Die Geschichte von Nesselried:

1150

Eine Schenkungsurkunde führt mit Adelbert de Nescilrit zum erstenmal den Ortsnamen auf, der wie einige Gewannbezeichnungen auf Rodung hinweist. Wie die Gründungszeit -der Raum soll von Nußbach aus besiedelt worden sein- ist die Geschichte des ganzen Mittelalters noch kaum erforscht. Viele Grundherren besaßen auf der Gemarkung Güter, die Staufenberger, Geroldsecker, Schauenburger, Röder und Rohart. Schon früh werden neben Einzelhöfen(Schweighof, Laubenhof) auch Weiler genannt, Weilerhof(1336: Weiler), Illental, Ufholz.
Aus den unterschiedlichen grundherrschaftlichen Verhältnissen scheint sich die Teilung des Ortes zwischen zwei Landesherren gebildet zu haben, Obernesselried gehörte auf dem von Geroldseckern über die Staufenberger an die Markgrafen gelangten Gebiet zum badischen Stab Durbach, Unternesselried auf früher schauenburgischem Besitz zu Nußbach und damit zur Landvogtei, Gericht Appenweier.
Ähnlich war auch die kirchliche Organisation aufgeteilt, jahrhundertelang betreuten Prämonstratenserchorherren aus Allerheiligen mit Nußbach auch die Einwohner Nesselrieds. 1666 kam Obernesselried zur neugegründeten Pfarrei Durbach, Unternesselried blieb bei Nußbach, ein Teil wurde Appenweier angegliedert.

ca. 1500

Ein unbekannter Künstler stellt das Wallfahrtsbild der Marienkapelle her.

1630

Bau einer Kirche in Nesselried, 1662 wird sie als "Unserer Lieben Frau Capell" bezeichnet.

1668

Die staufenbergischen (aus Obernesselried) und die kaiserlich österreichischen (aus Unternesselried) Untertanen beschließen eine Dorfordnung aufgrund einer früheren, in Kriegszeiten verlorengegangenen Urkunde.

18.Jahrh.

Zeitweise wohnen in Nesselried wie in Durbach und Offenburg Mitglieder der Familie Ried, aus der berühmte Verwaltungsbeamte und Soldaten stammen. Josef von Ried kämpft im Siebenjährigen Krieg ebenso erfolgreich gegen die Preußen, wie er danach neue Futterpflanzen und Rebsorten züchtet.
Die Marienkapelle wird im barocken Stil umgebaut.

1805

Übergang an Baden

1807

Die beiden Ortsteile bauen ein gemeinsames Rathaus

1871

Unter- und Obernesselried vereinigen sich zu einer Gemeinde.

1876

Anstelle der alten Kapelle wird eine neue Kirche errichtet mit dem Patrozinium "Mariä Himmelfahrt".

1900

Die bisherige Kuratie wird selbständige Pfarrgemeinde.

1914-1918

Im Ersten Weltkrieg sterben 28 Männer.

1939-1945

Barackenlager, vor und während des Krieges angelegt, dienen als Unterkünfte, als Waffen- und Bekleidungsdepots. Von 210 Kriegsteilnehmern fallen 68.
Nach dem Krieg Intensivierung und Spezialisierung der bisherigen Landwirtschaft, auch im Feierabendbetrieb: Milchwirtschaft, Kern- und Steinobstanbau, verbunden mit Kleinbrennerei, Weinbau. Viele Einwohner arbeiten in den umliegenden Städten.

1971

Das bisher selbständige Dorf schließt sich in der Form der Ortschaftsverfassung der Gemeinde Appenweier an. Ausbau des Ortes zur modernen Wohngemeinde mit entsprechender Infrastruktur: mehrere neue Baugebiete, Kindergarten, Grundschule, Gemeindehalle, Sportanlagen.

   

zusammengestellt von Karl Maier


Bevölkerungsentwicklung

Auch die Bevölkerungsentwicklung ging in Nesselried stetig voran. Einen größeren Einbruch brachte der Dreißigjährige Krieg, in dem auch die Bevölkerung von Nesselried unter Plünderungen und Verwüstungen zu leiden hatte. Eine starke Bevölkerungsentwicklung war in den Jahren von 1825 bis 1875 zu verzeichnen, aber auch in den letzten 30 Jahren.


Nesselried zählte um das Jahr

1630

ca. 60 Einwohner

1648

12 Einwohner

1825

165 Einwohner

1875

699 Einwohner

1925

680 Einwohner

1971

850 Einwohner

2004

1400 Einwohner


Das Nesselrieder Wappen

Nesselried ist sehr eng mit dem Wein und den Reben verbunden. Dies beweist auch das Wappen. Es zeigt einen grünen Weinstock an schwarzem Rebstecken auf grünem Dreiberg mit silbernem Hintergrund.

Erst im Jahr 2002 erhielt Nesselried eine eigene Ortsfahne, die entsprechend der Wappenkunde, die Farben weiß und grün als Hintergrund und das Wappen als solches im Vordergrund trägt.

 Nesselrieder Ortsfahne