Kanalsanierung in Urloffen
Delegation aus Südkorea zu Besuch

v.l.n.r.: Delegation aus Südkorea, Hansjürgen Stein (Bürgermeister), Rico Nock (Bauüberwachung, Ing.-Büro Vogel, Kappelrodeck), Dr. Jürgen Alexander (Geschäftsführer der SAERTEX multiCom GmbH, Saerbeck), Jessica Wankmüller (im Praktikum bei der Gemeinde), (Im Vordergrund und Untergrund) Mitarbeiter der Hans BROCHIER GmbH & Co KG, Nürnberg, Subunternehmer der fakatec GmbH, Waldfischbach-Burgalben.

Eine Delegation aus Südkorea begleitete die Kanalsanierungsarbeiten in Appenweier-Urloffen. Dr. Jürgen Alexander reiste mit der Delegation extra hierfür von der 14. internationalen Fachmesse für Wasser-Abwasser-Abfall-Recycling (IFAT) aus München an. Das System soll auf dem Markt in Südkorea eingeführt werden. Neben dem Messebesuch der Vertreter stand auf dem Programm die Besichtigung der Baustelle in Appenweier vor Ort.

Fremdwasser im Kanalsystem stellt ein Problem im Betrieb der Kläranlage dar. Fremdwasser ist fehlgeleitetes Oberflächenwasser und in den Schmutzwasserkanal eindringendes Grundwasser. In Nesselried ist dies insbesondere bedingt durch das Schichtenwasser im Hanguntergrund und in Urloffen durch die Lage der Kanalleitungen in der Grundwasserwechselzone. Das Fremdwasser dringt in die Kanalleitungen ein, verdünnt hierbei das Schmutzwasser, erhöht das zu reinigende Wasservolumen in der Kläranlage und reduziert gleichzeitig deren Reinigungsleistung. Je größer das zu klärende Wasservolumen, desto höher sind die Reinigungskosten. „Das widerspricht dem Bestreben der Gemeinde die Reinigungskosten und damit die Abwassergebühren für unsere Bürger so gering wie möglich zu halten“, so Bürgermeister Hansjürgen Stein. Daher ist es nicht nur in der Kanalplanung, sondern auch in der Kanalsanierung das erklärte Ziel den Fremdwassereintrag in den Schmutzkanal so gering als möglich zu halten oder gar ganz auszuschließen.

Bereits im September 2002 beschloss der Gemeinderat die Erarbeitung eines Kanalsanierungskonzeptes. Im Zuge der Eigenkontrollverordnung wurden in Urloffen Teilabschnitte des Kanalsystems kontrolliert, rund 4.500m Kanallänge. Die Auswertung der Untersuchungen mit einem Kanalfernauge - einer mobilen, beweglichen Kamera – durch das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro Vogel, Kappelrodeck, dokumentiert als Hauptschadensbilder insbesondere undichte Rohrverbindungen sowie Längs- und Querrisse. Aus statischer und hydraulischer Sicht ist ein Austausch der Leitungen nicht erforderlich. Mit speziellen Innensanierungstechniken werden die Schäden behoben ohne die Straßendecke zu öffnen beziehungsweise unter weitestgehender Schonung der Straßendecke. In der Sitzung des Gemeinderates Appenweier am 29.11.2004 wurde der ausführliche Bericht öffentlich vorgestellt.

Modernste Sanierungstechnik kombiniert im Einsatz. Der erste Sanierungsabschnitt ist der ca. 500 m lange Anschlusskanal der BAB-Raststätte ‚Renchtal-West’ auf der Gemarkung von Urloffen. Punktuell beschädigte Rohre und Rohrverbindungen wurden bereits mit der so genannten Janssen-Injektionstechnik repariert. Mit der Injektion von Polyurethanharz in die Schadstellen, werden hierbei Undichtigkeiten behoben und die Tragfähigkeit der Rohrabschnitte wiederhergestellt. Da dieses Verfahren für die Renovierung einer insgesamt schadhaften Rohrstrecke von Schacht bis Schacht unwirtschaftlich ist, werden ca. 100 m mit einem so genannten Schlauchliner saniert.

Schlauchliner, moderner Stand der Technik zur wirtschaftlichen Kanalsanierung. Nach einer Grundreinigung der Kanalstrecke wird das Schadensbild erneut durch ein Kanalfernauge überprüft und die Kanalstrecke auf Hindernisfreiheit geprüft. Ein eignungsgeprüfter, nahtloser Schlauch aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) der SAERTEX multiCom GmbH, Saerbeck, wird durch den Kanalschacht in das Kanalrohr bis zum Folgeschacht der Leitung eingebracht. Das zunächst flexible Gewebe wird von digitalen Messgeräten kontrolliert unter Druck und Hitze zur Aushärtung gebracht. Am Abend erfolgen die Maßnahmen zur Qualitätsprüfung. Wandstärke und Wasserdichtigkeit sowie weitere Materialkennwerte werden zur Qualitätssicherung geprüft. Ohne Eingriffe in die Straßenoberfläche ist an einem Tag die Kanallänge fertig saniert, Personal- und Maschinenkosten sind dementsprechend geringer.

Die Sanierungskosten der Kanallänge sind für diese Maßnahmen wesentlich günstiger, als sie bei Einsatz herkömmlicher Methoden wären. Insgesamt investiert die Gemeinde ca. 65.000 € für den ersten Sanierungsabschnitt. Es kann auch vorkommen, dass ein undichter Kanal Schmutzwasser ins Grundwasser abgeben könnte. Stein: „Mit der Kanalsanierung schützen wir auch das Grundwasser und die Natur nachhaltig vor schädlichen Einträgen.“

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