An der
Orgel in der Appenweierer Pfarrkirche »St. Michael« nagt
schon seit längerem der Zahn der Zeit. Nun wird das rund 150
Jahre alte Instrument durch ein neues ersetzt. Ein Teil der
Finanzierung soll durch Patenschaften aufgebracht weden.
Von:
Kerstin Handsteiner
Appenweier. »Schon der erste Ton füllt den Raum, strahlt
Ruhe und Erhabenheit aus«, sagen die Orgelbauer der Bonner
Firma Klais: »Sei es im Gottesdienst oder im Konzert, der
Klang der Orgel wirkt erhebend. Besinnung stellt sich ein.«
Rund 150 Jahre hat die Forell-Orgel die Appenweierer
Pfarrkirche St. Michael mit erhabenem Klang erfüllt und für
Besinnung der Christen gesorgt. Doch die Zeit ging nicht
spurlos an ihr vorüber. »Es sind zuweilen Heultöne zu hören,
man hat dann das Gefühl, dass der Organist mit der Orgel
kämpft, um sie wieder in die Zügel zu bekommen«, sagt Rainer
Bernhart vom Orgelförderkreis Appenweier. Und das trägt
nicht gerade zur Besinnung bei.
Lang gehegter Wunsch
Die Zeit ist reif für etwas Neues, wurde in Appenweier doch
schon lange der Wunsch gehegt, die Orgel zu renovieren oder
durch eine neue zu ersetzen. Mit der Genehigung des
Landesdenkmalamts und in Zusammenarbeit mit dem
erzbischöflichen Bauamt in Freiburg beschloss der
Pfarrgemeinderat für St. Michael eine neue Orgel
anzuschaffen.
Bernhart erläutert den Grund: »Die Forell-Orgel, die etwa in
der Zeit zwischen 1850 und 1860 gebaut wurde, hat man in den
30er-Jahren erweitert und renoviert.« Laut
Experten-Meinungen hätte man dies aber lieber bleiben
lassen. Sie besagen nämlich, dass »der ursprüngliche
Charakter des Forell’schen Werks verloren gegangen ist«.
Auch eine neue Orgel kauft man nicht einfach so. »Sie muss
zum Klang der Alten passen, sonst fühlt man sich plötzlich
fremd in der Kirche«, sagt Bernhart. Mitglieder des
Pfarrgemeinderats, Kirchenchors und Organisten gingen
deshalb mit dem erzbischöflichen Orgelbauinspektor auf
Reisen: »Wir haben Orgelfahrten unternommen, zum Beispiel
nach Freiburg, Wagshurst – und Bempflingen«, sagt Bernhart,
der Letzteres als »einen Glücksfall für Appenweier« ansieht:
»Die Eigenart der Orgel hat uns sofort gefallen. Sie
passt zu unserer bisherigen.«
Die Orgel wurde ausgeschrieben und nach einem
Auswahlverfahren blieben schließlich drei Angebote übrig,
darunter jenes des Bonner Orgelbauers Klais, das den
Zuschlag bekam. Im Förderkreis rechnet man mit ca. 300 000
Euro für das neue Instrument. Ein Teil der Finanzierung
steht: »Die politische Gemeinde und das erzbischöfliche
Ordinariat haben uns großzügig einen Zuschuss gewährt und in
den lezten Jahren wurden in Appenweier bereits rund 160 000
Euro gesammelt«, rechnet Bernhart vor. Die Summe habe alle
im Förderkreis positiv überrascht.
Trotz des großen Engagements der Appenweierer, fehlen immer
noch etwa 100 000 Euro. Die will man nun durch die Aktion
»1037 Pfeifen warten auf ihre Paten« aufbringen. Wer etwas
für die neue Orgel tun will, kann sich einen Ton, Dreiklang
oder gleich ein ganzes Register aussuchen, für das er dann
die Patenschaft übernimmt. Je nach Bauart und Größe der
Orgelpfeifen ergeben sich sieben Preiskategorien zwischen 25
und 750 Euro. Ausführliche Informationen über die Aktion,
verweist Bernhart, gibt es am Sonntag (siehe dazu »Patrozinium«).
Dann soll auch die neue Orgel vorgestellt werden, die man in
Appenweier im Spätjahr 2005 erwartet.
Die umfangreichen Vorarbeiten erledigt Klais in der Bonner
Werkstatt, so dass die Orgel hier in Appenweier eigentlich
nur noch aufgestellt werden muss. »Das wird wenige Wochen
dauern«, rechnet Bernhart. In der Zeit wird für Ersatz
gesorgt.
Und was passiert mit dem ausgedienten Instrument? »Wir
müssen – so die Vorgabe des Landesdenkmalamts – eine
Gemeinde suchen, die für die Forell-Orgel Verwendung hat.«
Keine leichte Aufgabe, wie erste Bemühungen gezeigt hätten.
Ω Wer keine Patenschaft übernehmen möchte, kann auch so für
die neue Appenweierer Orgel spenden – und zwar an folgende
Konten: Sparkasse Offenburg/Ortenau, BLZ 664 500 50, Kto-Nr.
676 778 oder Volksbank Offenburg, BLZ 664 900 00, Kto-Nr.
112 33 19, Verwendungszweck: Orgelspende.
Patrozinium
Am kommenden Sonntag, 26. September, feiert die Appenweierer
Pfarrgemeinde St. Michael Patrozinium. Dazu findet um 9 Uhr
ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche statt. Diesen wird
erstmals der neue Pfarrer der Seelsorgeeinheit, Dietmar
Mathe, feiern. Er wird künftig in Appenweier wohnen, aber
auch für die Pfarreien Nesselried, Durbach und Ebersweier
zuständig sein.
Im Anschluss an den Gottesdienst gibt die Trachtenkapelle
vor der Kirche ein Platzkonzert, ehe man sich im Pfarheim zu
einer Info-Veranstaltung über die neue Orgel zusammenfindet.
Darin gibt es ausführliche Informationen über die
Patenschaft für Orgelpfeifen, außerdem stellt Dr. Theobald
(Orgelbaufirma Klais aus Bonn) das neue Instrument vor und
steht für Fragen zur Verfügung. keh |