ART appenweier

Severin Groebner / "Ganz im Ernst"

 

 

 

Scherzbolde und Spaßmacher
»Die Geschichte der Menschheit ist ein großer Witz« - davon ist Kabarettist Severin Groebner überzeugt

Severin Groebner, der Kabarettist mit Kassengestell, schwarzem Pulli und Brunnenvergifter-Harne, ist unverkennbar Wiener. Irgendwie muss sein Geburtsort auf seine Satire durchgeschlagen haben. Groebner wurde sinnigerweise im »Helmut-Qualtinger-Hof« geboren, für ihn offensichtlich eine Verpflichtung.
VON WOLFGANG LÖHNIG

Appenweier. »Ganz im Ernst« ist die 120-minütige Geschichte des Humors von Severin Groebner überschrieben, die bei der Lach- und Schießgesellschaft Premiere hatte. Am Samstag wurde sie im Zunfthaus Appenweier von einem Groebner zum Besten gegeben, der sich mal wunderbar albern, mal zynisch böse, subtil, intelligent, fantasievoll, vergnüglich und manchmal philosophisch gab.
Slapstick und Witz

Hin- und herhetzend zwischen allen Stühlen bot der dürre Wiener eine sehr spezielle Mischung aus Slapstick, Geist und Witz, zeigte sich - in aller Bescheidenheit - als Meister der Komik. Ganz im Ernst. Als Wiener musste es ihm schwer fallen, aber er versprach, seinen österreichischen Dialekt zurückzuhalten, obgleich er in Baden auch nicht gerade in der Hochburg des Hochdeutschen auftrete.
Im Grunde, machte Groebner deutlich, ist alles ein großer Witz. Die Geschichte der Menschheit, voll von Spaßmachern und Scherzbolden, die nichts anderes im Sinn haben als die Menschen bestmöglich zu unterhalten. Platon zum Beispiel war eher humorlos: »Sein einziger guter Witz war die Erfindung der platonischen Liebe.« Cäsar war da schon komischer, »ein Ein-Personen-Witz in der dritten Person«.


 
 

Ein Meister der Mimik und Gestik: Der Kabarettist Severin
Goebel gastierte in Appenweier.

Foto: Wolfgang Löhnig


 

Groebners Hans Wurst, ein autobiographisch gefärbtes und überspitzt dargestelltes Abbild des Autoren, zog sich durchs gesamte Programm, begleitet von der »Krise«, die im Künstler steckte und ihm immer wieder das Leben schwer machte. Gleich, ob die Antike mit Platon satirisch betrachtet wurde, Cäsar oder die Völkerwanderung, die Krise war auf dem Gang durch die Geschichte, die er mit Episoden aus dein Alltag eines krisengeschüttelten Kabarettisten garnierte, immer präsent.
Thuja im Garten

Groebner ließ die Französische Revolution, in der der Humor »Haupt-Sache« war, Revue passieren. Der Komiker, Satiriker, Schauspieler und Sänger glossierte die Völkerwanderung mit seinem Lieder-Potpourri von »Goten ist nichts verboten« bis zu dem Anton aus Tirol entlehnten »I bin der Hunne Attila«.

Mit seiner Persiflage um den Minnegesang gab sich Severin Groebner bayrisch, es ging um den Wunsch, das »Soachzeug« zusammenzustecken. Von der kritischen Betrachtung kirchlicher Rituale bis zur gegenwärtigen Spaßgesellschaft und ihrem »Bomben«-Humor bis hin zum »Eisernen Vorhang« aus Thuja im Schrebergarten seiner Schwiegereltern spannte sich der Themenbogen des Humoristen.

Mit einem ebenso einfühlsamen wie grimmigen Lied bewies Groebner einmal mehr seine kabarettistische Klasse: »Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf«, gab Groebner dem begeisterten Publikum im Appenweierer Zunfthaus mit auf den Weg.

 Presseartikel vom 11. Mai 2004, erschienen in der Mittelbadischen Presse, ARZ

 

zurück