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»Die Tour de France kommt« – so das Motto einer Lokalrunde,
zu der die Acher-Rench-Zeitung am Dienstagabend in die »Ulmer Bierstube« in
Renchen eingeladen hatte. Über das sportliche Großereignis und dessen
Auswirkung auf die Region diskutierten Vertreter von Kommunen, Vereinen, der
Wirtschaft und Polizei aus Sasbach, Achern, Renchen und Appenweier.
Von: Kerstin Handsteiner
Die Tour de France kommt in die Ortenau. Die Etappensieger kennen wir
bereits: Appenweier, Renchen, Achern und Sasbach«, eröffnete Moderator Fritz
Bierer für die Acher-Rench-Zeitung die Lokalrunde und spielte den Ball auch
gleich den Vertretern der Kommunen zu: »Was planen Sie für das
Großereignis?« Ein »schönes Fest für die Bürger und Menschen aus der Region«
schwebt Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann vor. Vordergründig an
»Essen, Trinken, Veranstaltungen« rund um »die Besonderheit Sprintetappe«
denkt Sasbachs Bürgermeister Wolfgang Reinholz, der damit rechnet, dass sich
gegen Abend die Tour-Party in Richtung Achern verlagert. Dort habe man
nämlich – so Hauptamtsleiter Hans-Peter Vollet – »das Glück«, dass
gleichzeitig das Stadtfest über die Bühne geht. Zwei Fliegen mit einer
Klappe will auch Appenweiers Schultes Hansjürgen Stein schlagen: »Wir weihen
am Tour-Tag die umgebaute B 3 ein.«
Realistische Erwartung
Auch wenn manches Stadt- oder Gemeindeoberhaupt von einem »Spektakel der
Superlative«, einem »Mega-Event« oder einer »Riesenveranstaltung« spricht,
die Erwartungen insgesamt sind realistisch: »Dass die Tour zu uns in die
Region kommt, ist zwar für alle ein Geschenk, kostet aber auch etwas«, so
Siefermann. »Das wird eher eine tagestouristische Aktivität, aber vielleicht
finden die Menschen Gefallen an der Gegend und kommen wieder«, hoffte
Wolfgang Reinholz, der das Marketing über die Ferienregion Sasbachwalden–Sasbach–Lauf
laufen lässt und seine Gemeinde für die Live-Übertragung im Fernsehen
»optisch in Szene setzen« will.
Eines ist allen klar: Die Tour bringt eine Menge Arbeit mit sich, die ohne
Überstunden und einer Heerschar an Freiwilligen (überwiegend aus den
Vereinen) nicht zu bewältigen wäre. Doch die scheinen motiviert: »Ich bin
überrascht, wie positiv die Vorbereitung verläuft, wir sind gut gerüstet«,
berichtete Richard Hettig, Sprecher der Appenweierer, der erst kürzlich eine
Sitzung mit den Beteiligten aus 20 Vereinen abgehalten hatte. »Die genaue
Planung läuft noch, aber rund 16 Vereine haben zugesagt, dass sie links und
rechts der Straße bewirten«, so Martin Glaser (Sasbach). Und auch in Renchen
sind viele Freiwillige, in Achern die komplette Stadtfest-Mannschaft auf den
Beinen.
Abseits der Festmeile
Die Tour lässt sich auch der Einzelhandel nicht entgehen, wenngleich Werben
mit dem offiziellen Logo oder auch nur dem Namen (»Tour de France«)
rechtlich nicht drinnen ist. »In Appenweier laufen Kooperationen zwischen
Vereinen und Geschäftswelt«, so Silke Treyer (Edeka Decker), die etwa den
Sportlern ihren Parkplatz zur Verfügung stellt. Aus der Not eine Tugend
machen Acherns Geschäfte: »Viele sperren bereits um 6 Uhr auf, da sie
anschließend für Stunden abgeschnitten sind«, verwies Vollet und dass die
Läden – tourbedingt – in diesem Jahr auch etwas abseits der Festmeile
liegen. Diese muss teilweise und mit großem logistischen Aufwand in den
Stadtgarten verlegt werden. Mit zwei Show-Bühnen will man die Gäste
allerdings zum Pendeln bewegen.
Unheimlich viele Leute
Erfahrungen von einer Tour-Durchfahrt brachte Willi Braun, Vorsitzender des
Sportausschusses Achern, ein. Er war am 5. Juli 1987 in Gamshurst dabei: »Es
war ein wunderschöner Tag. Die Fahrer waren für 17 Uhr angekündigt, ab 12
Uhr kamen die Gäste, 8000 bis 10 000 säumten die Gamshurster
Ortsdurchfahrt.« Für ihn ist klar, auch am 9. Juli 2005 werden– egal wo –
»unheimlich viele Leute da sein«.
Deshalb fürchten die Kommunen auch nicht, dass sie sich gegenseitig Besucher
abwerben. »Das ist keine große Konkurrenz«, ist Siefermann überzeugt. »Die
Hunderttausende von Leuten, die – u. a. aus dem Elsass – in die Ortenau
kommen, werden sich verteilen. Es ist wichtig, dass überall etwas geboten
wird«, sagte Stein, für den die Tour-Durchfahrt »eine Werbung für die
gesamte Region« ist. Dass vor und nach der Tour (»mit einem ‘Wup’ sind die
Fahrer durch«, so Braun) für die Gäste etwas geboten wird, freut auch Heinz
Rith, Leiter des Polizeireviers Achern/ Oberkirch: »Die An- und Abfahrten
verteilen sich dadurch etwas.« Insgesamt rechnet er aber mit »erheblichen
Behinderungen«, da die B 3 für mindestens drei Stunden nicht gequert werden
kann. Sorgen bereitet ihm auch der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen:
»Umleitungen werden bei Unfällen auf der A 5 schwierig.« Insgesamt rüste
sich die Polizei mit einem »Großaufgebot« an Einsatzkräften, unterstützt von
Feuerwehr, DRK und freiwilligen Ordnern aus den Kommunen, die für Sicherheit
und einen geregelten Ablauf sorgen.
Tipps für den Tour-Tag
Mit einigen Hunderttausend Zaungästen rechnen die Orte entlang der Tour
de France-Strecke in der Ortenau am Samstag, 9. Juli. Das fordert die
Ordnungshüter. »Wir haben Leute in Alarmhundertschaften und unser
Einsatzleiter Armin Bohnert hat bei der Tour de France in Freiburg Erfahrung
gesammelt«, sagte Polizeichef Heinz Rith, der Tipps für den Tour-Tag gab:
ª Auto stehen lassen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß
zur Strecke kommen.
ª Fahrgemeinschaften bilden und möglichst früh in die Orte entlang der Tour
kommen, so kann man einen Parkplatz außerhalb belegen und zu Fuß ins Zentrum
gehen. Viele Vereine bieten Frühaufstehern ein Tour-Frühstück an.
ª Urlauber, die an diesem Samstag mit dem Auto zu Flughäfen in Söllingen,
Stuttgart, Frankfurt müssen, sollten einen Zeitkorridor von drei Stunden (so
lange ist etwa eine Querung der B 3 unmöglich) einplanen.
ª Die A 5 nur in Ausnahmefällen benutzen. In NRW beginnen die Ferien, bei
Unfällen bestehen kaum Umleitungsmöglichkeiten über die B 3/B 36.
ª Geschäftsleute sollten Kunden und Lieferanten frühzeitig auf Behinderungen
am Tour-Tag aufmerksam machen. keh
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