21.04.2005
»Wir waren sogar im Fernsehen«
Urloffener Pilgergruppe erlebte die Wahl Benedikts XVI. auf dem Petersplatz live mit


Hautnah waren 50 Urloffener bei der Papst-Wahl am Dienstagabend auf dem Petersplatz dabei. Wie die Pilgergruppe die Abendstunden erlebte, erzählte ein Teilnehmer gestern am Telefon. Was sie von Benedikt XVI. erwarten, berichten katholische und evangelische Kirchenvertreter aus Appenweier und Renchen.

Von: Löhnig/Handsteiner

Appenweier/Renchen. Es war kurz vor 18 Uhr, als am Dienstagabend erst grauer, dann schließlich weißer Rauch aus dem Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle aufstieg. Tausende Menschen erlebten den Moment der Entscheidung auf dem Petersplatz in Rom, darunter auch 50 aus einer Urloffener Reisegruppe unter der Leitung von Edmund Späth. »Punkt 17.30 Uhr waren wir auf dem Petersplatz«, berichtete gestern Martin Trautmann am Telefon. »Wir haben uns sehr gefreut, als der weiße Rauch aus dem Kamin aufgestiegen ist und klar gewesen ist, wir haben einen neuen Papst.«
Regelmäßig fährt Späth mit Reisegruppen nach Rom. 56-mal war er in den vergangenen 18 Jahren in der italienischen Hauptstadt. Dementsprechend kennt er sie und den Vatikan wie seine Westentasche. Das hat sich auch am Dienstagabend ausgezahlt. »Wir sind sehr gut gestanden«, sagte Trautmann und freute sich: »Wir waren sogar im Fernsehen zu sehen.« Wie die Tausenden Menschen aus allen Erdteilen haben auch die Urloffener applaudiert: »Als Kardinal Ratzingers Name bekannt wurde, hat der Jubel unter den Deutschen keine Grenzen mehr gekannt«, berichtet Trautmann. Bis Freitag sind die Urloffener noch in der Ewigen Stadt, aus der sie ein besonderes Erlebnis mit nach Hause nehmen werden: »Wir konnten den ersten Segen ‘urbi et orbi’ von Benedikt den XVI. persönlich auf dem Petersplatz empfangen.«
Offen für Ökumene
Etwas unspektakulärer, daheim in Urloffen vernahm Pfarrer Karlheinz Scheyerle die Kunde: »Ich persönlich freue mich natürlich sehr«, sagt der gebürtige Franke über den oberbayerischen Papst und hofft, dass dieser »für die Ökumene offen ist«. Eine »Öffnung im ökumenischen Dienst« wünscht sich auch Appenweiers evangelischer Pfarrer Martin Schmitthenner: »Vielleicht ist der Beschluss, ein konfessionsverbindendes Abendmahl oder eine konfessionsverbindende Eucharistiefeier nicht zuzulassen, nicht für immer und ewig gesprochen.« Schmitthenner wie seine Renchener Amtskollegin Dagny von der Goltz weiß aber auch: Letztendlich komme es in der ökumenischen Zusammenarbeit auf die Pfarrer und Gremien vor Ort an. Und hier sei in Appenweier wie Renchen die Zusammenarbeit »sehr gut«.
Und während sich Schmitthenner in der katholischen Kirche »eine stärkere Beteiligung von Laien, vor allem auch Frauen im Gottesdienst« wünscht, hat Brigitte Mans, Pfarrgemeinderats-Vorsitzende in Appenweier, für ihre katholischen Mitstreiterinnen wenig Hoffung: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich für die Frauen etwas ändert.« Sie macht auch keinen Hehl daraus, dass Ratzinger nicht ihr Wunschkandidat gewesen sei, gewinnt der Wahl Benedikts XVI. aber auch etwas Positives ab: »Die Kardinäle sind mit seiner Wahl kein Risiko eingegangen«, denkt Mans, dass er von seiner langjährigen Tätigkeit, »den großen Betrieb schnell und gut im Griff haben« werde. »Das ist ein Vorteil im Sinne der Kontinuität.«
Als »hochintelligenten Mann, der schon viel in seinem Leben geleistet hat«, charakterisiert Renchens Pfarrer Albert Lehmann den neuen Papst, den er – wie auch Politikern – erst einmal 100 Tage geben möchte, bevor er sich über seine Arbeit äußert. Diakon Klaus Peter Roth (Ulm) hätte zwar einen lateinamerikanischen Kardinal favorisiert, macht sich aber trotz der Wahl eines Deutschen keine Sorgen um die Globalisierung: »Die Kirche war schon global, als wir das Wort nach gar nicht schreiben konnten.«
Meinung der Jugend
Auch die Jugend hat ihre Meinung zu Benedikt XVI: »Vor allem würde ich mir wünschen, dass er etwas ‘frischen Wind’ in die Kirche bringt. Mit dem Namen Joseph Ratzinger verbinde ich jedoch das Wort ‘konservativ’, womit meine Hoffnung auf einen ‘Reformpapst’ schon nahezu verflogen ist«, so Nadine Dierle (Ministranten Nesselried). »Vorschusslorbeeren bekommt er von mir keine«, sagt der Ulmer Daniel Hund, der derzeit über »Schalombote«, der Fachstelle Freiwilligen-/ Friedensdienste der Erzdiözese Freiburg, sein Freiwilliges Soziales Jahr in Nordirland ableistet. Er erwartet vom Papst »einen konsequenten Dialog mit den anderen Religionen, eine Annäherung an die evangelische Kirche und Vernunft, in puncto Empfängnisverhütung eine 180-Grad-Wende hinzulegen«. Und wie wurde die päpstliche Nachricht in Nordirland aufgenommen? »In meinem unmittelbaren Umfeld reichten die Reaktionen von vollständigem Desinteresse, über extreme Verwunderung bis zu Aussagen wie: ‘Der Wachhund ist nun Papst – schlechte Wahl!«, berichtet Daniel Hund.


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