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Die Art der Diskussion über Bildungspläne für
Kindergärten ärgert Melanie Huber, Leiterin des Appenweierer Kindergartens
St. Michael. Deshalb hatte sie zum Pressegespräch geladen.
Von: Kerstin Handsteiner
Appenweier. »Das ärgert mich«, sagt die Appenweierer
Kindergartenleiterin Melanie Huber zur Debatte um Bildungs- und
Orientierungspläne in den Kindergärten: »Die Annahme, mit Einführung der
Orientierungspläne würde sich die Arbeit in den Kindergärten wesentlich
ändern, halte ich für praxisfremd«, sagt sie – und fügt an: »Das hört sich
auch grad so an, als würde im Kindergarten noch gar nicht in diese Richtung
gearbeitet.« Dabei werde im Elementarbereich seit jeher Bildungsarbeit
geleistet. Ganzheitlich. Fächerübergreifend. Altersspezifisch. »Unsere
Arbeit, und da spreche ich für alle Kindergärten, nicht nur für St. Michael,
ist ganz stark an den unterschiedlichsten Bildungsbereichen angepasst«, will
Huber klarstellen. Ob Sprache, Bewegung, Musik, Kunst, Natur, Soziale
Erziehung oder Religion.
Musik und Sprache
Im Kindergarten passiert daher (fast) nichts einfach nur so zum Spaß.
Spiele, Geschichten, Basteleien haben stets einen tieferen, pädagogischen
Sinn. Das verdeutlicht die Erzieherin auch anhand von Beispielen. Ein Lied
ist nicht nur Musik und Rhythmus, sondern auch Sprachtraining und
gelegentlich Integration. »Jedes Angebot deckt viele Bereiche ab«, so Huber.
Das Lernangebot sei aber stets dem Entwicklungsstand angepasst, in
alltägliche Aktivitäten und Situationen weitgehend eingebunden. Im Spiel
oder in Projekten, die von den Kindern mitgestaltet werden können. »Sie
müssen den Interessen der Kinder angepasst und flexibel sein«, sagt Huber.
Eines der Projekte ist etwa das »Zahlenland«.
»Die Kinder lernen bei uns nicht rechnen, allerdings die Zahlen von eins bis
neun kennen.« Aber auch das Kennenlernen der Ziffern funktioniert
ganzheitlich, in den Alltag eingebaut. Beim Märchenerzählen, beim Frühstück,
mit Fingerspielen oder beim Herumhüpfen auf der Zahlenstraße. Spielerisch
bereiten die Erzieherinnen die Knirpse auch aufs Lesen und Schreiben vor.
»Wir nehmen keine Lerninhalte der Schule vorweg, aber die Kinder sind
unheimlich wissbegierig«, weiß die Kindergartenleiterin aus der täglichen
Erfahrung.
Im Kindergarten werden aber auch Werte vermittelt. »Das ist heute wichtiger
denn je«, so Huber. Und gerade in St. Michael (Träger ist die Kirche) legt
man auch auf religiöse Bildung ein Augenmerk. »Wir lesen Geschichten aus dem
neuen Testament, binden kirchliche Feste in den Alltag ein.«
Oft unterschätzt
»Die Förderung fängt mit dem ersten Kindergartentag an«, sagt die Leiterin
von St. Michael abschließend und bedauert: »Es wird oft unterschätzt, was im
Kindergarten an Arbeit geleistet wird.«
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