22.09.2004
Neues Klangerlebnis für Appenweier
Beim Patrozinium am kommenden Sonntag wird die Klais-Orgel vorgestellt / Paten für Pfeifen gesucht

An der Orgel in der Appenweierer Pfarrkirche »St. Michael« nagt schon seit längerem der Zahn der Zeit. Nun wird das rund 150 Jahre alte Instrument durch ein neues ersetzt. Ein Teil der Finanzierung soll durch Patenschaften aufgebracht weden.
 

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Schon der erste Ton füllt den Raum, strahlt Ruhe und Erhabenheit aus«, sagen die Orgelbauer der Bonner Firma Klais: »Sei es im Gottesdienst oder im Konzert, der Klang der Orgel wirkt erhebend. Besinnung stellt sich ein.« Rund 150 Jahre hat die Forell-Orgel die Appenweierer Pfarrkirche St. Michael mit erhabenem Klang erfüllt und für Besinnung der Christen gesorgt. Doch die Zeit ging nicht spurlos an ihr vorüber. »Es sind zuweilen Heultöne zu hören, man hat dann das Gefühl, dass der Organist mit der Orgel kämpft, um sie wieder in die Zügel zu bekommen«, sagt Rainer Bernhart vom Orgelförderkreis Appenweier. Und das trägt nicht gerade zur Besinnung bei.
Lang gehegter Wunsch
Die Zeit ist reif für etwas Neues, wurde in Appenweier doch schon lange der Wunsch gehegt, die Orgel zu renovieren oder durch eine neue zu ersetzen. Mit der Genehigung des Landesdenkmalamts und in Zusammenarbeit mit dem erzbischöflichen Bauamt in Freiburg beschloss der Pfarrgemeinderat für St. Michael eine neue Orgel anzuschaffen.
Bernhart erläutert den Grund: »Die Forell-Orgel, die etwa in der Zeit zwischen 1850 und 1860 gebaut wurde, hat man in den 30er-Jahren erweitert und renoviert.« Laut Experten-Meinungen hätte man dies aber lieber bleiben lassen. Sie besagen nämlich, dass »der ursprüngliche Charakter des Forell’schen Werks verloren gegangen ist«.
Auch eine neue Orgel kauft man nicht einfach so. »Sie muss zum Klang der Alten passen, sonst fühlt man sich plötzlich fremd in der Kirche«, sagt Bernhart. Mitglieder des Pfarrgemeinderats, Kirchenchors und Organisten gingen deshalb mit dem erzbischöflichen Orgelbauinspektor auf Reisen: »Wir haben Orgelfahrten unternommen, zum Beispiel nach Freiburg, Wagshurst – und Bempflingen«, sagt Bernhart, der Letzteres als »einen Glücksfall für Appenweier« ansieht: »Die Eigenart der Orgel hat uns sofort gefallen. Sie
passt zu unserer bisherigen.«
Die Orgel wurde ausgeschrieben und nach einem Auswahlverfahren blieben schließlich drei Angebote übrig, darunter jenes des Bonner Orgelbauers Klais, das den Zuschlag bekam. Im Förderkreis rechnet man mit ca. 300 000 Euro für das neue Instrument. Ein Teil der Finanzierung steht: »Die politische Gemeinde und das erzbischöfliche Ordinariat haben uns großzügig einen Zuschuss gewährt und in den lezten Jahren wurden in Appenweier bereits rund 160 000 Euro gesammelt«, rechnet Bernhart vor. Die Summe habe alle im Förderkreis positiv überrascht.
Trotz des großen Engagements der Appenweierer, fehlen immer noch etwa 100 000 Euro. Die will man nun durch die Aktion »1037 Pfeifen warten auf ihre Paten« aufbringen. Wer etwas für die neue Orgel tun will, kann sich einen Ton, Dreiklang oder gleich ein ganzes Register aussuchen, für das er dann die Patenschaft übernimmt. Je nach Bauart und Größe der Orgelpfeifen ergeben sich sieben Preiskategorien zwischen 25 und 750 Euro. Ausführliche Informationen über die Aktion, verweist Bernhart, gibt es am Sonntag (siehe dazu »Patrozinium«). Dann soll auch die neue Orgel vorgestellt werden, die man in Appenweier im Spätjahr 2005 erwartet.
Die umfangreichen Vorarbeiten erledigt Klais in der Bonner Werkstatt, so dass die Orgel hier in Appenweier eigentlich nur noch aufgestellt werden muss. »Das wird wenige Wochen dauern«, rechnet Bernhart. In der Zeit wird für Ersatz gesorgt.
Und was passiert mit dem ausgedienten Instrument? »Wir müssen – so die Vorgabe des Landesdenkmalamts – eine Gemeinde suchen, die für die Forell-Orgel Verwendung hat.« Keine leichte Aufgabe, wie erste Bemühungen gezeigt hätten.
Ω Wer keine Patenschaft übernehmen möchte, kann auch so für die neue Appenweierer Orgel spenden – und zwar an folgende Konten: Sparkasse Offenburg/Ortenau, BLZ 664 500 50, Kto-Nr. 676 778 oder Volksbank Offenburg, BLZ 664 900 00, Kto-Nr. 112 33 19, Verwendungszweck: Orgelspende.

Patrozinium

Am kommenden Sonntag, 26. September, feiert die Appenweierer Pfarrgemeinde St. Michael Patrozinium. Dazu findet um 9 Uhr ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche statt. Diesen wird erstmals der neue Pfarrer der Seelsorgeeinheit, Dietmar Mathe, feiern. Er wird künftig in Appenweier wohnen, aber auch für die Pfarreien Nesselried, Durbach und Ebersweier zuständig sein.
Im Anschluss an den Gottesdienst gibt die Trachtenkapelle vor der Kirche ein Platzkonzert, ehe man sich im Pfarheim zu einer Info-Veranstaltung über die neue Orgel zusammenfindet. Darin gibt es ausführliche Informationen über die Patenschaft für Orgelpfeifen, außerdem stellt Dr. Theobald (Orgelbaufirma Klais aus Bonn) das neue Instrument vor und steht für Fragen zur Verfügung. keh


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