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Besser geht's kabarettistisch
nun wirklich nicht: Dietrich Faber und Martin Guth können nur von sich
selbst übertroffen werden. In Appenweier ließen sie mit ihrem Programm »Abgefahr'n«
ein restlos begeistertes Publikum zurück, dem vom vielen Lachen die
Gesichtsmuskeln schmerzte.
VON MANUELA BIJANFAR
Appenweier. Zunächst
frustrierten die beiden Kabarettisten ihre Zuschauer ein wenig: Dietrich
Faber war noch gar nicht anwesend, und Martin Guth hatte einen dicken
Schmöker dabei, den er komplett vorlesen wollte. Die Handlung: Jörg freut
sich auf eine Beerdigung, denn immerhin hat er den Toten selbst mit
gezücktem Messer erschossen. Warum auch noch die attraktive Witwe ihren
Ehering in den Klingelbeutel wirft, erfährt das Publikum aber erst im Laufe
des Abends.
Stupider Laster-Fahrer
Inzwischen war Faber doch noch erschienen, denn er mimte nun den ermordeten
Wilfried, einen »lustigen Kampftrinkertyp«. Am Boden zerstört und aus allen
Wolken gefallen hingegen, reagiert Jörg auf den Tod seines politischen
Vorbilds Jürgen Möllemann - und ausgerechnet da begegnet er dem stupiden
Laster-Fahrer Wilfried, der mit frauenfeindlichen Sprüchen nur so um sich
wirft.
Als er auch noch seine platten Witze zum Besten geben will, ist es mit Jörgs
Geduld vorbei, er muss den Kampftrinker um die Ecke bringen. Allerdings hat
er nicht mit Kommissar Norbert gerechnet, der schon als Kind eine
Tatort-Neurose entwickelt hat und dessen Mutter sein Zimmer nur in
Handschellen betreten darf. Doch diesen Handlungsstrang verlassen die »faberhaft-guthen«
Kabarettisten immer wieder völlig überraschend, um etwa zwischendurch über
die verhunzte Sprache der heutigen Jugend herzuziehen: |

Landeten im Appenweierer Zunfthaus einen
grandiosen Erfolg (von links): Martin Guth und
Dietrich Faber.
Foto: Manuela Bijanfar |
»Viele deutsche Jugendliche
leben derzeit ohne Verben. Helfen Sie uns: Spenden Sie Verben«, oder das
Fach-Chinesisch per Hotline agierender Computerspezialisten auf die Schippe
zu nehmen: »Downloads, frische Downloads!« Doch nun kommt der entscheidende
Tipp im Mordfall Wilfried von Kommissar Norbert:
Alle Wege führen nach Ochsenheim ins Hotel zum Wilden Ochsen, wo der Mörder
seine blutverschmierten Klamotten auf dem Balkon zum Trocknen aufhängt.
Belastende Beziehung
Dann wird noch einmal der tote Wilfried zum Leben erweckt, der seiner
Ehefrau nie ein böses Wort gegeben hat, wenn nachts die Kinder schrieen und
der seine Beziehung zu der 16-jährigen Melanie als »echt belastend«
ausgerechnet für sich statt für seine Ehefrau empfindet. Die beiden
Kabarettisten schlüpften im Lauf des Abends in ebenso viele Rollen, wie sie
Kleider auf ihrer beachtlich langen Kleiderstange mitgebracht hatten.
Besonders überzeugend: Martin Guth als übereifriger Versicherungsvertreter
und Bundeswehrfeldwebel, der früher einmal Bundestagsabgeordneter der Grünen
war, und Dietrich Faber als Gesangslehrer mit köstlicher Mimik, oder beide
zusammen als Stammtischbrüder mit tiefsinnigen Ge-sprächen im hessischen
Dialekt.
Restlos begeistert
»Ei, Alter, wie ist die Lage?« - »Ach, hör mer uff!« Gerade zu dem
Zeitpunkt, als das Publikum überzeugt ist, dass es besser nicht geht,
übertrifft Dietrich Faber den bisherigen Auftritt noch, indem er als Herbert
Grönemeyer, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in fliegendem
Wechsel mit den typischen Gestiken und Mimiken auftritt. Über hundert
Zuschauer in Appenweier konnten die beiden restlos begeistern und dafür
immer wieder tosenden Applaus ernten. Fazit: »Faberhaft guth« verdienen das
Prädikat »absolut empfehlens-wert«. |