15.05.2007
Netts Mädle« kämpft um ihr HemdBarbara Ruscher gastierte mit ihrem Programm »Nackig« bei der 19. Appenweierer Kabarettnacht

 

Die Kölner Kabarettistin Barbara Ruscher stellte in der 19. Appenweierer Kabarettnacht ihr Programm »Nackig - der Kampf ums letzte Hemd« vor. Sie begeisterte ihre zahlreichen Zuschauer mit viel Wortwitz, flotten Gesangseinlagen und einer sehr sympathischen Ausstrahlung.

VON MANUELA BIJANFAR 

Appenweier. Dass Barbara Ruscher alles dafür gibt, dass Deutschland gerettet wird, war unverkennbar: Stolz zeigte sie ihren hochschwangeren Bauch, in dem die zukünftige Tochter wohnt. »Sie wissen, dass das doppelte Gage bedeutet?«, wandte sie sich augenzwinkernd an den Kulturamtsleiter Michael Ackermann.

Aber Sorgen bereitet ihr das Mädchen schon jetzt: »Was soll ich tun, wenn sie in die Pubertät kommt und dann Superstar werden will?« Überhaupt die schreckliche Entscheidungsfreiheit: »Schaffe ich mir ein Kind an oder nicht doch lieber einen Hamster? Lebe ich homo- oder heterosexuell? Koche ich was oder hole ich was? Lässte den Freund kochen und holste dann was?«

Außerdem stellte sie fest, dass die exotischsten Länder in Köln zuerst mal einen Imbiss aufmachen, bevor sie überhaupt eine Botschaft haben. »Ich leide unter der Entscheidungskrankheit«, bekannte sie ganz offen, entschied sich in Appenweier dann aber ganz spontan, für Richard aus Nußbach, der alle erogenen Zonen einer Frau kennt, fantastisch kochen kann und freiwillig den Müll runterbringt. Sie gestand ihrem Publikum, unter vielen Ängsten zu leiden: der Angst, trotz Fahrkarte nicht kontrolliert zu werden, Angst vor Nordic Walking (»ist zwar gesund, sieht aber scheiße aus«), Angst vor Wassertropfen, die die Ohren verstopfen.

Sie erzählte von ihrem Plan, nach Amerika zu reisen, wozu sie sich aber erst von ihrem bärtigen Freund trennen müsste (»sonst dauert die Einreise zu lange«), von ihrer Jugendliebe, von Michael Jackson und von Spam-Mails. Eine davon hat sie besonders beeindruckt: Die Penisverlängerung zum Spottpreis ließ Barbara Ruscher über den Konflikt nachdenken, den ein Mensch mit zwei Geschlechtern wohl hätte.

»Kauf ich mir High Heels oder Alu-Felgen? Lackier ich mir die Nägel oder haue ich sie in die Wand? Park ich rückwärts ein oder gebe ich die Tipps dazu?« Sie klärte die Zuschauer darüber auf, wieso Männer stets schweigend grillen: »Sie schämen sich, dass sie die Wurst nicht selbst gejagt haben!«

Zwischendurch setzte sich die hübsche Frau mit den frechen blonden Zöpfen immer mal wieder ans Klavier, um eine Gesangseinlage zu geben, oder sie legte einen flotten Rap zur

Bundesgartenschau in Thüringen ein. Dann machte sie sich Gedanken über die Rentner in

Deutschland, die es sich auf der mittleren Autobahnspur gemütlich machen, und sie überlegte, was passieren wird, sollten die Deutschen tatsächlich aussterben: »Die chilenischen Panflötenspieler bekommen die Fußgängerzonen, die Holländer die Autobahnen.«

Sie erklärte den Unterschied zwischen Nacktschnecken und Weinbergschnecken, die Gedanken der Biber zu den letzten beiden Menschen, warum ihre Mutter bereits ein Grab bei Tschibo erworben hat, und ihre Auseinandersetzung mit der russischen Putzfrau Olga, die ihre Möbel im rechtwinkligen Dreieck anordnet und sämtliche ökologischen Bedenken hinsichtlich der Putzmittel bedenkenlos ausräumt.

Das absolute Nichts

Das Nirvana liegt nach Ruschers Meinung in Sachsen-Anhalt, denn dort herrscht das absolute Nichts. Nach einer gut gemeinten Warnung ans Publikum: »Passen Sie auf, dass Dir Partner von einer Mischung aus Brad Pitt und Johnny Depp sich im Laufe der Jahre nicht in eine Mischung aus dem Ossy Osburn und dem Bullen von Tölz verwandelt!« verließ die flotte Blondine die Bühne. Sie musste aber noch zweimal zurückkehren:

Das eine Mal, um Richard eine wohlverdiente CD von sich zu schenken, das zweite Mal, um noch eine Zugabe zu spielen: ein Lied über Buddha. Dann erst ließen die Appenweierer die sympathische Kölnerin gehen, von der ein Zuschauer meinte: »Gel, des isch aber ä netts Mädle! Un die schöne blaue Auge!« Dem wäre nichts mehr hinzuzufügen.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leidet unter der »Entscheidungskrankheit«: Kabarettistin Barbara Ruscher.

Foto: Manuela Bijanfar


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