Wer das Zimmer von Timo Storost aus Appenweier betritt, merkt sofort, dass
hier ein Fan zu Hause ist. Die Wände sind tapeziert mit Autogrammkarten,
Zeitschriftenseiten und Postern. Immer wieder ist eine junge Blondine zu
sehen: Schauspielerin Alexandra Neldel.
Von: Sarah Schiffling
Appenweier. Seit 1996 als Alexandra Neldel noch in der Fernsehserie »Gute
Zeiten, schlechte Zeiten« spielte, ist der 16-jährige Timo Storost von ihr
begeistert. So richtig in Fahrt kam er aber erst, nachdem er in der
Mittelbadischen Presse ein Interview mit der Berlinerin gelesen hatte.
Derzeit ist sie an jedem Werktag in »Verliebt in Berlin« zu sehen. Von den
125 Folgen hat der Schüler noch keine einzige verpasst. In einem Regal
stehen dicht gedrängt die Videokassetten, auf denen er jeden Auftritt seines
Idols festhält.
Auf die Frage, was ihn so an ihr fasziniert ,antwortet er blitzschnell:
»eigentlich alles«. Besonders ihre Schauspielkünste sind es, die ihn
beeindrucken. Selbstverständlich sieht die 29-Jährige sehr gut aus, aber
auch in ihrer derzeitigen Rolle, die sie mit künstlichen Fettpolstern,
schiefer Nase und Zahnspange spielen muss, ist Storost von ihr sehr angetan.
Nachdem der Schüler jetzt schon vier Autogrammkarten von ihr hat und jede
nur erdenkliche Information, ist sein ganz großer Traum, seinen Star einmal
persönlich zu treffen. Einen Fanclub, der ihm dabei helfen könnte, gibt es
nicht, und selber einen aufzubauen ist ihm allein nun doch zu viel Arbeit,
deshalb setzt er auf Eigeninitiative.
Unermüdlich schreibt er an jede erdenkliche Fernsehstation und jeden
Radiosender, in der Hoffnung, dass einer einen Kontakt herstellen kann. Auch
die diversen Talkshows hat er mittlerweile um Hilfe gebeten. Eine Absage
nach der anderen findet er in seinem Briefkasten, andere machen sich gar
nicht erst die Mühe, seine Schreiben zu beantworten.
In seiner Verzweiflung wandte er sich sogar an Berlins Regierenden
Bürgermeister Klaus Wowereit. Immer wieder wird er an Neldels Agentur
verwiesen, doch auch dort stößt er auf taube Ohren. Man gibt ihm zu
verstehen, dass er nur einer von vielen Schwärmern sei.
50 Blatt Papier
Von dieser Masse wollte er sich nun abheben und startete eine ganz
besondere Aktion. Innerhalb von fünf Tagen und Nächten schrieb er seinem
Star einen 16 Meter langen Brief. Zunächst heftete er 50 Blatt Papier
zusammen und machte sich dann ans Schreiben. Die Ideen seien ihm eigentlich
nie ausgegangen, meint Storost.
Angefangen hat er damit, zu jedem Buchstaben ihres Namens fünf Wörter zu
sammeln, die Neldel beschreiben. Attraktiv für A ist nur ein Beispiel. Im
Anschluss folgen Gedichte und Texte, unter anderem die Verknüpfung all ihrer
Filmtitel zu einer Geschichte. Kreativität, die das Herz eines jeden
Deutschlehrers höher schlagen lassen muss. Seine Mutter unterstützt seine
Bemühungen, aber seine Freunde wissen nicht viel davon, schließlich möchte
er sich keine Konkurrenz schaffen. Fest zusammengerollt liegt der Brief nun
auf dem Schreibtisch des Schülers. Er möchte ihn unbedingt persönlich
übergeben.
Um auf sich aufmerksam zu machen, hat er sogar schon mit einer ganz
großen Boulevardzeitung Kontakt aufgenommen. Eine Fotografin war schon bei
ihm, aber mehr ist daraus bis jetzt noch nicht geworden. Auch wenn die
dauernden Absagen ganz schön am Selbstbewusstsein kratzen, möchte Timo
Storost nicht aufgeben, bis er sein Ziel erreicht und sich einmal mit
Alexandra Neldel getroffen hat |