10.01.2005
»Wir investieren in Werte – und nicht in Konsum
Neujahrsempfang der Gemeinde im Appenweierer Rathaus / Bürgermeister Stein erwartet hartes Jahr
 

Als »Zeichen des Dankes und der Anerkennung für all jene, die sich stark für die Gesamtgemeinde einsetzen und die Appenweier voranbringen« hatte Bürgermeister Hansjürgen Stein gestern Vertreter des öffentlichen Lebens zum Neujahrsempfang geladen. Unter den Gästen war auch eine Delegation aus Montlouis sowie Steins Freund, Frederic Gellert, vom Staatsministerium in Stuttgart.

Von: Fritz Bierer

Appenweier. »2004 war für uns ein gutes Jahr und ich bin mir sicher, dass auch 2005 ein gutes Jahr werden wird«, sagte Bürgermeister Hansjürgen Stein im Bürgersaal des Rathauses, als er eine Reihe von Maßnahmen Revue passieren ließ – darunter den Bau des Altenpflegeheims in Urloffen, die Sanierungsarbeiten am St.-Martin- und den Endausbau des Schauenburg-Kindergartens, den Umbau der Ortsdurchfahrt (B 3), den Endausbau des Baugebietes »Mittelfeld«, die Großinvestition Wasserwerk Effentrich und natürlich die Kommunalwahlen, bei denen nach 40 Jahren aktiver Kommunalpolitik das »Urgestein« Josef Grumer verabschiedet wurde. »Seine Beiträge sind Legende, seine Verdienste aufzuzählen, würde bis in den Abend reichen. Ganze Generationen sind aufgewachsen, für die es selbstverständlich war, der Grumer Sepp ist Gemeinderat, was sonst«, würdigte der Schultes die Persönlichkeit und Tatkraft Grumers. Weitere Maßnahmen in 2004 war der Endausbau des Gebietes »Winkel Süd« und »keine Neujahrsrede ohne Kläranlage«, scherzte Stein, der mit nackten Zahlen jonglierte: 5,4 Millionen Euro Baukosten, 1,86 Millionen Euro erwarteter Zuschuss sowie der gewaltige Gemeinde-Eigenanteil in Höhe von 3,54 Millionen Euro.
Arroganz der Macht
Stein erinnerte aber auch an das gute Ergebnis für die Gemeinde bei der Polizeipostenreform – der Appenweierer Posten wurde mit den Beamten aus Willstätt auf acht aufgestockt und dem Revier Kehl zugeordnet. »Leider haben nicht alle die gleiche Einsicht, dass Appenweier ein hervorragender Standort ist. Trotz meiner heftigsten Interventionen und Protestaktionen der Bürger hat die Deutsche Post AG die mit eigenem Personal betriebene Filiale Appenweier geschlossen. Ohne Wenn und Aber haben wir Bürger die Arroganz der Macht zu spüren bekommen«, kritisierte Stein zum wiederholten Mal das Filialschließungs-Konzept.
»Auch wenn uns Kommunen immer weniger Geld zur Verfügung gestellt wird – Appenweier macht etwas damit.« Mit diesem Satz als Einleitung blickte das Gemeindeoberhaupt auf die kommenden zwölf Monate. »Ein Jahr, in dem große Investitionen getätigt werden. Wir nutzen die Rücklagen für die Dinge, für die sie angelegt wurden und investieren in Werte – und nicht wie der Bund in den Konsum.«
Pflicht-Investitionen
Stein vermutet jedoch, dass 2005 ein hartes Jahr wird. Man müsse die Reserven angreifen. Aber es sei die Pflicht, als Kommune zu investieren, gerade in Zeiten der zarten Wirtschaftserholung. »Denn«, so fragte Stein, »wo soll das Geld herkommen, mit dem die Unternehmen wiederum Löhne bezahlen?« Der Schultes ist überzeugt, dass sich Gemeinderat und Verwaltung in den letzten Jahren vorbildlich verhalten haben, »wir haben investiert – und dadurch viel Geld gespart durch günstige Ausschreibungen und durch die letzte Chance, noch für irgend etwas Zuschüsse vom Land zu bekommen«. Denn damit werde sehr bald Schluss sein, prognostizierte Hansjürgen Stein.
Ein Ster Holz
Für den verhinderten Bürgermeisters Jean-Jaques Filieul überbrachte dessen Vertreterin Nicole Charrault charmant die Grüße der Partnerstadt Montlouis-sur-Loire aus Frankreich. Ebenso wie der Vorsitzende des Freundschaftskreises, Jean-Michel Moity-Blanchard, erinnerte sie an 30 Jahre gelebte Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden und versprach: »Zur großen Feier vom 26. bis 29. August werden viele Menschen aus Montlouis nach Appenweier kommen.« Für Moity-Blanchard ist das Jubiläum gleichzeitig »ein Neuanfang mit einer neuen Generation«.
Originell waren die Präsente, die Richard Hettich, Sprecher der Appenweierer Vereine, Bürgermeister Stein als Dank für die gute Arbeit überreichte: einen Ster Holz und eine Flasche »guten Geist«.
Der Konter des Gemeindeoberhauptes kam spontan: »Ihr könnt nächstes Jahr das ganze noch toppen, indem ihr mir den Ster Holz sägt und danach noch spaltet.«


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