14.04.2005
Eine Werbung für die gesamte Region
Sasbach, Achern, Renchen und Appenweier wollen sich bei ihren Feiern rund um die Tour de France keine Konkurrenz machen
 

 »Die Tour de France kommt« – so das Motto einer Lokalrunde, zu der die Acher-Rench-Zeitung am Dienstagabend in die »Ulmer Bierstube« in Renchen eingeladen hatte. Über das sportliche Großereignis und dessen Auswirkung auf die Region diskutierten Vertreter von Kommunen, Vereinen, der Wirtschaft und Polizei aus Sasbach, Achern, Renchen und Appenweier.

Von: Kerstin Handsteiner

Die Tour de France kommt in die Ortenau. Die Etappensieger kennen wir bereits: Appenweier, Renchen, Achern und Sasbach«, eröffnete Moderator Fritz Bierer für die Acher-Rench-Zeitung die Lokalrunde und spielte den Ball auch gleich den Vertretern der Kommunen zu: »Was planen Sie für das Großereignis?« Ein »schönes Fest für die Bürger und Menschen aus der Region« schwebt Renchens Bürgermeister Bernd Siefermann vor. Vordergründig an »Essen, Trinken, Veranstaltungen« rund um »die Besonderheit Sprintetappe« denkt Sasbachs Bürgermeister Wolfgang Reinholz, der damit rechnet, dass sich gegen Abend die Tour-Party in Richtung Achern verlagert. Dort habe man nämlich – so Hauptamtsleiter Hans-Peter Vollet – »das Glück«, dass gleichzeitig das Stadtfest über die Bühne geht. Zwei Fliegen mit einer Klappe will auch Appenweiers Schultes Hansjürgen Stein schlagen: »Wir weihen am Tour-Tag die umgebaute B 3 ein.«
Realistische Erwartung
Auch wenn manches Stadt- oder Gemeindeoberhaupt von einem »Spektakel der Superlative«, einem »Mega-Event« oder einer »Riesenveranstaltung« spricht, die Erwartungen insgesamt sind realistisch: »Dass die Tour zu uns in die Region kommt, ist zwar für alle ein Geschenk, kostet aber auch etwas«, so Siefermann. »Das wird eher eine tagestouristische Aktivität, aber vielleicht finden die Menschen Gefallen an der Gegend und kommen wieder«, hoffte Wolfgang Reinholz, der das Marketing über die Ferienregion Sasbachwalden–Sasbach–Lauf laufen lässt und seine Gemeinde für die Live-Übertragung im Fernsehen »optisch in Szene setzen« will.
Eines ist allen klar: Die Tour bringt eine Menge Arbeit mit sich, die ohne Überstunden und einer Heerschar an Freiwilligen (überwiegend aus den Vereinen) nicht zu bewältigen wäre. Doch die scheinen motiviert: »Ich bin überrascht, wie positiv die Vorbereitung verläuft, wir sind gut gerüstet«, berichtete Richard Hettig, Sprecher der Appenweierer, der erst kürzlich eine Sitzung mit den Beteiligten aus 20 Vereinen abgehalten hatte. »Die genaue Planung läuft noch, aber rund 16 Vereine haben zugesagt, dass sie links und rechts der Straße bewirten«, so Martin Glaser (Sasbach). Und auch in Renchen sind viele Freiwillige, in Achern die komplette Stadtfest-Mannschaft auf den Beinen.
Abseits der Festmeile
Die Tour lässt sich auch der Einzelhandel nicht entgehen, wenngleich Werben mit dem offiziellen Logo oder auch nur dem Namen (»Tour de France«) rechtlich nicht drinnen ist. »In Appenweier laufen Kooperationen zwischen Vereinen und Geschäftswelt«, so Silke Treyer (Edeka Decker), die etwa den Sportlern ihren Parkplatz zur Verfügung stellt. Aus der Not eine Tugend machen Acherns Geschäfte: »Viele sperren bereits um 6 Uhr auf, da sie anschließend für Stunden abgeschnitten sind«, verwies Vollet und dass die Läden – tourbedingt – in diesem Jahr auch etwas abseits der Festmeile liegen. Diese muss teilweise und mit großem logistischen Aufwand in den Stadtgarten verlegt werden. Mit zwei Show-Bühnen will man die Gäste allerdings zum Pendeln bewegen.
Unheimlich viele Leute
Erfahrungen von einer Tour-Durchfahrt brachte Willi Braun, Vorsitzender des Sportausschusses Achern, ein. Er war am 5. Juli 1987 in Gamshurst dabei: »Es war ein wunderschöner Tag. Die Fahrer waren für 17 Uhr angekündigt, ab 12 Uhr kamen die Gäste, 8000 bis 10 000 säumten die Gamshurster Ortsdurchfahrt.« Für ihn ist klar, auch am 9. Juli 2005 werden– egal wo – »unheimlich viele Leute da sein«.
Deshalb fürchten die Kommunen auch nicht, dass sie sich gegenseitig Besucher abwerben. »Das ist keine große Konkurrenz«, ist Siefermann überzeugt. »Die Hunderttausende von Leuten, die – u. a. aus dem Elsass – in die Ortenau kommen, werden sich verteilen. Es ist wichtig, dass überall etwas geboten wird«, sagte Stein, für den die Tour-Durchfahrt »eine Werbung für die gesamte Region« ist. Dass vor und nach der Tour (»mit einem ‘Wup’ sind die Fahrer durch«, so Braun) für die Gäste etwas geboten wird, freut auch Heinz Rith, Leiter des Polizeireviers Achern/ Oberkirch: »Die An- und Abfahrten verteilen sich dadurch etwas.« Insgesamt rechnet er aber mit »erheblichen Behinderungen«, da die B 3 für mindestens drei Stunden nicht gequert werden kann. Sorgen bereitet ihm auch der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen: »Umleitungen werden bei Unfällen auf der A 5 schwierig.« Insgesamt rüste sich die Polizei mit einem »Großaufgebot« an Einsatzkräften, unterstützt von Feuerwehr, DRK und freiwilligen Ordnern aus den Kommunen, die für Sicherheit und einen geregelten Ablauf sorgen.

Tipps für den Tour-Tag

Mit einigen Hunderttausend Zaungästen rechnen die Orte entlang der Tour de France-Strecke in der Ortenau am Samstag, 9. Juli. Das fordert die Ordnungshüter. »Wir haben Leute in Alarmhundertschaften und unser Einsatzleiter Armin Bohnert hat bei der Tour de France in Freiburg Erfahrung gesammelt«, sagte Polizeichef Heinz Rith, der Tipps für den Tour-Tag gab:
ª Auto stehen lassen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß zur Strecke kommen.
ª Fahrgemeinschaften bilden und möglichst früh in die Orte entlang der Tour kommen, so kann man einen Parkplatz außerhalb belegen und zu Fuß ins Zentrum gehen. Viele Vereine bieten Frühaufstehern ein Tour-Frühstück an.
ª Urlauber, die an diesem Samstag mit dem Auto zu Flughäfen in Söllingen, Stuttgart, Frankfurt müssen, sollten einen Zeitkorridor von drei Stunden (so lange ist etwa eine Querung der B 3 unmöglich) einplanen.
ª Die A 5 nur in Ausnahmefällen benutzen. In NRW beginnen die Ferien, bei Unfällen bestehen kaum Umleitungsmöglichkeiten über die B 3/B 36.
ª Geschäftsleute sollten Kunden und Lieferanten frühzeitig auf Behinderungen am Tour-Tag aufmerksam machen. keh


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