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Nach der »Tour de Nesselried« wird gefeiert, bis der Letzte geht, titelte
die Mittelbadische Presse am vergangenen Samstag. Dass die Straßeneinweihung
am Sonntag von zehn Uhr morgens bis nach Mitternacht dauern würde,
überraschte aber selbst die Verantwortlichen.
Von: Wolfgang Löhnig
Appenweier-Nesselried. Jahrelang kämpften Verwaltung und Bürger
gemeinsam um eine akzeptable Anbindung Nesselrieds an den Kernort mit Radweg
zum Schutz der vielen Schulkinder, die täglich nach Appenweier fahren
müssen. Am Sonntag war es so weit, wurde von offiziellen Gästen das Band
durchschnitten (wir berichteten) und anschließend zu einem Hoffest
eingeladen, das von Getränke Lott in Zusammenwirken mit Nesselrieder
Vereinen ausgerichtet wurde.
Nachschub holen
Welche Auswirkungen der neue Radweg hat, konnte niemand voraussehen. Die
Radler pilgerten geradezu in den Rebort. Ein Verkehr wie auf der Avus, war
zu hören. »Mehr als 1000 Besucher waren hier«, schätzte Ortsvorsteher Klaus
Sauer am späten Nachmittag. Allein 450 Mittagessen wurden ausgegeben und die
georderten Steaks reichten bei weitem nicht aus. Viermal mussten die
Veranstalter zu den Metzgereien fahren, um Nachschub zu holen. An Pommes war
überhaupt nicht mehr zu denken, alle Geschäfte waren leer geräumt.
»Mit dem riesigen Ansturm konnte man nicht rechnen«, verdeutlichte Sauer.
Aber in Nesselried weiß man sich zu helfen. Flugs wurden noch Tische und
Bänke aufgebaut, alle Festgäste fanden Platz und konnten hervorragend
bewirtet werden. Von den zeitweiligen Engpässen spürte niemand etwas.
Mag es das tolle Programm gewesen sein, dass für jeden etwas bot. Mag sein,
dass die Bürger ihr Gemeindeoberhaupt schwitzend und im Bottich Abkühlung
suchend erleben konnten. Mag der tolle Radweg gelockt haben oder die Tombola
mit all den wertvollen Preisen oder die Unterhaltung des Musikvereins.
Sicher hat alles gemeinsam zum Besucheransturm geführt.
Natürlich wurde auch das Gaudiradrennen, bei dem sich Bürgermeister,
Ortsvorsteher, Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Vereinsvorsitzende
ordentlich ins Zeug legen mussten, aufmerksam verfolgt.
Am Ende stand der Bürgermeister zusammen mit den Ortsvorstehern und der
Verwaltungsspitze des Rathauses als Sieger fest. Wen wunderte es. Natürlich
wussten die Mannen aus den Rathäusern dass Appenweier 3801 Hektar groß ist,
Urloffen 200 Einwohner mehr hat als Appenweier, es 1975 eingegliedert wurde
und, dass Nesselried 1374 Einwohner hat. Es mussten aber auch sportliche
Leistungen abgeliefert werden wie Radfahren, mit einer alten Spritze aus
Haslach zielgerichtet spritzen, oder bei Torwand- und
Geschwindigkeitsschießen der richtige Umgang mit den runden Leder bewiesen
werden.
Der finanzielle Erlös einer Tombola – die Preise kamen von Lieferanten
des Gastgebers – wird zur Dorfverschönerung verwendet. Mit Pony-Reiten,
Streichelzoo und frei herumlaufenden Ziegen, mit Ballspielen und allerlei
kurzweiliger Unterhaltung kamen auch die Kinder auf ihre Kosten. Sie
quengelten überhaupt nicht, es sei denn, Erwachsene querten zu langsam den
Ballparcours. Da wurde schon mal um mehr Eile gebeten. |