13.05.2005
»Eine wunderbare Sache für mich« 
Sascha Rhode sammelt seit April als »Ein-Euro-Jobber« im Rathaus Berufserfahrung und Referenzen
 

Sechs »Ein-Euro-Jobber« sind derzeit für die Gemeinde Appenweier tätig, vier weitere sollen noch aufgenommen werden. Seit April ist Sascha Rhode mit dabei. Er konzipiert Internet-Auftritte für die Vereine.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. Sascha Rhode hat aufgehört zu zählen. Wie viele Bewerbungsschreiben er seit März vergangenen Jahres geschrieben hat, weiß er nicht mehr so genau. »100«, sagt er schließlich und fügt etwas nachdenklich an: »Wenn’s langt.« Der Mut hat den 31-Jährigen dennoch nicht verlassen. Derzeit hat er bei der Gemeinde Appenweier einen »Ein-Euro-Job« gefunden – wie das Programm für Arbeitslose heißt.
Sein Traumberuf
»Für mich ist das eine wunderbare Sache, ganz toll«, schwärmt der Appenweierer, der dadurch Referenzen sammeln und seinen Lebenslauf aufbessern will. Ursprünglich hatte er Industriemechaniker gelernt, sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen und schließlich übers Arbeitsamt zum IT-System-Kaufmann, seinen »Traumberuf«, umgeschult. »Ich bin mit dem PC aufgewachsen, das war schon immer mein Hobby«, sagt er.
Bei der Gemeinde gestaltet er nun Hompages für die örtlichen Vereine. Jene für die Dorfhelferinnen ist fertig, die für den Akkordeonverein gerade in Arbeit. »Ein Service, den wir ansonsten nicht anbieten könnten«, so Bürgermeister Hansjürgen Stein, der diese Art der Beschäftigung begrüßt, sie aber lieber »Zusatz-Jobs« nennen möchte. »Das ist eine uralte Forderung gewesen, dass Arbeitslose in das Berufsleben eingegliedert werden. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Menschen, als wenn er nichts zu schaffen hat«, ist Stein überzeugt und fährt fort: »Wir haben hier eine typische Win-Win-Situation. Beide Seiten profitieren, Herr Rhode sammelt Referenzen und bekommt ein gutes Zeugnis, wir können die Vereine unterstützen.«
Insgesamt beschäftigt die Gemeinde derzeit sechs Mitarbeiter auf der Basis, das Gros aus Appenweier bzw. den umliegenden Gemeinden. Sie helfen etwa im Bauhof und in der Schwarzwaldschule mit. Vier weitere Stellen will man – laut Stein – noch besetzen, unter anderem für die Bücherei »Salamander« und das Nesselrieder »Heimatmuseum«. Damit erreiche man das selbst gesteckte Ziel – »ein Zusatzjob/1000 Einwohner«.
»Wir setzen die Leute bewusst in gemeinnützigen Bereichen ein, um nicht den Anschein zu erwecken, hier werden billige Arbeitskräfte verheizt«, stellt Stein klar, weshalb auch Rhode mit der normalen EDV-Arbeit der Gemeinde nichts zu tun hat. Dass er allerdings seinen Job gut macht, bestätigen Stein und Dieter Braunstein, zuständig für die EDV im Rathaus. Sechs Monate ist Rhode vorerst in einer 30-Stunden-Woche im Rathaus beschäftigt. Was danach kommt, weiß keiner so recht. Rhode hofft auf eine Fixanstellung (»Ich will mein Geld endlich richtig verdienen.«) und schreibt weiter Bewerbung um Bewerbung.
Als Web-Designer oder im Linux-Bereich würde er gerne arbeiten, wo, scheint ihm ziemlich egal. »Ich bin nicht gebunden«, so der Appenweierer. Gebunden ist er auch nicht an die sechs Monate im Rathaus. Wenn er vor Ablauf des Programms Arbeit bekommt, kann er jederzeit gehen. »So sehr wir ihn als Mitarbeiter schätzen, freuen wir uns aber auch, wenn er endlich eine Stelle findet«, sind sich Stein und Braunstein einig und drücken ihm einstweilen die Daumen.


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