Lateinamerika-Feeling versprach die Kulturnacht am
Samstag zum Auftakt des Sommerfestes des
Musikvereins Appenweier. Die Afro-Cuban City Big
Band sorgte für die passenden Töne – nur das
Publikum spielte nicht wirklich mit.
Von:
Michael Müller
Appenweier. Es gehört zum guten Ton beim Musikverein
Appenweier, den Besuchern zum Auftakt seines
Sommerfestes was Besonderes zu bieten. Mal einen
Spalt breit die Tür zu öffnen und zu zeigen, was es
in der großen weiten Welt da draußen noch so an
Klängen gibt. Und er tut gut daran: Schließlich
sollte ein Musikverein nicht zuletzt die Liebe zur
Musik insgesamt fördern und sich nicht auf Blasmusik
allein festnageln lassen.
Allein schon in diesem Genre gibt’s eine große
Bandbreite. Klänge, wie sie die Afro-Cuban City Big
Band diesmal im Festzelt auf dem alten Schulhof bot,
kriegt man nicht oft zu hören. Und schon gar nicht
in dieser Qualität.
Die über 20 Musiker sind alle Profis, und fast alle
kommen sie aus der Freiburger Jazz-Szene. Mit ihrem
Repertoire, das an die große Zeit des Mambo
erinnert, der in den 50er-Jahren als Verschmelzung
karibischer Rhythmen und satter Big-Band-Bläsersätze
des Swing entstand, stehen sie in Europa ziemlich
einzigartig da.
Und tatsächlich: Ihren Job machten sie mehr als
anständig. Die vier Trompeter sorgten mit lustvollen
Fanfarenstößen und ekstatischen Soli für funkelnde
Strahlkraft in den Höhen, und wenn sie sich mit den
vier Posaunen und den Saxophonen zusammentaten,
ergab das eine höchst beeindruckende und beinahe
omnipräsente »Wall of Sound«. Mal zackig, mal cool
und elegant, mal geschmeidig, demonstrierten sie die
ganze Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. Und in
Bolero-Schleichern wie dem berückenden »La vida es
un Sueno« (»Das Leben ist ein Traum«), einer
Liebeserklärung an Kuba, das seinem Titel wahrlich
alle Ehre machte, umschmeichelten sie den Gesang mit
Hingabe und Zurückhaltung zugleich.
Dazu webte die Rhythmusgruppe um Bandleaderin Julia
Diederich einen dichten Groove. Julia Diederich
zeigte übrigens, dass sie nicht nur feinsinning die
Timbales bedienen, sondern auch klasse tanzen kann:
Als erste Zugabe zeigte sie zusammen mit Partner
Juan René Laib eine traditionelle und höchst
sinnliche Rumba.
Schade nur, dass die Besucher die Musiker über weite
Strecken hängen ließen. Sie spendeten zwar
freundlich Applaus, doch es wirkte mehr wie eine
Pflichtübung: Obwohl Sänger Rainer Lenz sie mehrfach
animierte, bequemte sich kaum einer zum Tanzen vor
der Bühne.
Erst als er und Juan René Laib ein paar Damen aus
dem Publikum zum Tanz baten, da kamen sie auf einmal
alle hoch von ihren Bänken und weg von ihren
Tischen, wo sie vielleicht vorher nur heimlich mit
den Füßen gewippt hatten.
Doch ihre Tanzwut hielt nur zwei Stücke lang.
Irgendwie war’s ein Publikum wie bei einem ganz
normalen Blasmusik-Konzert. Doch die Kulturnacht
will ja was Besonderes bieten, und sie tut es ja
auch.
Da darf man durchaus mehr Bereitschaft erwarten,
sich einzulassen auf das, was von der Bühne kommt.
Eine solche Gleichgültigkeit haben werder die
Musiker noch die Organisatoren des Musikvereins
verdient. |