Von einem »bescheidenen Häuschen«
 

Gemeinde Appenweier investierte 2,15 Millionen Euro in die Verbesserung der Trinkwasserversorgung

Im Kreis von geladenen Gästen nahm Bürgermeister Hansjürgen Stein das erweiterte, aber auch modernisierte Wasserwerk in Betrieb. Rund 2,15 Millionen Euro wurden investiert. Gestern hatte die Bevölkerung beim »Tag der offenen Tür« Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen des Werkes zu werfen

Von: Fritz Bierer

Appenweier. »Wir stehen heute vor einem gut gelungenen und schönen Gebäude«, betrachtete Stein das Werk, um dann zu philosophieren: »Wenn man auf das Gebäude, von der Bundesstraße kommend, zugeht sieht man zuerst den Neubau mit den Flachdächern lins und rechts und darüber wölbt sich das Tonnendach – genau so wie ein sprudelnder Brunnen, der aus dem Brunnentrog entspringt.« Dabei trage auch die Farbe blau viel Symbolik in sich, erkannte das Gemeindeoberhaupt. War das Wasserwerk ursprünglich ein »bescheidenes Häuschen«, so wurde nach dem Anschluss von Urloffen eine Erweiterung unumgänglich.
Das Provisorium hielt dann zwölf Jahre, bis zur jetzigen Investition. Mit den Bauarbeiten wurde in 2001 begonnen. »Die neue Trinkwasserverordnung und die gestiegenen Erwartungen an die Wasserqualität machten eine Erweiterung unaufschiebbar«, begründete Stein am Freitag bei der Einweihung die Maßnahme.
Investiert wurde in eine Entsäuerung des Wassers und die Lieferung gleichmäßiger Wasserqualität für die Ortsteile Appenwier, Urloffen und Nesselried.
Aus Betriebssicherheitsgründen wurden die Wasserspeicher erweitert, die Pumpenleistung des Tiefbrunnens II stabilisiert und es wurde der Objektschutz und die Überwachung des Wassernetzes modernisiert.
Von den 2,15 Millionen Euro Kosten zahlte das Land 645 000 Euro. Allerdings werden auch auf die Verbraucher erhöhte Kosten zukommen, aber erst ab 2005, signalisierte der Schultes.
Gute Qualität
Bernhard Vetter vom Landratsamt (früher Wasserwirtschaftsamt), ging auf die Bedeutung des Trinkwassers als Lebensmittel »Nummer 1« ein. Ein Mengenproblem gebe es bei uns nicht, stellte er fest, problematischer sei die Qualität. Aber auch bei dieser gibt es mit der Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks und der wesentlichen Erweiterung der Wasserschutzzone in Appenweier kein Problem.
Diplomingenieur Peter Sackmann vom Büro Zink schilderte die Historie der Appenweierer Wasserversorgung. Mit dem Anschluss des Ortsteils Urloffen wurde ein Versuchsbrunnen bis zu einer Tiefe von 103 Metern abgeteuft. Das war seinerzeit ein Novum in der Region und diente der Erkundung von nitratärmerem Trinkwasser.
Nach dem Ergebnis, so Sackmann, lieferte dieses Objekt in den tieferen Schichten des Pliozän ein weicheres Wasser als der Tiefbrunnen I, dessen Wasser im Quartär gewonnen wird.
Zur Qualitätssicherung wurden im Vorfeld des Wasserschutzgebietes Vorfeldmessstellen eingerichtet. Mit diesen wird turnusmäßig die Wasserqualität im Einzugsgebiet der beiden Tiefbrunnen kontrolliert.
Gleichmüßiger Druck
Fachmann Peter Sackmann ging detailliert auf die Arbeiten und auf die Probleme mit dem Untergrund während der Bauzeit ein, ehe er das Werk, das für die nächsten Jahre die Wasserversorung aller drei Ortsteile mit gleichmäßigem Wasser und Druck garantiert übergab.


Presseartikel vom 17.05.2004, erschienen in der Acher-Rench-Zeitung


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