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Sechs »Ein-Euro-Jobber« sind derzeit für die
Gemeinde Appenweier tätig, vier weitere sollen noch aufgenommen werden. Seit
April ist Sascha Rhode mit dabei. Er konzipiert Internet-Auftritte für die
Vereine.
Von: Kerstin Handsteiner
Appenweier. Sascha Rhode hat aufgehört zu zählen. Wie
viele Bewerbungsschreiben er seit März vergangenen Jahres geschrieben hat,
weiß er nicht mehr so genau. »100«, sagt er schließlich und fügt etwas
nachdenklich an: »Wenn’s langt.« Der Mut hat den 31-Jährigen dennoch nicht
verlassen. Derzeit hat er bei der Gemeinde Appenweier einen »Ein-Euro-Job«
gefunden – wie das Programm für Arbeitslose heißt.
Sein Traumberuf
»Für mich ist das eine wunderbare Sache, ganz toll«, schwärmt der
Appenweierer, der dadurch Referenzen sammeln und seinen Lebenslauf
aufbessern will. Ursprünglich hatte er Industriemechaniker gelernt, sich mit
Gelegenheitsjobs durchgeschlagen und schließlich übers Arbeitsamt zum
IT-System-Kaufmann, seinen »Traumberuf«, umgeschult. »Ich bin mit dem PC
aufgewachsen, das war schon immer mein Hobby«, sagt er.
Bei der Gemeinde gestaltet er nun Hompages für die örtlichen Vereine. Jene
für die Dorfhelferinnen ist fertig, die für den Akkordeonverein gerade in
Arbeit. »Ein Service, den wir ansonsten nicht anbieten könnten«, so
Bürgermeister Hansjürgen Stein, der diese Art der Beschäftigung begrüßt, sie
aber lieber »Zusatz-Jobs« nennen möchte. »Das ist eine uralte Forderung
gewesen, dass Arbeitslose in das Berufsleben eingegliedert werden. Es gibt
nichts Schlimmeres für einen Menschen, als wenn er nichts zu schaffen hat«,
ist Stein überzeugt und fährt fort: »Wir haben hier eine typische
Win-Win-Situation. Beide Seiten profitieren, Herr Rhode sammelt Referenzen
und bekommt ein gutes Zeugnis, wir können die Vereine unterstützen.«
Insgesamt beschäftigt die Gemeinde derzeit sechs Mitarbeiter auf der Basis,
das Gros aus Appenweier bzw. den umliegenden Gemeinden. Sie helfen etwa im
Bauhof und in der Schwarzwaldschule mit. Vier weitere Stellen will man –
laut Stein – noch besetzen, unter anderem für die Bücherei »Salamander« und
das Nesselrieder »Heimatmuseum«. Damit erreiche man das selbst gesteckte
Ziel – »ein Zusatzjob/1000 Einwohner«.
»Wir setzen die Leute bewusst in gemeinnützigen Bereichen ein, um nicht den
Anschein zu erwecken, hier werden billige Arbeitskräfte verheizt«, stellt
Stein klar, weshalb auch Rhode mit der normalen EDV-Arbeit der Gemeinde
nichts zu tun hat. Dass er allerdings seinen Job gut macht, bestätigen Stein
und Dieter Braunstein, zuständig für die EDV im Rathaus. Sechs Monate ist
Rhode vorerst in einer 30-Stunden-Woche im Rathaus beschäftigt. Was danach
kommt, weiß keiner so recht. Rhode hofft auf eine Fixanstellung (»Ich will
mein Geld endlich richtig verdienen.«) und schreibt weiter Bewerbung um
Bewerbung.
Als Web-Designer oder im Linux-Bereich würde er gerne arbeiten, wo, scheint
ihm ziemlich egal. »Ich bin nicht gebunden«, so der Appenweierer. Gebunden
ist er auch nicht an die sechs Monate im Rathaus. Wenn er vor Ablauf des
Programms Arbeit bekommt, kann er jederzeit gehen. »So sehr wir ihn als
Mitarbeiter schätzen, freuen wir uns aber auch, wenn er endlich eine Stelle
findet«, sind sich Stein und Braunstein einig und drücken ihm einstweilen
die Daumen.
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