13.07.2005
Bildung beginnt mit dem ersten Tag
Melanie Huber zur aktuellen Diskussion über Orientierungspläne für Kindergärten
 

Die Art der Diskussion über Bildungspläne für Kindergärten ärgert Melanie Huber, Leiterin des Appenweierer Kindergartens St. Michael. Deshalb hatte sie zum Pressegespräch geladen.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Das ärgert mich«, sagt die Appenweierer Kindergartenleiterin Melanie Huber zur Debatte um Bildungs- und Orientierungspläne in den Kindergärten: »Die Annahme, mit Einführung der Orientierungspläne würde sich die Arbeit in den Kindergärten wesentlich ändern, halte ich für praxisfremd«, sagt sie – und fügt an: »Das hört sich auch grad so an, als würde im Kindergarten noch gar nicht in diese Richtung gearbeitet.« Dabei werde im Elementarbereich seit jeher Bildungsarbeit geleistet. Ganzheitlich. Fächerübergreifend. Altersspezifisch. »Unsere Arbeit, und da spreche ich für alle Kindergärten, nicht nur für St. Michael, ist ganz stark an den unterschiedlichsten Bildungsbereichen angepasst«, will Huber klarstellen. Ob Sprache, Bewegung, Musik, Kunst, Natur, Soziale Erziehung oder Religion.
Musik und Sprache
Im Kindergarten passiert daher (fast) nichts einfach nur so zum Spaß. Spiele, Geschichten, Basteleien haben stets einen tieferen, pädagogischen Sinn. Das verdeutlicht die Erzieherin auch anhand von Beispielen. Ein Lied ist nicht nur Musik und Rhythmus, sondern auch Sprachtraining und gelegentlich Integration. »Jedes Angebot deckt viele Bereiche ab«, so Huber. Das Lernangebot sei aber stets dem Entwicklungsstand angepasst, in alltägliche Aktivitäten und Situationen weitgehend eingebunden. Im Spiel oder in Projekten, die von den Kindern mitgestaltet werden können. »Sie müssen den Interessen der Kinder angepasst und flexibel sein«, sagt Huber. Eines der Projekte ist etwa das »Zahlenland«.
»Die Kinder lernen bei uns nicht rechnen, allerdings die Zahlen von eins bis neun kennen.« Aber auch das Kennenlernen der Ziffern funktioniert ganzheitlich, in den Alltag eingebaut. Beim Märchenerzählen, beim Frühstück, mit Fingerspielen oder beim Herumhüpfen auf der Zahlenstraße. Spielerisch bereiten die Erzieherinnen die Knirpse auch aufs Lesen und Schreiben vor. »Wir nehmen keine Lerninhalte der Schule vorweg, aber die Kinder sind unheimlich wissbegierig«, weiß die Kindergartenleiterin aus der täglichen Erfahrung.
Im Kindergarten werden aber auch Werte vermittelt. »Das ist heute wichtiger denn je«, so Huber. Und gerade in St. Michael (Träger ist die Kirche) legt man auch auf religiöse Bildung ein Augenmerk. »Wir lesen Geschichten aus dem neuen Testament, binden kirchliche Feste in den Alltag ein.«
Oft unterschätzt
»Die Förderung fängt mit dem ersten Kindergartentag an«, sagt die Leiterin von St. Michael abschließend und bedauert: »Es wird oft unterschätzt, was im Kindergarten an Arbeit geleistet wird.«


zurück