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Hautnah waren 50 Urloffener bei der Papst-Wahl am Dienstagabend auf dem
Petersplatz dabei. Wie die Pilgergruppe die Abendstunden erlebte, erzählte
ein Teilnehmer gestern am Telefon. Was sie von Benedikt XVI. erwarten,
berichten katholische und evangelische Kirchenvertreter aus Appenweier und
Renchen.
Von: Löhnig/Handsteiner
Appenweier/Renchen. Es war kurz vor 18 Uhr, als am Dienstagabend erst
grauer, dann schließlich weißer Rauch aus dem Schornstein auf der
Sixtinischen Kapelle aufstieg. Tausende Menschen erlebten den Moment der
Entscheidung auf dem Petersplatz in Rom, darunter auch 50 aus einer
Urloffener Reisegruppe unter der Leitung von Edmund Späth. »Punkt 17.30 Uhr
waren wir auf dem Petersplatz«, berichtete gestern Martin Trautmann am
Telefon. »Wir haben uns sehr gefreut, als der weiße Rauch aus dem Kamin
aufgestiegen ist und klar gewesen ist, wir haben einen neuen Papst.«
Regelmäßig fährt Späth mit Reisegruppen nach Rom. 56-mal war er in den
vergangenen 18 Jahren in der italienischen Hauptstadt. Dementsprechend kennt
er sie und den Vatikan wie seine Westentasche. Das hat sich auch am
Dienstagabend ausgezahlt. »Wir sind sehr gut gestanden«, sagte Trautmann und
freute sich: »Wir waren sogar im Fernsehen zu sehen.« Wie die Tausenden
Menschen aus allen Erdteilen haben auch die Urloffener applaudiert: »Als
Kardinal Ratzingers Name bekannt wurde, hat der Jubel unter den Deutschen
keine Grenzen mehr gekannt«, berichtet Trautmann. Bis Freitag sind die
Urloffener noch in der Ewigen Stadt, aus der sie ein besonderes Erlebnis mit
nach Hause nehmen werden: »Wir konnten den ersten Segen ‘urbi et orbi’ von
Benedikt den XVI. persönlich auf dem Petersplatz empfangen.«
Offen für Ökumene
Etwas unspektakulärer, daheim in Urloffen vernahm Pfarrer Karlheinz
Scheyerle die Kunde: »Ich persönlich freue mich natürlich sehr«, sagt der
gebürtige Franke über den oberbayerischen Papst und hofft, dass dieser »für
die Ökumene offen ist«. Eine »Öffnung im ökumenischen Dienst« wünscht sich
auch Appenweiers evangelischer Pfarrer Martin Schmitthenner: »Vielleicht ist
der Beschluss, ein konfessionsverbindendes Abendmahl oder eine
konfessionsverbindende Eucharistiefeier nicht zuzulassen, nicht für immer
und ewig gesprochen.« Schmitthenner wie seine Renchener Amtskollegin Dagny
von der Goltz weiß aber auch: Letztendlich komme es in der ökumenischen
Zusammenarbeit auf die Pfarrer und Gremien vor Ort an. Und hier sei in
Appenweier wie Renchen die Zusammenarbeit »sehr gut«.
Und während sich Schmitthenner in der katholischen Kirche »eine stärkere
Beteiligung von Laien, vor allem auch Frauen im Gottesdienst« wünscht, hat
Brigitte Mans, Pfarrgemeinderats-Vorsitzende in Appenweier, für ihre
katholischen Mitstreiterinnen wenig Hoffung: »Ich kann mir nicht vorstellen,
dass sich für die Frauen etwas ändert.« Sie macht auch keinen Hehl daraus,
dass Ratzinger nicht ihr Wunschkandidat gewesen sei, gewinnt der Wahl
Benedikts XVI. aber auch etwas Positives ab: »Die Kardinäle sind mit seiner
Wahl kein Risiko eingegangen«, denkt Mans, dass er von seiner langjährigen
Tätigkeit, »den großen Betrieb schnell und gut im Griff haben« werde. »Das
ist ein Vorteil im Sinne der Kontinuität.«
Als »hochintelligenten Mann, der schon viel in seinem Leben geleistet hat«,
charakterisiert Renchens Pfarrer Albert Lehmann den neuen Papst, den er –
wie auch Politikern – erst einmal 100 Tage geben möchte, bevor er sich über
seine Arbeit äußert. Diakon Klaus Peter Roth (Ulm) hätte zwar einen
lateinamerikanischen Kardinal favorisiert, macht sich aber trotz der Wahl
eines Deutschen keine Sorgen um die Globalisierung: »Die Kirche war schon
global, als wir das Wort nach gar nicht schreiben konnten.«
Meinung der Jugend
Auch die Jugend hat ihre Meinung zu Benedikt XVI: »Vor allem würde ich mir
wünschen, dass er etwas ‘frischen Wind’ in die Kirche bringt. Mit dem Namen
Joseph Ratzinger verbinde ich jedoch das Wort ‘konservativ’, womit meine
Hoffnung auf einen ‘Reformpapst’ schon nahezu verflogen ist«, so Nadine
Dierle (Ministranten Nesselried). »Vorschusslorbeeren bekommt er von mir
keine«, sagt der Ulmer Daniel Hund, der derzeit über »Schalombote«, der
Fachstelle Freiwilligen-/ Friedensdienste der Erzdiözese Freiburg, sein
Freiwilliges Soziales Jahr in Nordirland ableistet. Er erwartet vom Papst
»einen konsequenten Dialog mit den anderen Religionen, eine Annäherung an
die evangelische Kirche und Vernunft, in puncto Empfängnisverhütung eine
180-Grad-Wende hinzulegen«. Und wie wurde die päpstliche Nachricht in
Nordirland aufgenommen? »In meinem unmittelbaren Umfeld reichten die
Reaktionen von vollständigem Desinteresse, über extreme Verwunderung bis zu
Aussagen wie: ‘Der Wachhund ist nun Papst – schlechte Wahl!«, berichtet
Daniel Hund.
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