10.10.2005
Jetzt kennen sich die Appenweierer
Berliner Kabarettist Volkmar Staub erntete bei seinem Auftritt viel Beifall


Er kam, sah und wirbelte jede Menge Staub auf: Der Berliner Volkmar Staub, ursprünglich aus dem badischen Wiesental stammend, klärte die Appenweierer darüber auf, was Weltpolitik bedeutet.

Von: Manuela Bijanfar

Appenweier. »Wo das Bienlein summt und das Bio tobt, wo’s die Tracht noch ohne Prügel gibt und ewig der Bollenhut lockt . . .« nämlich im badischen Appenweier, mimte der Wahl Berliner Volkmar Staub mal den Jäger, der eigentlich Schreiner heißt, dann wieder seinen eigenen Vater in der trauten Stammtischrunde oder je nach Bedarf auch den Paranoia-Paule, der in einer Plastiktüte Beweise für eine Weltverschwörung mit sich herumträgt.

Dabei konnte er sich bei dem heutigen Publikum doch gar nicht mehr so sicher fühlen, in dem seit Neuestem auch Web-Designer und Consult-Manager sitzen statt wie früher nur Lehrer und Sozialarbeiter. Er konnte ja nicht ahnen, dass in Renchen die Fraktion der Bürgermeister stets die größte Berufsgruppe darstellt. Doch keine Panik: Sein Humor, manchmal subtil und feinsinnig, dann wieder derb und zotig, bisweilen sogar an der Grenze des guten Geschmacks, er kam trotzdem gut an und wurde begeistert aufgenommen.

In einer Welt, in der das Wegpusten einer Pusteblume bereits die Fallschirmspringer in Florida beeinträchtigen kann oder der Sturz Helmut Kohls ins Meer bereits den nächsten Tsunami auslöst, kann nichts mehr sicher sein, denn alles ist vernetzt. Sogar Staubs Vater im beschaulichen Wiesental sinniert im Bären beim geliebten Tannezäpfle über Weltpolitik nach, indem er sich fragt, wann Bush denn nun Iran und Nordkorea für den Weltmarkt freibombt, oder über den Unterschied zwischen einem Genetiker und einem Gen-Ethiker nachdenkt.

Doch da taucht Paranoia-Paule, mit Plastiktüte und Palästinensertuch bewaffnet, auf, um das Weltbild der Appenweierer zu erschüttern: »Ja glaubt Ihr denn immer noch, dass El-Kaida eine Terror-Organisation ist und keine Pentagon-Erfindung? Wundert’s euch nicht, dass es so viele Wirbelstürme gibt, wenn der Trittin so viele Windräder Richtung Westen aufstellt? Ist euch nicht bekannt, dass sich in Davos jährlich eine Mafia-Bande trifft, um über euch zu bestimmen?«

Dann wechselt Staub wieder problemlos in die Rolle von Elisabeth Tröndle, Esoterikerin aus dem Wiesental, die dem Publikum das richtige Atmen beibringt. Oder er macht einen Ausflug in die Bundespolitik: »Die Linkspartei, die Linkspartei, die ging mir rechts am Arsch vorbei.« Während Rot-Grün sich seinen Oskar redlich verdient hat, kann er sich Westerwelle allenfalls als Familienministerin vorstellen und Roland Koch als Äppelwoi-Berlusconi. »Wozu brauchen Sozialhilfe-Empfänger gesunde Zähne, wenn sie demnächst sowieso nichts mehr zu beißen haben«, überspitzte Staub treffend die tatsächliche Situation.

Bei so viel geballtem Sarkasmus war eine Zugabe unumgänglich. Da trat Staub plötzlich als Häuptling Intschutschuna auf, um die aktuellen Bundespolitiker mit indianischen Namen zu versehen: Stoiber ist der, der mit dem »Äh« tanzt, Oskar vom großen Wasserstrahl und Friedrich mit dem Namen des dritten Mondes. Sie alle geben sich die Ehre, damit Staub ihnen aus der A-Patsche helfen kann.

Nach Staubs Auftritt spätestens waren alle Appenweierer bestens über Weltpolitik informiert und dankten es dem Kabarettisten mit jubelndem Beifall.


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