Salz in Nesselrieder Wunden gestreut
 

Gerd Birsner und Huguette Dreikaus traten beim badisch-elsässischen Abend des SPD-Ortsvereins auf

Es war ein toller Abend, den die SPD ihren Gästen in der Nesselrieder Rebstockhalle bot. Das Unterhaltungsprogramm mit Gerd Birsner und Huguette Dreikaus war Spitze.

Von: Wolfgang Löhnig

Appenweier-Nesselried. Zum ersten Mal lud der SPD-Ortsverein zu einem badisch-elsässischen Abend ein. Die Zuschauerresonanz zeigte deutlich, dass der Veranstalter ins Schwarze getroffen hatte. Rund 200 Besucher waren vom Programm begeistert.
Kein Wunder: Gerd Birsner, der den ersten Teil übernommen hatte, steuerte in alter Manier zu allem seinen humoristischen Beitrag bei. Auch wenn der gerade genesene Birsner von seiner Frau den Tipp bekommen hatte, nichts über Schweineställe zu erzählen, genau in die Nesselrieder Wunde streute er Salz und erntete die ersten Lacher. Und dass Appenweiers Bürgermeister gar ein »Schwob« ist, hätte den Urbadener Birsner beinahe umgeworfen.
»Gut beinand’« ist der Birsner. Dafür kann er allerdings als Ortsvorsteher nichts, ein Fest jage das andere und die Alten-Geburtstage, zu denen ein Ortsvorsteher regelmäßig muss, tun das Ihrige. Natürlich durfte beim Birsner-Programm auch der berühmte Diersheimer »Rappen« nicht fehlen. Begeistert gefeiert, sang er seinen Ohrwurm (»wenn der Bappe mit de Schlappe in de Rappe dappe dued«), interpretierte, sich selbst am Klavier begleitend, den nachdenklichen Song »Laub fällt von den Bäumen« und sprang mit seiner Gitarre als Altrocker Elvis über die Bühne.
Nicht nur Stimme, Klavier und Gitarre waren die Instrumente, mit denen er das Publikum aufs Beste unterhielt, auch die berühmte Mundharmonika durfte nicht fehlen.
Mit Gerd Birsner war in Nesselried nicht das einzige Schwergewicht auf der Bühne. Huguette Dreikaus – »nicht Einkaus oder Zweikaus, sondern Dreikaus« – von Birsner humorvoll angekündigt, war die elsässische Partnerin von der anderen Seite des Rheins. Die von der »Choucrouterie« her bekannte und studierte Germanistin erzählte in ihrer »Muettersprooch« auf ihre eigene unnachahmliche Weise Alltagsgeschehnisse, die in keinem Geschichtsbuch stehen.
Dort sind sie noch nicht verzeichnet, weil sie zu lebendig sind und weil sie noch nach Menschen riechen. Verschmitzt nahm sie das Leben ihrer Landsleute durchaus selbstkritisch unter die Lupe und das manchmal mit deftigem Humor. Selbstverständlich überzeichnete die Kabarettistin und entfachte so riesige Heiterkeitsstürme. Die Zuhörer lachten, bis die Tränen kamen, schlugen sich vor Vergnügen auf die Schenkel, wenn sie von »Mamama« erzählte, von den unzähligen Verkehrskreiseln, von Lockenwicklern oder von den Fernreisenden.
Die Verkehrskreisel dienen durchaus zum Nachdenken, so Huguette Dreikaus. Man könne nämlich so lange im Kreis fahren, bis man einen Einkauf gründlich durchdacht oder sich dieser zwischenzeitlich erledigt hat. Das »Tadsch-Mahal« erläuterte sie, ist die Hochkönigsburg in Indien. Auch Dreikaus krönte ihren Auftritt mit stimmgewaltigen Liedern.


Presseartikel vom 18.05.2004, erschienen in der Acher-Rench-Zeitung


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