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Von: Kerstin Handsteiner
Heute vor zehn Jahren, am 1. Februar 1996, trat Urloffens
Ortsvorsteher Siegfried Spengler sein Amt an. Er folgte Roland Oser,
der aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Spengler
ist in Sachen Ehrenamt kein unbeschriebenes Blatt: Viele Jahre
Elternbeiratsvorsitzender, über ein Jahrzehnt
Personalratsvorsitzender und 15 Jahre Vorsitzender beim Urloffener
Turnverein.
10 Jahre Ortsvorsteher von Urloffen – sind Sie mit Ihrer
Bilanz zufrieden?
Siegfried Spengler: Wenn man ein solches kommunalpolitisches
Ehrenamt übernimmt, hat man tausend Ideen, die man umsetzen will.
Und wenn dann vielleicht auch nur die Hälfte dieser Ideen realisiert
wird, hat man allen Grund, trotzdem zufrieden zu sein.
Erinnern Sie sich an eine Ihrer ersten Aktivitäten?
Spengler: Ja, gewiss! Und für diese Entscheidung ernte ich heute
noch Anerkennung. Dies war die Sperrung des ASV-Platzes mittels
Schranken für ungewollte Besucher. Jeder Urloffener weiß, was beim
Abziehen der Wohnwagen dem örtlichen Bauhof zum Aufräumen
hinterlassen wurde.
Von der Erneuerung der Leichenhalle bis zur Ortskernsanierung
– eine Reihe an Projekten wurde realisiert. Welche lagen Ihnen
besonders am Herzen?
Spengler: Fahren Sie durch Urloffen. Es sind eher die Fremden, die
das schöne Ortsbild loben, aber gerade die Ortsverschönerung gehört
zu meinem Steckenpferd: Dorfbrunnen, Kreisverkehr, Merowingerplatz
und Meerrettichmann, Blumen im ganzen Ort und viele Parkbänke haben
mein Urloffen zum liebens- und lebenswerten Ort gemacht. Die
Neubaugebiete Wörth II und Wörth III, die in meiner Amtszeit
entstanden, sorgen für die positive Entwicklung Urloffens. Mit Runz
II wird auch in den nächsten Jahren Bauwilligen Fläche zur Verfügung
gestellt.
Wie viel wurde seit 1996 in Urloffen investiert?
Spengler: Alleine die Ortskernsanierung verschlang über 2 Millionen
Euro. Eine Million floss in die Erweiterung der Schauenburgschule.
Über eine halbe Million kommt für weitere Sanierungs- und sonstige
Arbeiten hinzu, wie in der Schauenburghalle, Zimmerer Kirche,
Skateranlage am ASV-Platz, Parkplatz beim Max-Jordan-See,
Leichenhalle, Merowingerplatz samt Meerrettichmann, die Feuerwehr
oder das alte Schulgebäude in der Schulstraße. Und dass für die
Gesamtgemeinde 2,2 Millionen für das neue Wasserwerk und 5,4
Millionen Euro für das Klärwerk investiert wurden, nutzt auch uns
Urloffenern.
In dem Jahrzehnt hat sich eine Menge ereignet. Bestimmt nicht
nur Positives?
Spengler: Eines vorweg: das Positive überwiegt. Dass es auch
Enttäuschungen gibt, versteht sich. Meine größte war, dass es uns
nicht gelang, einen Betreiber zu finden, der in der Ortsmitte einen
neuen Lebensmittelmarkt baut. Gott sei Dank laufen im Moment die
Planungen für einen Markt in Zimmern an der B 3. Und der Bevölkerung
muss man jetzt bei allen Gelegenheiten verdeutlichen, hier am Ort
einzukaufen. Nur so hat ein neuer Markt eine Chance. Jeder von uns
will auch im Alter eine funktionierende Infrastruktur am Ort – jetzt
sind die Bürger gefordert.
Immer wieder in der Kritik stand die Kartbahn. Haben sich die
Wogen seit der Errichtung der neuen Lärmschutzwände geglättet?
Spengler: Es gibt noch einige Ungereimtheiten, was die Bauausführung
der Schallschutzwände betrifft. Die Genehmigungsbehörde ist zusammen
mit dem Verein dabei, diese aufzuarbeiten. Ich bin aber sicher, dass
sich ein gangbarer Weg findet, mit dem auch die Bevölkerung leben
kann.
Stichwort Verkehrskonzeption 2010. Über Umgehungs- und
Entlastungsstraßen gab es im vergangenen Jahr heiße Diskussionen und
Widerstände, aus Urloffen wie aus Appenweier. Was wäre für Sie die
Ideallösung?
Spengler: Für die Ideallösung ist es wohl zu spät. Hier hätten sich
alle Städte und Gemeinden zumindest von Offenburg bis Rastatt schon
in den 80er-Jahren um eine neue B3-Trassenführung parallel zur
Autobahn bemühen müssen. Heute können wir nur noch orts- oder
gemeindebezogen reagieren. Und da gilt mein Grundsatz, dass jeder
Ortsteil seine Verkehrsprobleme im eigenen Ort zu regeln hat. Ein
Umlenken zu Lasten anderer Ortsteile wäre nicht vertretbar.
In Ihrer Amtszeit haben die Urloffener auch ihren eigenen
Golfplatz bekommen. Welches Handikap hat der Ortsvorsteher?
Spengler: Zunächst von großem Widerstand der Landwirtschaft
begleitet, ist der Golfplatz zu einer Sportstätte geworden, die den
Ort weit über die Region bekannt macht und auf den die Urloffener
inzwischen auch richtig stolz sind. Mein Handikap, muss ich
gestehen, ist die fehlende Zeit, Bälle zu schlagen. Aber was nicht
ist, kann ja vielleicht noch werden.
Eine erfolgreiche Präsentation Urloffens im Fernsehen hat
Ihnen den Beinamen »Der scharfe Kerl« eingebracht. Was brachte der
TV-Beitrag der Ortschaft?
Spengler: Inzwischen weiß jeder, dass ich den Themen Meerrettich,
Rezepte und Werbung als Meerrettichort größte Bedeutung beimesse.
Mit dem Film über den »scharfen Kerl« – ich war bisher der Meinung,
dass der Meerrettich gemeint ist – ist für unseren Ort eine
Werbelawine in Bewegung geraten. Unzählige Anfragen aus ganz
Deutschland zum Ort, zur Gastronomie und dem Meerrettich gingen ein
und wurden beantwortet. Ich denke, unser Ort und auch die künftigen
Meerrettichfeste werden einen Besucherzuwachs durch diesen Film
verbuchen können.
Die größte Investition in den kommenden Jahren stellt das
Bürgerzentrum dar. Bis wann rechnen Sie mit der Einweihungsfeier?
Spengler: Ich gehe davon aus, dass die Bagger zum Abriss des alten
Schulhauses noch in diesem Jahr anrücken und somit 2007 das Bauwerk
entstehen kann. Die Bezugsfertigkeit mit Einweihung erwarte ich im
Frühjahr/Sommer 2008. Ehrlich gesagt, ich bin stolz auf die
Verwirklichung dieses Urloffener Wunsches.
Hauptberuflich sind Sie bei einer großen Krankenkasse in
Oberkirch beschäftigt. Wie lässt sich dies mit Ihrer Tätigkeit als
Ortsvorsteher vereinbaren, zumal Urloffen den Einwohnerzahlen nach
der größte Teilort der Gesamtgemeinde ist?
Spengler: Die Ortsgröße von über 4300 Einwohnern würde einen
Ganztagsjob rechtfertigen. Da steht man tagtäglich »unter Dampf«.
Während andere öffentliche Dienstherren hier ihren politischen
Ehrenämtlern großzügige Freistellung gewähren, hänge ich die
Arbeitszeit in meinem Hauptberuf weitestgehend an die Zeit bei der
Ortsverwaltung dran. Hinzukommen die Einsätze an sehr vielen Abenden
und Wochenenden. Da kommt regelmäßig ein 12- bis 15-Stunden-Tag
zusammen.
Bleibt da genügend Zeit für Familie oder Hobbys?
Spengler: Nein, die Familie kommt zweifelsfrei zu kurz. Das tut
manchmal weh, insbesondere dann, wenn auch private Dinge zugunsten
des Ehrenamtes zurückstehen müssen.
Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre
gesetzt?
Spengler: Gesund bleiben und irgendwann vielleicht alles nachholen,
was in der Zeit des Ehrenamtes zu kurz kam. Ob diese Rechnung
allerdings aufgeht, regelt ein anderer. |