Mit Drogenprävention
beschäftigen sich Mütter und Väter in den nächsten Monaten an der
Appenweierer Schwarzwaldschule. Dienstagabend fand das erste
Eltern-Seminar statt. Dessen Thema: »Was heißt hier eigentlich
süchtig?«
Von:
Kerstin Handsteiner
Appenweier.
»Wie viele Alkoholkranke gibt es in Deutschland?« »Ziemlich viele«,
sagt eine Frau. »20 Prozent der Deutschen«, meint eine andere. »Was
meinen Sie, weniger oder mehr?«, fragt Theo Müller weiter und unter
den Müttern und Vätern, die sich in der Schwarzwaldschule versammelt
haben, wird gerätselt und geschätzt – bis Müller schließlich die
Zahlen auf den Tisch legt: Laut DHS (Deutsche Hauptstelle Sucht)
habe es 1999 etwa 2,5 Mio. Alkoholkranke, ca. 1,4 Mio.
Medikamentenabhängige und etwa 250 000 Menschen gegeben, die von
illegalen Drogen abhängig sind.
Theo Müller ist beim blv (Badischer Landesverband gegen die
Suchtgefahren) beschäftigt. An der Appenweierer Schwarzwaldschule
leitet er in den kommenden Monaten eine Veranstaltungsreihe (siehe
dazu »Eltern-Seminare«) zum Thema »Drogenprävention«.
»Das ist ein Thema, das man nicht einfach so von sich weisen kann«,
hatte Rektor Ralf Moll die Eltern zum Auftakt begrüßt. »Keiner von
uns wünscht sich engeren Kontakt mit dem Thema«, so Moll, der aber
weiß, dass jeder Schüler – wenn schon nicht in der Schule oder im
Elternhaus – so auf Partys oder anderswo mit Drogen in Berührung
kommen kann: »Wir wollen Ihnen einen Weg aufzeigen, wie Sie mit
Ihrem Kind in Kontakt kommen, ihm helfen, stark zu werden und nein
zu sagen.« Für Heranwachsende sei dies in Gruppen nämlich besonders
schwer.
Müllers Thema am ersten Abend: »Was heißt hier eigentlich süchtig?«
Im Dialog mit den Eltern und anhand von Gruppenarbeiten zeigte er
den Weg in die Abhängigkeit auf. Sein Fazit: »Kinder kommen über
legale Drogen in die Sucht. »Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit
für häufiges Trinken, oftmals mit Vollrausch, Filmrissen und
Black-outs, was wiederum die Wahrscheinlichkeit für den Konsum für
Cannabis erhöht und dieser die Wahrscheinlichkeit für den Konsum
anderer illegaler Drogen – von Ecstasy über Aufputschmittel bis hin
zu Kokain und Heroin«, zeigte Müller Konsummuster und Zusammenhänge
auf. Und, dass »unabhängig von der Art der Droge zwei Wege in eine
Sucht führen können«: Gewohnheit sowie Probleme oder schwierige
Situationen.
Anhand von Alkoholge- und
-missbrauch verdeutlichte er den Suchtprozess. »Da es bei
Gelegenheitstrinkern nur selten zu exzessivem Konsum kommt, bleiben
sie oft viele Jahre unentdeckt. Die Regelmäßigkeit ist hier das
entscheidende Merkmal«, erklärte Müller am Beispiel eines
Schnapsbrenners. Und während die einen Probleme und belastende
Situationen mit Joggen, Essen oder Einkaufen kompensieren, greifen
andere zur Flasche. Ziel bei Drogenkonsum wie anderen
Ausweichversuchen ist eine Besserung des momentanen Befindens. »Die
Auswirkungen sind verschieden, die Motive und dahinterstehende
Dynamik aber die gleiche«, so Müller, der sagt: »Die beiden Wege
machen deutlich, dass es sich bei Sucht nicht um etwas Mys-tisches
oder Geheimnisvolles handelt, sondern, dass Suchtverhalten
Alltagsverhalten ist.«
Eltern-Seminare:
Die Appenweierer Schwarzwaldschule hat am Dienstagabend die
Veranstaltungsreihe zur Suchtprävention gestartet. Sie steht unter
dem Motto »Kinder stark machen«. Zum Auftakt führte Theo Müller
(Badischer Landesverband gegen die Suchtgefahren) mit seinem Vortrag
»Was heißt hier eigentlich süchtig?« in das Thema ein. Weitere
Termine stehen in den kommenden Monaten auf dem Programm:
Ω 2. Abend: »Rette mich – Die Sucht und ihre hilflosen Helfer«
(Handlungsstrategien im Umgang mit Betroffenen und Gefährdeten) am
Dienstag, 15. Februar, 19.30 Uhr.
Ω 3. Abend: »Die sind doch noch zu klein – Suchtprävention in der
Erziehung« (6 Persönlichkeitsmerkmale, auf die es ankommt) am
Dienstag, 8. März, 19.30 Uhr.
Ω 4. Abend: »Wer erzieht hier eigentlich wen?« (Alltägliches und
seine Auswirkungen) am Dienstag, 5. April, 19.30 Uhr.
Ω 5. Abend: »Suchtprävention an der Schule« (Wie geht’s weiter?),
der Termin wird noch – in Absprache mit den Teilnehmern –
festgelegt.
Alle Veranstaltungen finden im Musiksaal der Appenweierer
Schwarzwaldschule statt. Interessierte können noch einsteigen.
Weitere Informationen und Anmeldungen telefonisch unter π
07805/9551-0 oder per E-Mail an
schwarzwaldschule@web.de. keh |