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Von: Kerstin Handsteiner
Ein stolzes Jubiläum feiert der Nesselrieder Radsportverein: Er ist 100
Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt’s an diesem Wochenende ein großes Fest für
Jung und Alt. Vorstandssprecher Artur Leibe (seit 1981 im Verein, seit 1995
im Amt) spricht vorab im Interview über die Gründung und Aufgaben des RSV
Nesselried, aber auch über dessen Nachwuchssorgen.
Ω Der Radsportverein Nesselried scheint zum 100-Jährigen
gleich zwei Geburtstagsgeschenke zu bekommen – zum einen wurde endlich mit
dem Bau des Radwegs nach Appenweier begonnen, zum anderen rollt die Tour de
France am 9. Juli durch den Kernort. Was freut Sie mehr?
Artur Leible: Ganz klar der Radweg. Er ist etwas für die Zukunft, die
Durchfahrt der Tour de France ein einmaliger Moment.
Ω Sie haben aber dennoch etwas für den 9. Juli geplant?
Leible: Ja, da mit der Tour de France auch die umgebaute B 3 eingeweiht
wird, werden wir am Morgen eine Korso-Fahrt von Nesselried weg durchführen.
Etwa 20 Leute werden sich daran beteiligen.
Ω Was läuft sonst noch im Jubiläumsjahr?
Leible: Wir beteiligen uns an zwei weiteren Korso-Fahrten, in Ehrenstetten
bei Freiburg und Bamlach im Markgräferland. Außerdem steht die Teilnahme an
verschiedenen Volksradfahrten auf dem Programm und unsere Jubiläumsfeier am
kommenden Wochenende.
Ω Was wird den Besuchern alles geboten?
Leible: Für die Jugend gibt’s am Freitagabend eine Disco, am Samstagabend
eine »Baden-Media-Ü 30-Party« und am Sonntagnachmittag wartet als Höhepunkt
ein großer Umzug mit anschließendem Festbankett.
Ω Werfen wir kurz einen Blick zurück: Wie war es 1905 eigentlich zur
Gründung eines Radsportvereins in Nesselried gekommen?
Leible: Das Fahrrad war damals das einzige Fortbewegungsmittel, Autos gab’s
noch nicht. Man fuhr mit dem Rad zur Arbeit und hat es auch für die Freizeit
und Geselligkeit entdeckt.
Ω Welche Ziele hatte sich der Verein damals gesteckt?
Leible: Hauptsächlich das Korso-Fahren, eine Tradition, die heute nicht mehr
ganz so groß ist wie früher. Aufzeichnungen aus den 50er-Jahren belegen,
dass wir zweimal den Bezirksmeistertitel im Korso-Fahren geholt haben.
Früher bot der Verein jungen Menschen die Gelegenheit, einmal vom Dorf
wegzukommen und so beteiligten sich an einer Ausfahrt 40 bis 50 Mitglieder,
heute ist es ein harter Kern von etwa 25. Aber wir versuchen, das Ding so
lange wie möglich am Laufen zu halten.
Ω Welche Aufgaben nimmt der Nesselrieder Radsportverein heute hauptsächlich
wahr?
Leible: Wir bereichern – wie jeder Verein – das Dorfleben, etwa mit der
Straßenfasnacht. Außerdem präsentieren wir bei Korso-Ausfahrten Nesselried
außerhalb.
Ω Hat sich der Verein über die 100 Jahre wesentlich verändert?
Leible: Die Zeit ging an unserem wie auch anderen Radsportvereinen nicht
spurlos vorüber. Radfahren ist zwar nach wie vor in, aber immer weniger
Menschen möchten sich an einen Verein binden.
Ω Beteiligen sich die Mitglieder des RSVN auch an Rennen oder ist man
ausschließlich im Freizeitbereich aktiv?
Leible: Der Rennsport ist sehr zeitintensiv und die Teilnahme an Wettkämpfen
für einen kleinen Verein wie unseren finanziell kaum tragbar.
Ω Wie hat sich der Radsport in der Zeit insgesamt verändert?
Leible: Das Prinzip des Radfahrens ist immer noch das gleiche: Wer
vorankommen will, muss treten. Aber die Räder haben sich von alten
Drahteseln zu modernen Rennmaschinen hin entwickelt. Heute gibt es alle
möglichen Modelle wie Mountainbikes oder Tourenräder.
Ω Sportvereine haben im Allgemeinen ja weniger Nachwuchssorgen wie etwa die
Sänger. Wie schaut’s bei Ihnen aus?
Leible: Wie gesagt, Radfahren ist heute als Freizeitsport sehr beliebt, aber
kaum jemand will dafür in einen Verein gehen. Es ist sehr schwierig,
Nachwuchs für unsere Korso-Fahrten zu finden. Aber wer Lust hat, kann sich
jederzeit gerne an mich wenden.
Ω Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?
Leible: Vor allem Lust am Radfahren haben und gesellig sein.
Info & Kontakt
Der Radsportverein Nesselried feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges
Jubiläum. Elf wackere Männer haben den Verein 1905 aus der Taufe gehoben.
Heute zählt er 140 Mitglieder, der Anteil Männer und Frauen ist ausgewogen.
Etwa 25 der Vereinsangehörigen sind auch aktiv. Der Altersdurchschnitt liegt
bei ca. 40 Jahren, das jüngste Mitglieder ist zwei, das älteste 81 Jahre
alt.
In langer Tradition pflegt der Radsportverein Nesselried Korso-Fahrten, für
die die Räder wie bei Festumzügen geschmückt werden. Auf die besten Gruppen
warten Ehrungen und Trophäen. Wer Lust hat, diesen schönen Brauch auch
weiterhin zu pflegen, kann sich mit Vorstandssprecher Artur Leible (π
07805/3854) in Verbindung setzen. Bis zum 18. Lebensjahr ist ein
Jugendbeitrag zu entrichten, anschließend der volle Migliedsbeitrag von acht
Euro pro Jahr. »Wir sind ein günstiger und geselliger Verein«, wirbt Leible
um Verstärkung. keh
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