Kameradschaft- und Heimatbund Urloffen
Was bewog jene Urloffener Männer, Josef Fritsch
und der damalige Pfarrer Josef Brunner sowie 25 Gleichgesinnte, an Martini, dem
Urloffener Patrozinium, den sog. Militärverein zu gründen und auf Vorschlag von
Pfarrer Brunner, den vielen, in den vergangenen Kriegen gefallenen und
vermissten Bürgern zu gedenken. Diese Tradition und gleichzeitige Verpflichtung
wurde bis zum heutigen Tage aufrechterhalten.
Anlass:
Eine sehr lange, traurige Geschichte; sie geht
zurück bis in die Zeit Napoleons. Jener machtbesessene Kaiser annulliert einfach
die kleinen Grafschaften und Ministaaten rechts des Rheines. Bayern und
Württemberg werden sogar Königreiche. Und den damaligen Kurfürst Karl Friedrich,
Regent der Grafschaft Durlach, (gerade 90.000 Einwohner) ernannte er zum
Großherzog von Baden, allerdings mit der Verpflichtung, im Ernstfall
Truppenkontingente zu stellen. Allein in den Jahren 1806-1815 verloren über 30
000 Badener durch napoleonische Kriege ihr Leben. Der Blutzoll war immens.
“Unser badisches Land ist verarmt und entmannt“, so schrieb ein Zeitzeuge. Das
Großherzogtum wurde 1806 teuer erkauft.
Im Jahre 1848 ereilte das Badnerland ein weiteres, schweres Schicksal. „Die Badische Revolution.“ Von Offenburg und Konstanz ging die zunächst friedliche Bewegung aus; man forderte die konstitutionelle Monarchie, also eine auf einer Verfassung gegründete Regierung. Jene Männer hofften, bei dem feinsinnigen Großherzog Leopold Gehör zu finden. Doch ein preußisches Armeekorps schlug den Aufstand nieder, nachdem in der Garnison Rastatt Offiziere und Mannschaften dem Großherzog den Gehorsam verweigerten. Die Aufständigen wurden standrechtlich erschossen. Und wieder floss badisches Blut. Frauen und Kinder und Eltern verloren wieder einmal ihre Ernährer. Der Großherzog erhängte aufgrund jener Bestrebungen sofort das Versammlungsverbot und führte die 6- jährige Dienstzeit nach preußischem Muster ein.
Erst neun Jahre nach der missglückten Revolution war es der neue Fürst, Großherzog Friedrich, der das Versammlungsverbot aufhob und die Gesellen- Militär- und Turnvereine wieder zuließ. Somit war der Weg geebnet, sich in Gruppen und Organisationen zusammenzuschließen, um der freiheitlichen Forderung mehr Gewicht zu verleihen.
Dies war für Josef Fritsch und seine 25 Männer
das Startsignal, an Martini desselben Jahres, also 1858, den sog. Militärverein
ins Leben zu rufen. Leider ist das Gründungsprotokoll seit 1958 spurlos
verschwunden. Aus mündlichen Überlieferungen aber weiß man, dass der Verein sich
auch verpflichtet hat, den Angehörigen, Witwen und alten Eltern der in den
Kriegen Gefallenen zu helfen, die Ernten einzubringen.
Heute nennt sich der Verein „Kameradschaft
ehemaliger Soldaten“.
Seine Aufgaben und Ziele aber haben sich nicht
geändert. Er fühlt sich gemäß seiner selbst gestellten Satzung nach wie vor für
die Pflege der Kameradschaft, für die Erhaltung und Förderung des kulturellen
Lebens, insbesondere die Wahrung alter Traditionen und der Heimatpflege in der
Ortschaft Urloffen verpflichtet. Gemäß dieser Verpflichtung leistete die
Kameradschaft in den Jahren 1976/77 bei der Kirchenrenovierung einen großen
Beitrag. Durch ihre außergewöhnlichen Vorleistungen blieben der Pfarrgemeinde
über 100.000,- DM (lt. Berechnung. des leitenden Architekten Heinrich Brudy aus
Urloffen) erspart. Im Jahre 1979 war es wieder die Kameradschaft, die den total
verwahrlosten Kirchplatz renovierte. Man sammelte bei den Bürgern 20.000 DM und
verwandelte jene triste Teerwüste in eine ansehnliche Anlage mit Sträuchern und
Pflaster, wie sie heute noch zu sehen sind. Ebenso die Kirchturmbeleuchtung
unserer Pfarrkirche ist ein Verdienst der Kameradschaft, wobei die Mitglieder
über ein Drittel der Kosten selbst beisteuern. Den Rest spendeten bereitwillige
Bürger.
Nun zu unserem Innenleben:
Unser Vereinsheim befindet sich im alten
Schulhaus in der Kapellengasse 11. Aus einem alten Schulsaal haben wir ein
gemütliches Heim geschaffen. Jeden 1. Sonntag im Monat treffen wir uns im
Vereinsheim, besprechen dort vereinsinterne Angelegenheiten, informieren über
Vorplanungen und Vorhaben wie Arbeitseinsätze, kulturelle und informative
Veranstaltungen usw.
Mitgliederstand zum 31. Dezember 2001 = 140
Laut Satzung können alle natürliche Personen Mitglied werden, also auch Frauen, deren einige wir in unseren Reihen haben. Der Außenstehende mag sich vielleicht fragen, warum die Urloffener Kameradschaft sich gerade ihrer nahezu 150-jährigen Existenz erinnert. Diese Erinnerung gipfelt in der Erkenntnis, dass mit diesem Verein soviel Tradition, aber auch soviel Schicksal verbunden ist. Er wurde von Männern gegründet, deren Väter und auch Brüder ihr Leben verpfändeten, ihrer persönlichen Freiheit wegen. Er wurde erhalten von den nachfolgenden Generationen, die dem Inferno der Schlachten entronnen sind. Sie haben eine heilige Verpflichtung sich geschworen, als die Überlebenden zu mahnen, nicht im Krieg gegeneinander zu kämpfen ist lebenswert, sondern im Frieden miteinander zu leben; dahin geht unser Streben! Ein lohnendes Ziel!
Richard Schmidt
Der geschäftsführende Vorstand:
|
1. Vorsitzender |
Günter Hodapp |
|
2. Vorsitzender |
Richard Schmidt |
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3. Vorsitzender und Kulturwart |
Heinz Schneider |
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Kassenverwalter |
Klaus König |
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Schriftführer |
Walter Peske |