|
Nach siebenjährigem Kampf steht nun endgültig fest: Der Betrieb des
Appenweierer Altenheims »St. Elisabeth« wird spätestens mit 31. Dezember
2006 eingestellt. Dies hat der Stiftungsrat beschlossen, informierte gestern
der geschäftsführende Verwaltungsleiter Frans Mans.
Von: Kerstin Handsteiner
Appenweier. »Wir haben sieben Jahre gekämpft«, sagt der geschäftsführende
Verwaltungsleiter Frans Mans, aber »nach langen und sorgfältigen Abwägungen
kam der Stiftungsrat zu der Erkenntnis, es gibt kein tragfähiges und
langfristiges Gesamtkonzept für ‘St. Elisabeth’, das alle gesetzlichen
Auflagen berücksichtigt, wirtschaftlich geführt werden kann sowie die
Erwartungen und Gewohnheiten von Bewohnern und Angehörigen erfüllt«. Deshalb
habe der Stiftungsrat am 7. April beschlossen, dass der Betrieb des Hauses
»St. Elisabeth« bis spätestens 31. Dezember 2006 eingestellt wird.
»Schweren Herzens mussten wir diesen Entschluss fassen«, so
Pfarrgemeinderatsvorsitzende Brigitte Mans, die auch im Stiftungsrat sitzt,
und verweist, dass man das Heft aber nicht aus Hand geben wollte und der
Heimaufsicht deshalb mit der Entscheidung zuvorgekommen sei.
Strukturwandel
Die Heimaufsicht (Landratsamt) hatte das Appenweierer Haus schon länger auf
dem Kieker, da half auch ein Strukturwandel (Umwandlung des Altenheims in
eine Betreute Senioren-Wohngemeinschaft) nichts, mit dem sich Manfred Busam,
Mitglied des Stiftungsrates, jahrelang beschäftigt hatte. Das Urloffener
Pflegeheim »St. Martin«, das im vergangenen Jahr in Betrieb ging, übernahm
erheblich pflegebedürftige Bewohner sowie die Pflegekräfte. Die Schwestern
in »St. Elisabeth« zogen sich aus der Pflege zurück, die der ambulante
Dienst der Sozialstation »St. Ursula« (Offenburg) übernahm. Mit den
Bewohnern wurden neue Verträge geschlossen.
»Das alles reicht nicht, um die Heimaufsicht von einer Umwandlung in
Betreutes Wohnen zu überzeugen«, ist Frans Mans enttäuscht. Denn, so lange
die Schwestern im Haus seien, gehe man im Amt davon aus, dass sie mehr für
die Bewohner tun, als im Betreuten Wohnen üblich. »Somit ist ‘St. Elisabeth’
in den Augen der Heimaufsicht ein Heim und unterliegt den strengen
Heimvorschriften«, sagt der Verwaltungschef.
Beanstandungen habe es auch vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse und
des Kooperationspartners »St. Ursula« gegeben, dass zwar im Haus viel für
die Bewohner getan, aber nicht alles ordnungsgemäß dokumentiert werde. »Die
Qualitätsgarantie wird mit einer exakten Dokumentation nach Vorschrift
verknüpft«, so Frans Mans, für den dies alles »Paragrafenreiterei« ist.
Gut gewirtschaftet
Für ihn sei vielmehr entscheidend, dass sich die älteren Leute wohl fühlen
und von den ehrenamtlich tätigen Schwestern gut versorgt werden. Sie
bezeichnet er als »hervorragende Hauswirtschafterinnen«. In »St. Elisabeth«
ticken die Uhren nämlich noch etwas langsamer. Die Bewohner sind in dem
familiären Haus kostengünstig untergebracht, sie bekommen Hausmannskost,
keine 08/15-Menüs aus einer Großküche, Lebensmittelspenden gibt’s aus dem
Ort. »Das Haus ist preiswerter als andere und schreibt schwarze Zahlen. So
etwas darf in der heutigen Zeit nicht sein«, ärgert sich Mans und verweist,
dass deshalb der Beschluss auch für die Schwestern nicht nachvollziehbar
sei.
»Ältere Mitbürger werden in ‘St. Elisabeth« sozialadäquat und sehr, sehr gut
versorgt«, ist auch Bürgermeister Hansjürgen Stein überzeugt und meint: Das
»preisgünstige Modell« sei nur durch die Barmherzigkeit der Schwestern
möglich. Er hat tags zuvor von der Schließung erfahren und müsse »die
Nachricht erst verdauen«: »Es ist schade, denn damit fällt eine wichtige
Einrichtung der Gemeinde weg.«
Für die 15 Bewohner (sie sind zwischen 77 und 98 Jahren alt) ist die
Schließung wohl am schmerzlichsten, aber auch die drei Schwestern, selbst
74, 76 und 78 Jahre alt, hängen an ihrer Aufgabe und dem Haus. »Für sie ist
es ein schwacher Trost, dass ihre Heimat das Kloster Hegne ist.«
Zukunft des Hauses
Was mit dem Gebäude in der Appenweierer Bachstraße 6 nach der Heimschließung
passieren soll, weiß derzeit weder Brigitte, noch Frans Mans: »Wir stehen
erst am Anfang.«
Hintergrund
Das Appenweierer Altenheim »St. Elisabeth« beherbergt derzeit 15
Bewohner, für 17 ist Platz. Träger ist die Pfarrgemeinde »St. Michael«, die
am 30. Juni 1985 das 100-Jährige Bestehen des Altenheims und des
Kindergartens »St. Elisabeth« feierte.
Das Heim konnte aufgrund von Maria Anna Sauers letzten Willen errichtet
werden. Die am 13. Juli 1885 verstorbene Erblasserin vermachte der
Pfarrgemeinde nämlich einen respektablen Grundbesitz samt Wohnhaus mit
Ökonomie. Sie wollte damit einer Kinderschule und »ortsarmen und
gebrechlichen Personen« eine Bleibe verschaffen. Trotz des beachtlichen
Stiftungsvermögens war es nicht einfach, im Laufe der Jahre die geforderten
Zwecke zu erreichen. Das eineinhalbstöckige Fachwerkhaus am Bach musste
manchen Umbau über sich ergehen lassen. Die Stiftungsräte, unterstützt von
der Gemeindeverwaltung, richteten zunächst ihr Augenmerk auf die
Kinderschule und die Krankenpflege, dafür gewannen sie Schwestern aus der
Schweiz, später aus Hegne.
Um die Jahrhundertwende war das Spital überörtlich bedeutend. Nach dem 1.
Weltkrieg trat die Altenbetreuung in den Vordergund. red/keh
|