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Bürgermeister Hansjürgen Stein muss ein Fußball-Fan sein.
Wie sonst hätte er beim Neujahrsempfang der Gemeinde am Sonntag im
Bürgersaal des Rathauses seinen Rückblick unter das Zeichen des
Fußballs gestellt.
Von: Fritz Bierer
Appenweier. »2006 – alles fiebert auf die
Fußball-Weltmeisterschaft hin. Ich auch«, bekannte Bürgermeister
Hansjürgen Stein, der 2005 »Halbzeit hatte« (Amtszeit als Schultes).
»Die erste Häfte ist sehr gut gelaufen«, bestätigte er. Seine
Mannschaft und er seien gestürmt und hätten so manchen Volltreffer
erzielt. »Das Publikum (Bürger und Gemeinderat) hat uns voll
unterstützt, es gab nur sehr wenige Pfiffe«, bilanzierte er. »Jetzt
blicken wir auf die zweite Halbzeit und hoffen auf Verlängerung
(Wiederwahl).«
»Anpfiff« hatte die Gemeinde bei einer der größten Hochbaumaßnahmen
der letzten Jahre – der Schwarzwaldhalle. Die Generalsanierung
startete mit einer Steilvorlage: die größte Pelltsheizung
Baden-Württembergs habe ihren Betrieb aufgenommen. »Heizung,
Lüftung, Elektrik, der Boden, die wände und die Decken – alles wird
neu. Das Foyer wird umgekrempelt, eine Generalsanierung mit einem
Rückbau auf den Rohbauzustand«, informiert der Schultes die rund 120
geladenen Gäste.
Einen Schlusspfiff, der es in sich hatte, sozusagen ein »Schluss mit
Pfiff«, erlebten die Appenweierer beim Umbau der Bundesstraße 3
(Ortsdurchfahrt).
Und Stein war voll des Lobes: »Neben dem höheren Schutz für
Radfahrer, Fußgänger, ältere Bürger und Rollstuhlfahrer hat sich das
Ortsbild mit Tischen und Stühlen vor den Wirtschaften gefüllt.
Appenweier hat sich enorm belebt.« Neun Monate Bauzeit, dann war die
rund 900 Meter lange Strecke fertig. Und Stein dankte dem Land für
den Zuschuss – es sei die letzte Ortsdurchfahrt gewesen, die in
dieser Art gebaut werden konnte, erklärt der Schultes. 1,35
Millionen Euro kostete das Projekt – 830 000 Euro Zuschüsse wurden
überwiesen.
Und weil der gesamte Tross der Tour de France durch Urloffen und
Appenweier rollte kamen über 20 000 Zuschauer zur Einweihung und
feierten. »Es war eine grandiose Stimmung, die mit Händen greifbar
und vor weitem spürbar war«, blickte Stein voller Stolz zurück.
Und überhaupt war für den Schultes in 2005 das Fahrrad ein
bestimmendes Thema, nicht nur wegen der Tour, auch nicht wegen der
Etappe eines hochrangigen Nachwuchsrennens, die durch Appenweier
führten – sondern wegen dem Radweg nach Nesselried. »Nach 15 Jahren
war es endlich so weit, Baubeginn des Rad- und Gehweges nach
Nesselried. Groß war die Freude bei den vielen Besuchern und groß
ist sie bei denen, die jetzt täglich diesen Weg benutzen«, so
Hansjürgen Stein.
Vereinshus beispielhaft
Der Bürgermeister übte aber auch Kritik – an der
Bewertungskommission des Kreiswettbewerbs »Unser Dorf soll schöner
werden – unser Dorf hat Zukunft«. Stein ist sicher: »Für uns hat
Nesselried den ersten Preis gewonnen«. Und nannte einen guten Grund,
den die Jury offfensichtlich total ignorierte: »Das Vereinshus
alleine wäre schon den ersten Preis wert.« Rund 5000 ehrenamtliche
Arbeitsstunden wurden investiert. »Eine in der Ortenau
beispielgebende und einmalige Einrichtung ist entstanden«. Diese
Maßnahme brauchte nach Steins Rechnung neun Jahre von der Idee bis
zur Durchführung. »Aber jetzt ist das halbe Dorf unter einem Dach«.
33 Prozent oder 105 000 Euro betrug der Zuschuss durch das Land
Baden-Württemberg.
Eines der schönsten Häuser in Appenweier sei nach seiner Sanierung
das Rathaus II, ist Hansjürgen Stein überzeugt. Momentan werde der
Platz gestaltet und wenn die Maßnahme abgeschlossen ist, »dann haben
wir ein gelungenes Ensemble geschaffen«.
»Scharfer Kerl«
Dann verfiel Stein wieder in die Fußballersprache, als er erkannte,
dass es in fast jedem Fußball-Team einen so genannten »scharfen
Kerl« gibt. »Der scharfe Kerl«, so der Titel einer Sendung im
Südwestfernsehen über den Meerrettich, habe der Gemeinde bundesweite
Beachtung eingebracht und sei ein Elfmeter für Urloffens
Ortsvorsteher Siegfried Spengler gewesen. Fußballfan Stein
jubilierte: »Den hat er hervorragend und formvollendet verwandelt.«
Als Fest, das alle Vereine von Urloffen und Nesselried grandios
meisterten, sah der Bürgermeister die 30-Jahr-Feier der
Partnerschaft mit Montlouis. »Die Spielorte waren in den beiden
Ortsteilen.«
Einen »Neuanpfiff« gab’s im Kindergarten »St. Martin« in Urloffen.
»Die Kinder haben jetzt eine neue Arena – das Stadion (Kindergarten)
wurde total renoviert und mit einem Fest im Sommer eingeweiht. Die
Gemeinde ist mit 444 000 Euro daran beteiligt«. Gewonnen haben laut
Stein alle Eltern mit Kindern in allen drei Ortsteilen, nach dem
Gemeinderatsvotum im März 2005, dem Ortenauer Bündnis für Familien
beizutreten. »Das war für uns keine leere Formel, es sind Taten
gefolgt«, sagte der Schultes und nannte Beispiele: In der
Kleinkinderbetreuung geht man neue Wege – sie ist in Appenweier
durch private Initiative abgedeckt und in der Bedarfsplanung
aufgenommen. Durch einen hohen Zuspruch werde in diesem Jahr die
dritte Gruppe eingerichtet. Neu sei auch die Nachmittagsbetreuung in
der Grundschule.
Nachdem alle Kindergärten in der Gesamtgemeinde renoviert sind, soll
nun eine Qualitätsoffensive folgen: »Alle Kindergärten haben
schriftlich ausgearbeitete pädagogische Richtlinien erarbeitet«,
informierte Stein. Doch der Weg werde fortgesetzt mit dem Ziel
»Einstieg in die Ganztagsbetreuung«. Ein Coup der Gemeinde:
Appenweier meldet den Schauenburg-Kindergarten für eine
wissenschaftliche Begleitung in der Pilotphase zur Einführung des
Orientierungsplanes für Bildung und Erziehung an. »Damit sind wir am
obersten Tabellenplatz in der Kreisliga – wir dürfen aber nicht in
die Landesliga aufsteigen«, so Stein.
Sportarena-Hochburg
2005 habe der RMSV Urloffen die Erweiterung der Kartbahn
fertiggestellt. Es können wieder deutsche Meisterschaften gefahren
werden. Damit ist Urloffen für Hansjürgen Stein »unsere
Sportarena-Hochburg«: Drei Sporthallen (ASV, TVU und
Schauenburghalle), Fußball- und Tennisplätze, Skaterplatz, Golfplatz
und der Ortenau-Kartring.
Tritt auf die Bremse
Beim Blick auf die Gemeindefinanzen wurde der Schultes wieder ernst,
trotzdem fiel ihm ein nicht ernst zu nehmendes Zitate von einem
Ex-Fußball-Nationalspieler ein: »Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand
in den Kopf stecken« (Lothar Matthäus). Steins Einschätzung für
Appenweier: »Wir sind auf einem guten Stand bei der Infrastruktur,
aber dafür mussten wir auch unsere Rücklagen auflösen. Nach wie vor
gibt es viel zu tun. nach Abschluss der großen Projekte Kläranlage,
Schwarzwaldhalle und Bürgerzentrum müssen wir auf die Bremse treten
und Rücklagen bilden, damit wir auch in Zukunft handlungsfähig
sind.« |