Obst- und Gartenbauverein Urloffen e.V.
Das vertraute Bild unserer Landschaft mit dichten Buschbaumreihen, Beerensträuchern und Erdbeerfeldern, gelegentlich von alten Hochstämmen durchsetzt, hat noch keine lange Geschichte.
Denn obwohl schon die Römer auf dem Gebiet der heutigen Ortenau Äpfel, Birnen, Kirschen und Nüsse gezüchtet haben, kann man von einem Obstbau, wie wir ihn heute verstehen, erst seit ungefähr 150 Jahren sprechen. Kirschen in größeren Mengen gab es schon früher. Der Abt des Klosters Schwarzach kaufte im 18. Jahrhundert in Renchen diese Früchte für seine Fronarbeiter und bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts gingen Jahr für Jahr 80 000 Körbe voll von Oberkirch nach Straßburg. Um 1850 hat man wahrscheinlich die „Bühler Zwetschge“ entdeckt, die zur wichtigen Handelsfrucht unserer Gegend wurde.
Der Obstbau verdankt seine Entwicklung weniger dem Gewinnstreben der Landwirte als dem Geschäftssinn der jeweiligen staatlichen Verwaltung. Sie ordnete Neupflanzungen an und führte ausgewählte Sorten ein, um mehr Geld unter die Leute und höhere Abgaben in die Kasse des Landherrn zu bringen.
Die badischen Großherzöge, die 1806 unsere Ortenau in Besitz nahmen, kümmerten sich besonders intensiv um den Zweig der Landwirtschaft. Sie schickten speziell ausgebildete Obstbaubeamte als Berater auf die Dörfer, und die jungen Volksschullehrer erhielten auf den Seminaren ausreichend Kenntnisse vermittelt, dass sie später nicht nur den Kindern „rationellen Obstbau“ beibringen konnten.
Von dieser Maßnahme profitierte man in Urloffen nachweislich so um die Jahrhundertmitte.
Nachdem in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Landkreise als neue
Verwaltungsinstituten eingerichtet worden waren, übernahmen sie die Aufgabe, den Obstbau voranzubringen. Damals schuf man das Amt des Kreisobstbauinspektors, das die Monarchie, die Weimarer Republik und das Dritte Reich unbeschadet überlebt hat und von dem, die Protokollbücher des Obstbauvereins Urloffen bewiesen es, immer wieder wichtige Denkanstöße ausgingen.
Es stellte sich jedoch heraus, dass der landwirtschliche Verein auf Dauer in der großen Umbruchzeit um die Jahrhundertwende die Belange des Obstbaus nur ungenügend wahrnehmen konnte, und man gründete 1892 einen eigenen Obstbaubezirk, zunächst nur für die Bereiche Baden-Baden, Bühlertal und Kinzigtal. 1898 folgte der Bezirk Oberkirch, der sich dem Zweigverein Kinzigtal anschloss.
Doch Bedingungen, Erwartungen und Ziele der beiden Täler erwiesen sich als zu verschieden, dass man nach zwei Jahren die Zusammenarbeit von Oberkirch aus aufgab und ab 21. Januar 1900 den eigenständigen Bezirksobstbauverein Renchtal in Leben rief.
Schon vier Jahre später taten sich die Urloffener Landwirte zusammen und schlossen sich als Ortsgruppe den Renchtälern an.
Dass der damalige Ortspfarrer Wilhelm Röckel das Amt des Vertrauensmannes übernahm, weist darauf hin, wie wichtig man im Dorf die Sache nahm. Nun konnten stärker als bisher die Vorschläge der Behörden nach den besonderen Bedürfnissen in der Gemeinde umgesetzt werden.
Die Jahre um 1930 brachten den Obstbauern Erfolge und Rückschläge. Eine höchst
anschauliche Bestandsaufnahme des Obstbaues in Urloffen vor dem Zweiten Weltkrieg lieferte die Baumzählung vom September 1938. Die größte wirtschaftliche Bedeutung wurde den Apfelbäumen beigemessen, ihre Anzahl übersteigt um ein Mehrfaches die nachfolgende Obstart, die Zwetschge. Bei beiden Früchten kann man feststellen, dass man sich seit Jahren bemühte, die Ernten zu erhöhen, da mehr nicht ertragsfähige Bäume verzeichnet sind als im Ertrag stehende.
Hierzu wurden auch die Hausgärten genutzt. Die meisten Birnen, Süßkirschen und Zwetschgen wurden beim Haus gepflückt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die große Zeit für den Obstbauverein Urloffen. Waren die Jahre bis 1938 im wesentlichen vom Bezirksverein Renchtal und den Vorgaben des Krieges bestimmt, so nahm er zehn Jahre später selbst die Regie im Dorf fest in die Hand, plante und führte aus, was er zum Nutzen eines gesunden und modernen Obstbaues für richtig hielt.
Nachdem 1945 das Besatzungsrecht alle Vereine verboten hatte, verhalfen einige mutige Männer am 11. Januar 1948 der Ortsgruppe Urloffen im Gasthaus „Rose“ zu neuem Leben.
Hauptsächlich zwei Vorsitzende leiteten während der nächsten fünfzig Jahre die Geschicke des Vereins zielstrebig und offensichtlich mit fester Hand Sylvester Knosp und Karl Vollmer, jeder etwa die Hälfte der Zeit. Nur jeweils eine Amtsperiode standen Markus Wörner und Willi Schermann an der Spitze. Natürlich waren die Hauptaufgaben die alten geblieben, die Obstbauern brauchten Fortbildung und Beratung. Dafür sorgte der Verein in stetiger Aufmerksamkeit, ständig holte er Fachleute von überall her, um die Kenntnisse der Obstbauern im Ort auf dem neuesten Stand zu halten.
Über die moderne Schädlingsbekämpfung unterrichteten Vertreter von Pflanzen- Schutzämtern und der chemischen Industrie wie BASF, BAYER oder Spieß. Ein Mann muss an dieser Stelle besonders genannt werden, Herr Kreisobstbauminspektor Zehe vom Landratsamt Kehl. Von 1949 bis 1980 hielt er Jahr für Jahr auf den Veranstaltungen des Vereins Vorträge über Baumpflege, Obstarten und Sortenwahl, Rentabilität und Konkurrenz.
Neben diesen mehr theoretischen Unterweisungen leistete der Verein viel praktische Hilfe, lehrte, wie man Bäume und Früchte richtig behandelt, vermittelte Edelreißer und junge Pflanzen und hielt in den Baumwarten Julius Trautmann und Karl Vollmer ständige Ansprechpartner bereit.
Schon früh suchte man sich Anschauungsunterricht in der Nähe, im Lehrgarten Ebersweier, in der Anlage Kasper in Appenweier und in der alten Wörth in Rheinbischofsheim.
Ein Unternehmen, in das der Verein zusammen mit der Gemeindeverwaltung viel Energie investierte, war die Gemeinschaftsanlage Rieseneck. 1953 wurde der größte Teil des vorgesehenen Gebietes mit Süßkirschen – und Apfel-Hochstämmen bepflanzt, später kamen Schattenmorellen dazu. Nach zehn Jahren erntete man die ersten Kirschen und blickte mit großen Hoffnungen in die Zukunft. Das Rieseneck mauserte sich zu einem Vorzeigeobjekt, das sogar 1976 die Baden-Württembergische Landesregierung besuchte.
Aber die Schwierigkeiten meldeten sich schon früh. Offensichtlich erhielt man das gewünschte Pflanzgut nicht in ausreichender Menge, denn 1958 war das geplante Areal erst fertig angelegt.
Rechtsfragen mit den Besitzern mussten gelöst werden, die ungünstigen Wasserverhältnisse brachten Schaden. Das wechselhafte Interesse einzelner Pächter an ihren Losen wirkte sich aus, Baumwart Karl Vollmer musste Arbeiten anmahnen. In einem Jahr wurden 70 % der Kirschen nicht geschnitten, nachlässige Pflege aber begünstigte die Walserkrankheit, eine der Plagen neben der San-Jose-Schildlaus, Raupen (1971 mit katastrophalem Befall), Scharkakrankheit und Wildfraß, vor denen sich die Landwirte kaum schützen konnten. 1968 übernahm die Gemeinde die gesamte Pflege der Schattenmorellen, was auch keine Abhilfe brachte. Zehn Jahre später begann der endgültige Niedergang. 70 Lose wurden zurückgegeben, die Hälfte davon ließ die Gemeinde roden. 1982 blieben wiederum 70 Lose ohne Pächter. 1984 verkündete Ortsvorsteher Schwelling das Aus für die Anlage. An der Rodung des Riesenecks komme man nicht vorbei.
Aber der Obstbauverein Urloffen gedieh während dieser Jahre prächtig. Zwischen 1951 und 1967 verdoppelte sich die Mitgliederzahl von 60 auf 120, inzwischen wuchs sie auf 135 an.
Die Veranstaltungen erhielten feste Daten im Kalender zugewiesen, Blütenfest im April oder Mai, ein Schnittkurs den Rosenmontag ein Pflanzenschutzstammtisch den Karfreitag. Ein oder zwei größere Ausflüge gehören ins Jahresprogramm und seit 1967 auch die Frauen der Mitglieder die eingeladen werden, dadurch gewinnt die Generalversammlung an gesellschaftlicher Bedeutung.
1988 erscheint zum ersten Male der Name Obst- und Gartenbauverein im Protokollbuch, die Änderung wird allerdings nicht erklärt, vielleicht lag es daran, dass der Verein die Sparte Obstbau längst verlassen und sich auch intensiv um Meerrettichkultur, um Bohnen, Gurken und anderes Gemüse im Vertragsanbau gekümmert hatte.
Große Mühe gaben sich die Mitglieder ebenfalls bei dem jährlichen Wettbewerb, solange dieser durchgeführt wurde, „Unser Dorf soll schöner werden“ der Urloffen einen guten Namen in der ganzen Umgebung einbrachte.
1994 richtete sich der Verein vertraglich in dem 1912 erbauten Volksschulgebäude, Schulstrasse 17 ein eigenes Heim ein, welches zum 31.12.1997 mit dem früheren Raum der DRK-Ortsgruppe Urloffen ( diese erbaute sich ein eigenes Heim) erweitert wurde. Hier können die Mitglieder nun ungestört Erfahrungen austauschen, Fachvorträge in Wort und Bild hören oder sich auch einmal zu einem Erfahrungsaustausch bzw. fröhlichen Bierabend treffen.
Am 05. Juni 1997 ließ sich der Verein beim Amtsgericht Offenburg , um mehr Selbständigkeit zu erhalten, in das Vereinsregister unter dem Namen Obst- und Gartenbauverein Urloffen e.V. eintragen.
In den Jahren 1999 und 2000 beschäftigte man sich innerhalb des Vereins mit dem Gedanken auf der Gemarkung Urloffen Schrebergärten bzw. Kleingartenanlagen anzulegen, hierfür fand man aber bei den zuständigen Gremien wenig Gegenliebe, sodass dieses Thema vielleicht in ein paar Jahren wieder diskutiert werden sollte.
Vorsitzender und Ansprechpartner des Vereins
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Frank Köhli |
An der Halde 7 |
Mitgliedsbeitrag pro Jahr: 6 Euro