15.11.2004
Vatikan-Rap: »In Kondomine Patris«
Nestbeschmutzer landeten im Appenweierer Zunfthaus einen kabarettistischen Volltreffer

Gerd Weismann aus Großweier und Frank Sauer aus Freiburg brachten als Kabarett-Duo »Nestbeschmutzer« das Appenweierer Zunfthaus zum Kochen. Dabei warfen sie sich die Pointen mit solcher Geschwindigkeit um die Ohren, dass einem schwindlig werden konnte.

Zunächst bekamen sich die beiden Streithähne über die Wegbeschreibung in die Wolle, dann über die Geschwindigkeit beim Autofahren. Während Gerd zum Einschlafen langsam fährt, brettert Frank mit 160 Stundenkilometern durch Baustellen und Absperrungen – kein Wunder, dass Gerd noch immer benommen war. Das hinderte ihn nicht daran, als Priester über Sinn und Unsinn von Weihnachten nachzudenken. Auch über ihre kabarettistischen Programmpunkte waren sich beide nicht immer einig. Während Gerd sich über Reinhold Messmers Reisebeschreibungen lustig machte, holte Frank zur Literaturstunde aus, die von Schillers »Socke« über Heines »Deutschland, ein Wintermantel« bis zu Kleists »Zerbrochener Zug« reichte. In Fellinis sozialkritischem Stummfilm »Das Schweigen der Penner« hatte er nämlich die Schwiegereltern von Messmers Schwester kennen gelernt, weshalb er seinem Kollegen die Seitenhiebe auf Messmer übel nahm. Da tritt wieder Gerd auf, der dieses Mal seine Socken als König und Prinzessin agieren lässt. »Edel, hilfreich, schön und gut muss er sein«, doch da sich der gewünschte Schwiegersohn nicht einstellt, begnügt man sich im Lauf der Jahre mit »Gutedel und schön reich.«

Richtig klasse war dann der »Vatikan-Rap«, in dem die beiden über die Machenschaften dieser Institution »In Kondomine Patris« berichteten. Gleich darauf traten sie als Ossis auf, die mal schnell nach Appenweier »rübergemacht« hatten. Interessiert betrachteten sie ihr Publikum, dem sie gleich eine Iris-Diagnose stellten und Krankenschwestern zuteilten. Aber nicht nur Sächsisch, Schwäbisch und Badisch beherrschten die beiden perfekt, Frank Sauer mimte auch den kölschen Heimwerker überzeugend, der einen 16er Schraubenschlüssel suchte. Dessen Kumpel Rudi aus Bonn-Poppelsdorf zerlegt alle Haushaltsgeräte so perfekt, dass er später »Spiralfedern und Zahnräder aus eigener Schlachtung« per Inserat anbieten kann. Gleich darauf betonte Sauer, dass es unterhalb der Gürtellinie nichts zu lachen gäbe. Den Weg der Spermien Richtung Eizelle beschrieb er als grausamen Konkurrenzkampf auf engstem Raum und mit ständigem Risiko, plötzlich gegen eine Spirale zu knallen.

Dann hatte Gerd plötzlich ein Problem mit der Bühne, denn sie strahlte negative Energie aus. Trotz Obertontelekinese, autogenem Schreiben und Reizstromsitzbädern geht er nie aus dem Haus, ohne zuvor sein Horoskop gelesen zu haben: »Schließlich muss ich doch wissen, wie es mir heute so geht.« Es folgte ein Vortrag der beiden über Einsteins Relativitätstheorie am Beispiel des kalten Kaffees im ICE. Dann durfte ein Vertreter der vom Aussterben bedrohten SPD-Fraktion im Baden-Württemberger Landtag sprechen: »Die spezialdemokratische Kartei der Arbeiterkasse kann in einer Zwischenambulanz auf einen großen hysterischen Erfolg nicht ohne Schmierigkeiten zurückblicken« und ähnliche Wortverdrehungen mehr, für die es vom Publikum begeisterte Zurufe gab.
M. Bijanfar

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