14.01.2005
»Suchtverhalten ist Alltagsverhalten«
Wie man Kinder vor Drogenmissbrauch bewahrt / blv
berät an der Schwarzwaldschule Eltern
 
Mit Drogenprävention beschäftigen sich Mütter und Väter in den nächsten Monaten an der Appenweierer Schwarzwaldschule. Dienstagabend fand das erste Eltern-Seminar statt. Dessen Thema: »Was heißt hier eigentlich süchtig?«
 

Von: Kerstin Handsteiner

Appenweier. »Wie viele Alkoholkranke gibt es in Deutschland?« »Ziemlich viele«, sagt eine Frau. »20 Prozent der Deutschen«, meint eine andere. »Was meinen Sie, weniger oder mehr?«, fragt Theo Müller weiter und unter den Müttern und Vätern, die sich in der Schwarzwaldschule versammelt haben, wird gerätselt und geschätzt – bis Müller schließlich die Zahlen auf den Tisch legt: Laut DHS (Deutsche Hauptstelle Sucht) habe es 1999 etwa 2,5 Mio. Alkoholkranke, ca. 1,4 Mio. Medikamentenabhängige und etwa 250 000 Menschen gegeben, die von illegalen Drogen abhängig sind.
Theo Müller ist beim blv (Badischer Landesverband gegen die Suchtgefahren) beschäftigt. An der Appenweierer Schwarzwaldschule leitet er in den kommenden Monaten eine Veranstaltungsreihe (siehe dazu »Eltern-Seminare«) zum Thema »Drogenprävention«.
»Das ist ein Thema, das man nicht einfach so von sich weisen kann«, hatte Rektor Ralf Moll die Eltern zum Auftakt begrüßt. »Keiner von uns wünscht sich engeren Kontakt mit dem Thema«, so Moll, der aber weiß, dass jeder Schüler – wenn schon nicht in der Schule oder im Elternhaus – so auf Partys oder anderswo mit Drogen in Berührung kommen kann: »Wir wollen Ihnen einen Weg aufzeigen, wie Sie mit Ihrem Kind in Kontakt kommen, ihm helfen, stark zu werden und nein zu sagen.« Für Heranwachsende sei dies in Gruppen nämlich besonders schwer.
Müllers Thema am ersten Abend: »Was heißt hier eigentlich süchtig?« Im Dialog mit den Eltern und anhand von Gruppenarbeiten zeigte er den Weg in die Abhängigkeit auf. Sein Fazit: »Kinder kommen über legale Drogen in die Sucht. »Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit für häufiges Trinken, oftmals mit Vollrausch, Filmrissen und Black-outs, was wiederum die Wahrscheinlichkeit für den Konsum für Cannabis erhöht und dieser die Wahrscheinlichkeit für den Konsum anderer illegaler Drogen – von Ecstasy über Aufputschmittel bis hin zu Kokain und Heroin«, zeigte Müller Konsummuster und Zusammenhänge auf. Und, dass »unabhängig von der Art der Droge zwei Wege in eine Sucht führen können«: Gewohnheit sowie Probleme oder schwierige Situationen.
Anhand von Alkoholge- und
-missbrauch verdeutlichte er den Suchtprozess. »Da es bei Gelegenheitstrinkern nur selten zu exzessivem Konsum kommt, bleiben sie oft viele Jahre unentdeckt. Die Regelmäßigkeit ist hier das entscheidende Merkmal«, erklärte Müller am Beispiel eines Schnapsbrenners. Und während die einen Probleme und belastende Situationen mit Joggen, Essen oder Einkaufen kompensieren, greifen andere zur Flasche. Ziel bei Drogenkonsum wie anderen Ausweichversuchen ist eine Besserung des momentanen Befindens. »Die Auswirkungen sind verschieden, die Motive und dahinterstehende Dynamik aber die gleiche«, so Müller, der sagt: »Die beiden Wege machen deutlich, dass es sich bei Sucht nicht um etwas Mys-tisches oder Geheimnisvolles handelt, sondern, dass Suchtverhalten Alltagsverhalten ist.«

Eltern-Seminare:

Die Appenweierer Schwarzwaldschule hat am Dienstagabend die Veranstaltungsreihe zur Suchtprävention gestartet. Sie steht unter dem Motto »Kinder stark machen«. Zum Auftakt führte Theo Müller (Badischer Landesverband gegen die Suchtgefahren) mit seinem Vortrag »Was heißt hier eigentlich süchtig?« in das Thema ein. Weitere Termine stehen in den kommenden Monaten auf dem Programm:
Ω 2. Abend: »Rette mich – Die Sucht und ihre hilflosen Helfer« (Handlungsstrategien im Umgang mit Betroffenen und Gefährdeten) am Dienstag, 15. Februar, 19.30 Uhr.
Ω 3. Abend: »Die sind doch noch zu klein – Suchtprävention in der Erziehung« (6 Persönlichkeitsmerkmale, auf die es ankommt) am Dienstag, 8. März, 19.30 Uhr.
Ω 4. Abend: »Wer erzieht hier eigentlich wen?« (Alltägliches und seine Auswirkungen) am Dienstag, 5. April, 19.30 Uhr.
Ω 5. Abend: »Suchtprävention an der Schule« (Wie geht’s weiter?), der Termin wird noch – in Absprache mit den Teilnehmern – festgelegt.
Alle Veranstaltungen finden im Musiksaal der Appenweierer Schwarzwaldschule statt. Interessierte können noch einsteigen. Weitere Informationen und Anmeldungen telefonisch unter π 07805/9551-0 oder per E-Mail an
schwarzwaldschule@web.de. keh


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