »Die Kinder haben jetzt eine neue Arena – das Stadion (Kindergarten) wurde total renoviert und mit einem Fest im Sommer eingeweiht. Die Gemeinde ist mit 444 000 Euro daran beteiligt«. Gewonnen haben laut Stein alle Eltern mit Kindern in allen drei Ortsteilen, nach dem Gemeinderatsvotum im März 2005, dem Ortenauer Bündnis für Familien beizutreten. »Das war für uns keine leere Formel, es sind Taten gefolgt«, sagte der Schultes und nannte Beispiele: In der Kleinkinderbetreuung geht man neue Wege – sie ist in Appenweier durch private Initiative abgedeckt und in der Bedarfsplanung aufgenommen. Durch einen hohen Zuspruch werde in diesem Jahr die dritte Gruppe eingerichtet. Neu sei auch die Nachmittagsbetreuung in der Grundschule.
Nachdem alle Kindergärten in der Gesamtgemeinde renoviert sind, soll nun eine Qualitätsoffensive folgen: »Alle Kindergärten haben schriftlich ausgearbeitete pädagogische Richtlinien erarbeitet«, informierte Stein. Doch der Weg werde fortgesetzt mit dem Ziel »Einstieg in die Ganztagsbetreuung«. Ein Coup der Gemeinde: Appenweier meldet den Schauenburg-Kindergarten für eine wissenschaftliche Begleitung in der Pilotphase zur Einführung des Orientierungsplanes für Bildung und Erziehung an. »Damit sind wir am obersten Tabellenplatz in der Kreisliga – wir dürfen aber nicht in die Landesliga aufsteigen«, so Stein.
Sportarena-Hochburg
2005 habe der RMSV Urloffen die Erweiterung der Kartbahn fertiggestellt. Es können wieder deutsche Meisterschaften gefahren werden. Damit ist Urloffen für Hansjürgen Stein »unsere Sportarena-Hochburg«: Drei Sporthallen (ASV, TVU und Schauenburghalle), Fußball- und Tennisplätze, Skaterplatz, Golfplatz und der Ortenau-Kartring.
Tritt auf die Bremse
Beim Blick auf die Gemeindefinanzen wurde der Schultes wieder ernst, trotzdem fiel ihm ein nicht ernst zu nehmendes Zitate von einem Ex-Fußball-Nationalspieler ein: »Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken« (Lothar Matthäus). Steins Einschätzung für Appenweier: »Wir sind auf einem guten Stand bei der Infrastruktur, aber dafür mussten wir auch unsere Rücklagen auflösen. Nach wie vor gibt es viel zu tun. nach Abschluss der großen Projekte Kläranlage, Schwarzwaldhalle und Bürgerzentrum müssen wir auf die Bremse treten und Rücklagen bilden, damit wir auch in Zukunft handlungsfähig sind.«


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