02.12.2004
Urloffener Kanäle werden saniert
Bis 2015 müssen auch Private eine TV-Inspektion ihrer Anschlüsse nachweisen

 

In der Gemeinderatssitzung wurde am Montagabend die Kanalsanierung in Urloffen vorgestellt. Durch diese erhofft sich die Gemeinde, das Fremdwasser in den Griff zu bekommen, das über die Leitungen in das Klärwerk gelangt.
 

Von: keh

Appenweier (keh). Die Gemeinde hatte das Ingenieurbüro Vogel mit der Planung der Kanalsanierung im Ortsteil Urloffen beauftragt. Basis dafür waren Videoaufzeichnungen einer TV-Inspektion. Folgende Teilstrecken wurden unter die Lupe genommen: Anschluss BAB-Raststätte (ca. 504 Meter), Waldstraße (ca. 431 Meter), Mattenstraße (ca. 178 Meter), Verbindung Wald- und Mattenstraße (ca. 311 Meter), Winkelstraße (ca. 858 Meter).
Vorrangiges Ziel der Sanierung: die im Kanalnetz anfallende Fremdwassermenge zu reduzieren sowie Schäden zu beseitigen. »Fremdwasser ist Grundwasser, das über Lecks in Schmutzwasserleitungen eindringt und mitgeführt wird«, erläuterte Bürgermeister Hansjürgen Stein und ging auf das Problem ein: »Viel zu viel Wasser kommt bei der Kläranlage an.« Man sei verpflichtet, den Fremdwasseranteil gering zu halten, da sonst erhebliche Kosten auf die Gemeinde zukämen.
Warum gerade das Urloffener Kanalnetz so anfällig für Fremdwasser ist, erläuterte Bauamtsleiter Uli Brudy: Im Unterschied zu den Kanalsystemen der Ortsteile Appenweier und Nesselried liege jenes in Urloffen nahzu vollständig im Grundwasser oder in der Grundwasserwechselzone.
Rico Nock vom Ingenieurbüro stellte den Gemeinderäten die Planung (Hauptkanäle und zugehörige Schächte) vor. Hauptschäden seien undichte Ver- und Anbindungen sowie Zuläufe, Lageabweichungen und Risse. Das Fazit seines ausführlichen Vortrags: »Durch die Umsetzung des Konzepts wird ein dichtes betriebssicheres Entwässerungsnetz wieder- hergestellt und dadurch die Anforderungen des Gesetzgebers erfüllt.« Allerdings machte Nock auch kein Hehl daraus, dass »eine nachhaltige Reduzierung des Fremdwasseranteils sich nur erreichen lässt, sofern auch die privaten Grundstücksentwässerungsanlagen einbezogen werden«.
Der zertifizierte Kanalsanierungsberater verwies in dem Zusammenhang auf die DIN 1986-30, die fordere, »dass bis zum Ende 2015 Anlagen zur Ableitung von häuslichen Abwässern einer TV-Inspektion zu unterziehen sind«. Stein schlug dazu eine großangelegte Untersuchung in der Gemeinde vor.
Vorerst ging es in der Sitzung aber um den öffentlichen Bereich. Nocks Kalkulation dafür basiert auf vier Bauabschnitten, die Gesamtkosten veranschlagt er mit 453 000 Euro. Montagabend erfolgte zwar noch kein Beschluss, allerdings wurde angedeutet, dass man in einem ersten Schritt den Kanal im Bereich BAB-Raststätte sanieren möchte. Die Kosten dafür: rund 90 000 Euro.
Mit der Kläranlage beschäftigte sich der Rat in einem weiteren Tagesordnungspunkt – und zwar wurde ein Auftrag für den dritten Funktionsabschnitt (maschinelle und elektrische Ausrüstung im Zulaufbereich) über ca. 404 600 Euro an die Stulz GmbH (Grafenhausen) vergeben.

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