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Die Kölner Kabarettistin Barbara Ruscher
stellte in der 19. Appenweierer Kabarettnacht ihr Programm »Nackig -
der Kampf ums letzte Hemd« vor. Sie begeisterte ihre zahlreichen
Zuschauer mit viel Wortwitz, flotten Gesangseinlagen und einer sehr
sympathischen Ausstrahlung.
VON MANUELA BIJANFAR
Appenweier. Dass Barbara Ruscher alles
dafür gibt, dass Deutschland gerettet wird, war unverkennbar: Stolz
zeigte sie ihren hochschwangeren Bauch, in dem die zukünftige
Tochter wohnt. »Sie wissen, dass das doppelte Gage bedeutet?«,
wandte sie sich augenzwinkernd an den Kulturamtsleiter Michael
Ackermann.
Aber Sorgen bereitet ihr das Mädchen schon
jetzt: »Was soll ich tun, wenn sie in die Pubertät kommt und dann
Superstar werden will?« Überhaupt die schreckliche
Entscheidungsfreiheit: »Schaffe ich mir ein Kind an oder nicht doch
lieber einen Hamster? Lebe ich homo- oder heterosexuell? Koche ich
was oder hole ich was? Lässte den Freund kochen und holste dann
was?«
Außerdem stellte sie fest, dass die
exotischsten Länder in Köln zuerst mal einen Imbiss aufmachen, bevor
sie überhaupt eine Botschaft haben. »Ich leide unter der
Entscheidungskrankheit«, bekannte sie ganz offen, entschied sich in
Appenweier dann aber ganz spontan, für Richard aus Nußbach, der alle
erogenen Zonen einer Frau kennt, fantastisch kochen kann und
freiwillig den Müll runterbringt. Sie gestand ihrem Publikum, unter
vielen Ängsten zu leiden: der Angst, trotz Fahrkarte nicht
kontrolliert zu werden, Angst vor Nordic Walking (»ist zwar gesund,
sieht aber scheiße aus«), Angst vor Wassertropfen, die die Ohren
verstopfen.
Sie erzählte von ihrem Plan, nach Amerika zu
reisen, wozu sie sich aber erst von ihrem bärtigen Freund trennen
müsste (»sonst dauert die Einreise zu lange«), von ihrer
Jugendliebe, von Michael Jackson und von Spam-Mails. Eine davon hat
sie besonders beeindruckt: Die Penisverlängerung zum Spottpreis ließ
Barbara Ruscher über den Konflikt nachdenken, den ein Mensch mit
zwei Geschlechtern wohl hätte.
»Kauf ich mir High Heels oder Alu-Felgen?
Lackier ich mir die Nägel oder haue ich sie in die Wand? Park ich
rückwärts ein oder gebe ich die Tipps dazu?« Sie klärte die
Zuschauer darüber auf, wieso Männer stets schweigend grillen: »Sie
schämen sich, dass sie die Wurst nicht selbst gejagt haben!«
Zwischendurch setzte sich die hübsche Frau mit
den frechen blonden Zöpfen immer mal wieder ans Klavier, um eine
Gesangseinlage zu geben, oder sie legte einen flotten Rap zur
Bundesgartenschau in Thüringen ein. Dann machte
sie sich Gedanken über die Rentner in
Deutschland, die es sich auf der mittleren
Autobahnspur gemütlich machen, und sie überlegte, was passieren
wird, sollten die Deutschen tatsächlich aussterben: »Die
chilenischen Panflötenspieler bekommen die Fußgängerzonen, die
Holländer die Autobahnen.«
Sie erklärte den Unterschied zwischen
Nacktschnecken und Weinbergschnecken, die Gedanken der Biber zu den
letzten beiden Menschen, warum ihre Mutter bereits ein Grab bei
Tschibo erworben hat, und ihre Auseinandersetzung mit der russischen
Putzfrau Olga, die ihre Möbel im rechtwinkligen Dreieck anordnet und
sämtliche ökologischen Bedenken hinsichtlich der Putzmittel
bedenkenlos ausräumt.
Das absolute Nichts
Das Nirvana liegt nach Ruschers Meinung in
Sachsen-Anhalt, denn dort herrscht das absolute Nichts. Nach einer
gut gemeinten Warnung ans Publikum: »Passen Sie auf, dass Dir
Partner von einer Mischung aus Brad Pitt und Johnny Depp sich im
Laufe der Jahre nicht in eine Mischung aus dem Ossy Osburn und dem
Bullen von Tölz verwandelt!« verließ die flotte Blondine die Bühne.
Sie musste aber noch zweimal zurückkehren:
Das eine Mal, um Richard eine wohlverdiente CD
von sich zu schenken, das zweite Mal, um noch eine Zugabe zu
spielen: ein Lied über Buddha. Dann erst ließen die Appenweierer die
sympathische Kölnerin gehen, von der ein Zuschauer meinte: »Gel, des
isch aber ä netts Mädle! Un die schöne blaue Auge!« Dem wäre nichts
mehr hinzuzufügen.

Leidet unter der
»Entscheidungskrankheit«: Kabarettistin Barbara Ruscher.
Foto: Manuela Bijanfar |