30.07.2004
Stein ärgert sich »granatenmäßig«

Der Schultes bezweifelt die angeblich »mangelnde Wirtschaftlichkeit« der Postfiliale Appenweier
 
Die Deutsche Post wird ihre Filiale in Appenweier zum 15. November schließen. Die Nachricht bekam Bürgermeister Hansjürgen Stein gestern auf den Tisch. Der Schultes war nicht überrascht, bezeichnete aber die Schließung als »Sauerei«.

Von: Fritz Bierer

Appenweier. Schriftlich und mündlich wurde Bürgermeister Hansjürgen Stein von der Schließung der eigenbetriebenen Filiale in Appenweier informiert. »Ich finde das wirklich eine Sauerei, was da abläuft«, schimpfte der Schultes im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Begründung der Post: Die Filiale Appenweier könne nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Die Post sei börsennotiert und stehe im globalen Wettbewerb. Deshalb müsse von Zeit zu Zeit überprüft werden, ob die Filialen dem wirtschaftlichen Maßstab gerecht werden. Die Post, so wurde Stein unterrichtet, werde versuchen in Appenweier einen Partner (zum Beispiel Einzelhändler oder Supermarkt) zu finden, der die Postgeschäfte kostengünstiger betreiben könne. Dies sei eine seit mehreren Jahren bereits praktizierte Möglichkeit.
Als Zeitpunkt der Schließung bzw. Umwandlung in eine Partnerfiliale wurde von Seiten der Post der 15. November genannt. »Wenn die aber jemanden früher finden sollten, dann wird die Postfiliale auch früher geschlossen«, wurde Stein informiert.
Die Postfiliale Appenweier ist mit einem Bediensteten besetzt, der danach »in Offenburg, Kehl oder anderswo« beschäftigt wird. »Das ist bis jetzt noch nicht bekannt, wo der Herr Schweinberger unterkommt, aber dass geschlossen wird, das weiß man«, kritisiert Stein auf der einen Seite die Post, lobt dann aber den Beamten vor Ort als »super, hoch geachteten und allseits gelobter Postler, der mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Schnelligkeit die Dienstgeschäfte abwickelt«.
Stein ist sicher, dass die Post-Entscheidung kaum noch zu kippen ist, trotzdem will er sich mit den betroffenen Kollegen in Willstätt, Oppenau, Rheinau und im Kinzigtal »kurzschließen« und ausloten, wie »wir die Situation anpacken wollen«. Auch hatte Stein bereits ein Gespräch mit der Ersten Landesbeamtin im Landratsamt, Heidi Götz. Sie sei jedoch der Auffassung, dass man ohne Rechtsanspruch nichts ausrichten könne.
Stein nennt die Filialschließungen eine »gigantische Einsparungswelle, auf Teufel komm raus«. Der Bürger habe in Zukunft nicht mehr das ausgebildete hoch qualifizierte Personal. »Ich will damit die Leute in der Postagentur nicht runterputzen, aber in einer dreijährigen Ausbildung lernt man eben mehr, als in einem zweiwöchigen Kurs.« Was Appenweiers Schultes ebenfalls »granatenmäßig ärgert«: In Appenweier sei erst vor wenigen Monaten die Postfilial-Öffnungszeit reduziert worden, ohne Begründung. Und jetzt werden geschrieben, dass die Kunden bei einer Unterbringung der Postdienstleistungen im Supermarkt oder Einzelhandel in den Genuss von längeren Öffnungszeiten kommen würden.
Hansjürgen Stein bezweifelt die von der Post genannte mangelnde Wirtschaftlichkeit. »Die Appenweierer Filiale läuft hervorragend. Egal wenn man hinkommt, da ist immer was los. Zu uns kommen nicht nur Appenweierer und Nesselrieder Bürger, sondern auch aus Nußbach, Zusenhofen, Stadelhofen und Windschläg.«

 

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