15.04.2005
Endgültiges Aus für »St. Elisabeth«
Altenheim wird spätestens Ende 2006 geschlossen / Stiftungsrat kommt Heimaufsicht zuvor

 
Nach siebenjährigem Kampf steht nun endgültig fest: Der Betrieb des Appenweierer Altenheims »St. Elisabeth« wird spätestens mit 31. Dezember 2006 eingestellt. Dies hat der Stiftungsrat beschlossen, informierte gestern der geschäftsführende Verwaltungsleiter Frans Mans.

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Wir haben sieben Jahre gekämpft«, sagt der geschäftsführende Verwaltungsleiter Frans Mans, aber »nach langen und sorgfältigen Abwägungen kam der Stiftungsrat zu der Erkenntnis, es gibt kein tragfähiges und langfristiges Gesamtkonzept für ‘St. Elisabeth’, das alle gesetzlichen Auflagen berücksichtigt, wirtschaftlich geführt werden kann sowie die Erwartungen und Gewohnheiten von Bewohnern und Angehörigen erfüllt«. Deshalb habe der Stiftungsrat am 7. April beschlossen, dass der Betrieb des Hauses »St. Elisabeth« bis spätestens 31. Dezember 2006 eingestellt wird.
»Schweren Herzens mussten wir diesen Entschluss fassen«, so Pfarrgemeinderatsvorsitzende Brigitte Mans, die auch im Stiftungsrat sitzt, und verweist, dass man das Heft aber nicht aus Hand geben wollte und der Heimaufsicht deshalb mit der Entscheidung zuvorgekommen sei.
Strukturwandel
Die Heimaufsicht (Landratsamt) hatte das Appenweierer Haus schon länger auf dem Kieker, da half auch ein Strukturwandel (Umwandlung des Altenheims in eine Betreute Senioren-Wohngemeinschaft) nichts, mit dem sich Manfred Busam, Mitglied des Stiftungsrates, jahrelang beschäftigt hatte. Das Urloffener Pflegeheim »St. Martin«, das im vergangenen Jahr in Betrieb ging, übernahm erheblich pflegebedürftige Bewohner sowie die Pflegekräfte. Die Schwestern in »St. Elisabeth« zogen sich aus der Pflege zurück, die der ambulante Dienst der Sozialstation »St. Ursula« (Offenburg) übernahm. Mit den Bewohnern wurden neue Verträge geschlossen.
»Das alles reicht nicht, um die Heimaufsicht von einer Umwandlung in Betreutes Wohnen zu überzeugen«, ist Frans Mans enttäuscht. Denn, so lange die Schwestern im Haus seien, gehe man im Amt davon aus, dass sie mehr für die Bewohner tun, als im Betreuten Wohnen üblich. »Somit ist ‘St. Elisabeth’ in den Augen der Heimaufsicht ein Heim und unterliegt den strengen Heimvorschriften«, sagt der Verwaltungschef.
Beanstandungen habe es auch vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse und des Kooperationspartners »St. Ursula« gegeben, dass zwar im Haus viel für die Bewohner getan, aber nicht alles ordnungsgemäß dokumentiert werde. »Die Qualitätsgarantie wird mit einer exakten Dokumentation nach Vorschrift verknüpft«, so Frans Mans, für den dies alles »Paragrafenreiterei« ist.
Gut gewirtschaftet
Für ihn sei vielmehr entscheidend, dass sich die älteren Leute wohl fühlen und von den ehrenamtlich tätigen Schwestern gut versorgt werden. Sie bezeichnet er als »hervorragende Hauswirtschafterinnen«. In »St. Elisabeth« ticken die Uhren nämlich noch etwas langsamer. Die Bewohner sind in dem familiären Haus kostengünstig untergebracht, sie bekommen Hausmannskost, keine 08/15-Menüs aus einer Großküche, Lebensmittelspenden gibt’s aus dem Ort. »Das Haus ist preiswerter als andere und schreibt schwarze Zahlen. So etwas darf in der heutigen Zeit nicht sein«, ärgert sich Mans und verweist, dass deshalb der Beschluss auch für die Schwestern nicht nachvollziehbar sei.
»Ältere Mitbürger werden in ‘St. Elisabeth« sozialadäquat und sehr, sehr gut versorgt«, ist auch Bürgermeister Hansjürgen Stein überzeugt und meint: Das »preisgünstige Modell« sei nur durch die Barmherzigkeit der Schwestern möglich. Er hat tags zuvor von der Schließung erfahren und müsse »die Nachricht erst verdauen«: »Es ist schade, denn damit fällt eine wichtige Einrichtung der Gemeinde weg.«
Für die 15 Bewohner (sie sind zwischen 77 und 98 Jahren alt) ist die Schließung wohl am schmerzlichsten, aber auch die drei Schwestern, selbst 74, 76 und 78 Jahre alt, hängen an ihrer Aufgabe und dem Haus. »Für sie ist es ein schwacher Trost, dass ihre Heimat das Kloster Hegne ist.«
Zukunft des Hauses
Was mit dem Gebäude in der Appenweierer Bachstraße 6 nach der Heimschließung passieren soll, weiß derzeit weder Brigitte, noch Frans Mans: »Wir stehen erst am Anfang.«

Hintergrund

Das Appenweierer Altenheim »St. Elisabeth« beherbergt derzeit 15 Bewohner, für 17 ist Platz. Träger ist die Pfarrgemeinde »St. Michael«, die am 30. Juni 1985 das 100-Jährige Bestehen des Altenheims und des Kindergartens »St. Elisabeth« feierte.
Das Heim konnte aufgrund von Maria Anna Sauers letzten Willen errichtet werden. Die am 13. Juli 1885 verstorbene Erblasserin vermachte der Pfarrgemeinde nämlich einen respektablen Grundbesitz samt Wohnhaus mit Ökonomie. Sie wollte damit einer Kinderschule und »ortsarmen und gebrechlichen Personen« eine Bleibe verschaffen. Trotz des beachtlichen Stiftungsvermögens war es nicht einfach, im Laufe der Jahre die geforderten Zwecke zu erreichen. Das eineinhalbstöckige Fachwerkhaus am Bach musste manchen Umbau über sich ergehen lassen. Die Stiftungsräte, unterstützt von der Gemeindeverwaltung, richteten zunächst ihr Augenmerk auf die Kinderschule und die Krankenpflege, dafür gewannen sie Schwestern aus der Schweiz, später aus Hegne.
Um die Jahrhundertwende war das Spital überörtlich bedeutend. Nach dem 1. Weltkrieg trat die Altenbetreuung in den Vordergund. red/keh


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