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Er kam, sah und wirbelte jede Menge Staub auf: Der Berliner Volkmar Staub,
ursprünglich aus dem badischen Wiesental stammend, klärte die Appenweierer
darüber auf, was Weltpolitik bedeutet.
Von: Manuela Bijanfar
Appenweier. »Wo das Bienlein summt und das Bio tobt, wo’s die
Tracht noch ohne Prügel gibt und ewig der Bollenhut lockt . . .« nämlich im
badischen Appenweier, mimte der Wahl Berliner Volkmar Staub mal den Jäger,
der eigentlich Schreiner heißt, dann wieder seinen eigenen Vater in der
trauten Stammtischrunde oder je nach Bedarf auch den Paranoia-Paule, der in
einer Plastiktüte Beweise für eine Weltverschwörung mit sich herumträgt.
Dabei konnte er sich bei dem heutigen Publikum doch gar nicht mehr so
sicher fühlen, in dem seit Neuestem auch Web-Designer und Consult-Manager
sitzen statt wie früher nur Lehrer und Sozialarbeiter. Er konnte ja nicht
ahnen, dass in Renchen die Fraktion der Bürgermeister stets die größte
Berufsgruppe darstellt. Doch keine Panik: Sein Humor, manchmal subtil und
feinsinnig, dann wieder derb und zotig, bisweilen sogar an der Grenze des
guten Geschmacks, er kam trotzdem gut an und wurde begeistert aufgenommen.
In einer Welt, in der das Wegpusten einer Pusteblume bereits die
Fallschirmspringer in Florida beeinträchtigen kann oder der Sturz Helmut
Kohls ins Meer bereits den nächsten Tsunami auslöst, kann nichts mehr sicher
sein, denn alles ist vernetzt. Sogar Staubs Vater im beschaulichen Wiesental
sinniert im Bären beim geliebten Tannezäpfle über Weltpolitik nach, indem er
sich fragt, wann Bush denn nun Iran und Nordkorea für den Weltmarkt
freibombt, oder über den Unterschied zwischen einem Genetiker und einem
Gen-Ethiker nachdenkt.
Doch da taucht Paranoia-Paule, mit Plastiktüte und Palästinensertuch
bewaffnet, auf, um das Weltbild der Appenweierer zu erschüttern: »Ja glaubt
Ihr denn immer noch, dass El-Kaida eine Terror-Organisation ist und keine
Pentagon-Erfindung? Wundert’s euch nicht, dass es so viele Wirbelstürme
gibt, wenn der Trittin so viele Windräder Richtung Westen aufstellt? Ist
euch nicht bekannt, dass sich in Davos jährlich eine Mafia-Bande trifft, um
über euch zu bestimmen?«
Dann wechselt Staub wieder problemlos in die Rolle von Elisabeth Tröndle,
Esoterikerin aus dem Wiesental, die dem Publikum das richtige Atmen
beibringt. Oder er macht einen Ausflug in die Bundespolitik: »Die
Linkspartei, die Linkspartei, die ging mir rechts am Arsch vorbei.« Während
Rot-Grün sich seinen Oskar redlich verdient hat, kann er sich Westerwelle
allenfalls als Familienministerin vorstellen und Roland Koch als
Äppelwoi-Berlusconi. »Wozu brauchen Sozialhilfe-Empfänger gesunde Zähne,
wenn sie demnächst sowieso nichts mehr zu beißen haben«, überspitzte Staub
treffend die tatsächliche Situation.
Bei so viel geballtem Sarkasmus war eine Zugabe unumgänglich. Da trat
Staub plötzlich als Häuptling Intschutschuna auf, um die aktuellen
Bundespolitiker mit indianischen Namen zu versehen: Stoiber ist der, der mit
dem »Äh« tanzt, Oskar vom großen Wasserstrahl und Friedrich mit dem Namen
des dritten Mondes. Sie alle geben sich die Ehre, damit Staub ihnen aus der
A-Patsche helfen kann.
Nach Staubs Auftritt spätestens waren alle Appenweierer bestens über
Weltpolitik informiert und dankten es dem Kabarettisten mit jubelndem
Beifall. |